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Bank im Kaisersaal Erfurt, aufgenommen bei der Hauptarbeitstagung 2026 des VdM in Erfurt. Foto: Dirk Mühlenhaus

Bank im Kaisersaal Erfurt, aufgenommen bei der Hauptarbeitstagung 2026 des VdM in Erfurt. Foto: Dirk Mühlenhaus

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Für ein Miteinander sensibilisieren statt ausgrenzen

Untertitel
Zwei (rassismus- und diskriminierungskritische) Veranstaltungen des VdM-Projektbüros
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Im Juni lud das Projektbüro des Ver­bandes deutscher Musikschulen zu zwei Online-Veranstaltungen zum The­ma Rassismus- und Diskriminierungskri­tik ein. Denn gerade in „Kultur macht stark“-Projekten ist ein diskriminie­rungssensibler Umgang mit den teil­nehmenden Kindern und Jugendlichen von hoher Bedeutung. 

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Musikschulen gelten oft als geschütz­te Lernräume – fern von Alltagsrassis­mus. Dabei tritt er auch dort auf, nur eben viel subtiler: in Liedtexten, Bild­welten und Lehrwerken als auch in all­täglichen Unterrichtssituationen und Begegnungen zwischen Lehrenden und Lernenden im Musikschulalltag. Wie man hierfür ein Bewusstsein schaffen kann und was einen diver­sitätssensiblen Musikunterricht aus­zeichnet, war Gegenstand der Online- Veranstaltung „Rassismuskritische Musikpädagogik“ am 9. Juni 2026. 

Das Projektbüro von „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ des VdM hatte dazu den Musiker und Hoch­schullehrer Nihat Iman eingeladen. Sein Impulsvortrag startete mit Han­nah Arendts: „Das Handeln bedarf ei­ner Pluralität, in der zwar alle dasselbe sind, nämlich Menschen, aber dies auf die merkwürdige Art und Weise, dass keiner dieser Menschen je einem ande­ren gleicht, der einmal gelebt hat oder lebt oder leben wird.“ Ausgehend von dieser Grundannahme nach Gleichbe­handlung, beleuchtete Nihat Iman ver­schiedene Formen des Rassismus. Er zeigt sich zum Beispiel in ethnischen und religiösen Zuschreibungen und kann strukturell und nationalstaatlich auftreten oder sich in Form des posi­tiven Rassismus äußern: Dabei führt das Anführen vermeintlich „positiv“ ge­meinter Vorurteile bei bestimmten sozi­alen Gruppen zur Reduzierung des Indi­viduums auf seine ethnische Herkunft. Weitere Formen rassistischer Ideolo­gien sind Kulturalisierung und Natura­lisierung, indem kulturelle oder soziale Gegebenheiten als „natürliche“ Eigen­schaften sozialer Gruppen dargestellt werden. Nihat Iman, der selbst prakti­zierender Bağlama-Spieler, Dozent und Musikpädagoge ist, ermutigte die Mu­sikschulkräfte dazu, ihre eigene Unter­richtspraxis zu reflektieren und auf ras­sistische und diskriminierende Verhal­tensweisen (oftmals unbeabsichtigt) hin zu überprüfen. Sensibilisiert wur­de dafür, die Schülerinnen und Schü­ler – abseits vermuteter kultureller Ka­tegorisierungen – in ihrer individuellen Identität zu erkennen, anzusprechen, zu stärken und in einer offenen At­mosphäre zu fördern. In der anschlie­ßenden Diskussion ging es auch um praktische Fragen des Unterrichtsall­tags (z. B. den Umgang mit bestimmten Kinderliedern, die unbekümmert ste­reotype Inhalte verbreiten). An dieser Stelle sei auf die von der Musikschule Bochum herausgegebene Broschüre mit dem Titel „Rassismuskritische Mu­sikpädagogik“ hingewiesen, die prak­tische Hilfestellungen für einen rassis­muskritischen Musikunterricht bietet. Die Publikation steht auf der Website der Musikschule Bochum als kosten­loser Download bereit. 

Rassismus wie auch andere Formen der Diskriminierung, wie Ableismus, Sexismus und Adultismus, sind als For­men der Gewalt zu betrachten und des­wegen auch in Überlegungen zur Ge­waltprävention und zum Kinderschutz mitzudenken. Dies griff Bianca Wam­bach in ihrem Workshop, der am 23. Juni 2026 stattfand, auf. Diskriminie­rung tritt auf verschiedenen Ebenen auf, beispielsweise ideologisch, insti­tutionell oder in zwischenmenschlicher Interaktion, und kann traumatisieren­de Auswirkungen auf die Betroffenen haben. 

Um Diskriminierung im Sinne der Gewaltprävention entgegenwirken zu können, gilt es zunächst, Vorfälle als diskriminierend erkennen zu können. Jeder und jede von uns hat daher die Aufgabe, sich mit dem Thema ausein­anderzusetzen. Es gilt, Normalität zu hinterfragen, etwa Begriffe, die ganz selbstverständlich verwendet werden, die aber für andere Menschen verlet­zend sein können. Im Workshop haben die Teilnehmenden anhand von Fall­beispielen diskutiert, wie Diskriminie­rung auftreten kann und welche Aus­wirkungen sie haben kann, immer mit der Frage im Hinterkopf: „Ist das Ge­walt?“. Dabei wurde deutlich, dass Dis­kriminierung immer aus einer Machtpo­sition heraus agiert, da Macht die Norm bestimmt. Dies bedeutet auch, dass es wichtig ist, sich seiner eigenen Privile­gien bewusst zu sein. 

Bianca Wambach, die als Expertin für Antidiskriminierung im Bildungs­kontext und in Organisationen tätig ist, zeigte den Teilnehmenden des Work­shops anschaulich, wie weitreichend Diskriminierung sein kann und welche Folgen Diskriminierungserfahrungen für die Betroffenen haben können. Denn Diskriminierung als Form der Ge­walt zu erkennen, zeigt, warum es es­senziell ist, das Thema in die Erstellung von Schutzkonzepten mit aufzunehmen. 

Beide Veranstaltungen des Projekt­büros zielten darauf ab, die Teilneh­menden für das Thema Diskriminie­rung zu sensibilisieren, das gerade im Rahmen von „Kultur macht stark“-Pro­jekten wichtig ist zu beachten. Denn im­mer, wenn wir anfangen hinzuschauen, sehen wir auch mehr. 

Die Online-Veranstaltungen wurden organisiert vom Projektbüro des Ver­bandes deutscher Musikschulen im Rahmen des Förderprogramms „Kul­tur macht stark. Bündnisse für Bildung (2023-2027)“ des BMBFSFJ. Die Doku­mentationen sind auf der Projekthome­page unter www.vdm-musikleben.de abrufbar. 

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