Mit einer Ausstellung, einem festlichen Jubiläumswochenende und zahlreichen Konzerten hat die Musikschule der Stadt Pinneberg im Jahr 2026 ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert. Das Jubiläum bot Gelegenheit, auf fünf Jahrzehnte erfolgreicher Bildungsarbeit zurückzublicken und zugleich den Blick auf die Zukunft der musikalischen Bildung zu richten.
Konzert des eigens zum 50-jährigen Jubiläum der Musikschule Pinneberg gegründeten Celloorchesters mit 37 ehemaligen und heutigen Schülerinnen und Schülern verschiedener Generationen, die eindrucksvoll erlebbar machten, wie verbindend Musik sein kann. Foto: John Hildebrand
Ein Jubiläum und ein Blick in die Zukunft
Fünfzig Jahre Musikschule stehen für weit mehr als ein rundes Jubiläum. Sie stehen für ein halbes Jahrhundert musikalischer Bildung, kultureller Teilhabe und unzähliger persönlicher Geschichten. Generationen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen haben hier ihre ersten musikalischen Erfahrungen gesammelt, Instrumente erlernt, gemeinsam musiziert und die kulturelle Entwicklung der Stadt mitgestaltet.
Die Geschichte der Musikschule der Stadt Pinneberg spiegelt zugleich die Entwicklung vieler öffentlicher Musikschulen in Deutschland wider. Aus einem Fachbereich der Volkshochschule entstand eine eigenständige Bildungseinrichtung mit einem klaren pädagogischen Auftrag. Lehrkräfte, Eltern, Förderer sowie viele Bürgerinnen und Bürger haben diese Entwicklung über Jahrzehnte begleitet und mitgestaltet. Zugleich steht die Musikschule in der Tradition einer bundesweiten Entwicklung, die nach dem Zweiten Weltkrieg von den Ideen der Chancengleichheit und kulturellen Teilhabe geprägt wurde. Der Verband deutscher Musikschulen entwickelte dafür gemeinsame Qualitätsstandards und ein klares Bildungsverständnis.
Anlässlich des Jubiläums zeigte die Musikschule vom 19. Februar bis 11. Mai 2026 im Stadtmuseum Pinneberg die Ausstellung „50 Jahre voller Musik – Ein halbes Jahrhundert Musikschule Pinneberg“. Filme, Fotografien, Dokumente, Instrumente und persönliche Erinnerungen machten fünf Jahrzehnte Musikschularbeit lebendig.
Höhepunkt des Jubiläumsjahres war das Festwochenende vom 5. bis 7. Juni 2026. Beim Festakt begrüßte die Musikschule zahlreiche Gäste aus Politik, Verwaltung, Kultur, Wirtschaft und dem Musikschulwesen, darunter Schleswig- Holsteins Kulturministerin Dorit Stenke, Bürgervorsteherin Natalina di Racca- Boenigk, Bürgermeister Thomas Voerste sowie den Vorsitzenden der Musikschule John Riecken. In ihren Grußworten würdigten sie die Arbeit der Musikschule und ihre Bedeutung für die Stadt und die Region. Musikalisch gestaltet wurde der Festakt von Lehrkräften der Musikschule.
Am folgenden Tag, 6. Juni 2026 präsentierten Schülerinnen und Schüler, Ensembles und Bands bei einer ganztägigen Open-Air-Veranstaltung in der Pinneberger Innenstadt die große musikalische Vielfalt der Musikschule. Am Abend diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Musikschulwesen unter dem Titel „Musikalische Bildung im Wandel – Die Musikschule gestern, heute, morgen“ über die Zukunft öffentlicher Musikschulen. Einigkeit bestand darin, dass Musikschulen heute weit mehr sind als Orte des Instrumental- und Gesangsunterrichts. Sie sind Bildungsorte, kulturelle Treffpunkte und verlässliche Partner für Kitas, Schulen und das gesellschaftliche Leben.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass die vielfältigen Aufgaben öffentlicher Musikschulen eine verlässliche Finanzierung durch Land, Kreise und Kommunen erfordern. Nur so können Musikschulen ihren Bildungsauftrag auch künftig in hoher Qualität erfüllen.
Den musikalischen Höhepunkt bildete das Abschlusskonzert am 7. Juni 2026 mit vier Orchestern der Musikschule in der Christuskirche Pinneberg. Ein besonderes Zeichen setzte das eigens gegründete Celloorchester mit 37 Musikerinnen und Musikern. Ehemalige und heutige Schülerinnen und Schüler verschiedener Generationen musizierten gemeinsam und machten eindrucksvoll erlebbar, wie verbindend Musik sein kann.
Das Jubiläumsjahr zeigte zugleich, wie sich die Musikschule in den vergangenen fünf Jahrzehnten entwickelt hat: Aus einem kleinen Fachbereich der Volkshochschule entstand eine moderne Bildungseinrichtung mit einem vielfältigen Auftrag. Neben dem Instrumental- und Gesangsunterricht gehören heute Kooperationen mit Kitas und Schulen, Ensemblearbeit, kulturelle Projekte und die Förderung des musikalischen Nachwuchses selbstverständlich zum Profil öffentlicher Musikschulen.
„50 Jahre Musikschule, 50 Jahre voller Musik“ lautet das Jubiläumsmotto. Es steht für fünf Jahrzehnte erfolgreicher musikalischer Bildungsarbeit. Gleichzeitig macht das Jubiläum deutlich, vor welchen Herausforderungen öffentliche Musikschulen heute stehen. Mit den gewachsenen Aufgaben sind auch die Anforderungen gestiegen. Viele Entwicklungen konnten in den vergangenen Jahren nur durch den außergewöhnlichen Einsatz von Lehrkräften, Schulleitung und Träger bewältigt werden. Gleichzeitig stehen Musikschulen bundesweit vor der Herausforderung, ausreichend qualifizierte Musikpädagoginnen und Musikpädagogen zu gewinnen. Sinkende Studierendenzahlen an den Musikhochschulen und der zunehmende Fachkräftemangel machen deutlich, dass öffentliche Musikschulen künftig noch stärker in attraktive Arbeitsbedingungen, gute Entwicklungsperspektiven und die Gewinnung des musikalischen Nachwuchses investieren müssen.
Dennoch eröffnet sich für die Musikschule der Stadt Pinneberg eine vielversprechende Perspektive. Die Stadt plant, das ehemalige Kunstmann-Haus zu einem modernen Bildungszentrum für Musikschule und Volkshochschule umzubauen. Der neue Standort im Herzen der Stadt bietet die Chance, Kooperationen weiter auszubauen, neue kulturelle Angebote zu entwickeln und die Musikschule noch stärker als Ort der Bildung, Kultur und Begegnung zu verankern.
Das 50-jährige Jubiläum macht deutlich, dass musikalische Bildung keine Selbstverständlichkeit ist. Musikschulen fördern Kreativität, Gemeinschaft, Verantwortungsbewusstsein und kulturelle Teilhabe – Werte, die unsere Gesellschaft heute mehr denn je braucht. Fünfzig Jahre Musikschule der Stadt Pinneberg sind deshalb nicht nur ein Rückblick auf eine erfolgreiche Geschichte, sondern zugleich ein Auftrag, die Zukunft der musikalischen Bildung aktiv mitzugestalten.
- Share by mail
Share on