Zunächst zwei Wahrheiten, um die wir auch und gerade beim Thema musikalische Bildung nicht herumkommen. 1. Leidenschaft entsteht durch Neugier, aktives Ausprobieren und Handeln – 2. Meister fallen nicht vom Himmel.
Forum – Musikpädagogische Studiengänge und Vernetzungsmöglichkeiten mit Musikschulen „Was ist? – Was kann sein?“ bei der Arbeitstagung des LVdM-RLP in Ingelheim 2025. Foto: © LVdM-RLP
Neugier, aktives Ausprobieren und Handeln
Wenn wir also von den Herausforderungen des musikpädagogischen Fachkräftemangels sprechen, so sprechen wir nicht primär davon, wie junge Menschen NACH ihrem Schulabschluss für ein musikpädagogisches Studium begeistert werden können. Vielmehr rückt in den Fokus die Frage, wie möglichst früh musikalische Leidenschaft erkannt, Neugier unterstützt/ermutigt, aktive Musizier- und Unterrichtspraxis professionell gefördert und dadurch die fürs Studium nötige Meisterschaft erst ermöglicht wird. Die Abwärtsspirale des Fachkräftemangels lautet also vereinfacht: keine Lehrer = keine Schüler = keine Studenten = keine Lehrer = … = Verlust der musikalischen Bildung! Im Rahmen seiner jüngsten Arbeitstagung in Ingelheim hat der Landesverband der Musikschulen in Rheinland-Pfalz e. V. (LVdM-RLP) einen Schwerpunkt auf Ansätze zur Auflösung dieser Spirale gelegt und unter dem Aspekt der gegenseitigen engen Vernetzung die Musikhochschulen aus Mainz (HfM MZ), Mannheim (HfM MA) und Saarbrücken (HfM SB), den Verband deutscher Musikschulen (VdM) sowie den Bund der Schulmusiker (BMU) zum konstruktiven Austausch geladen.
Verantwortung aller Beteiligten
Dabei wurde deut l ich, dass die Schnittstellen zwischen Musikschulen und Hochschulen in der täglichen Praxis zugunsten der Pädagogik enger geworden sind. Prof. Valerie Krupp, Rektorin der HfM MZ betonte daher die Verantwortung aller Beteiligten, das Problem des Fachkräftemangels anzugehen. So zielen die jüngsten umfangreichen Studiengangreformen (IGP und EMP) in Mainz auf Schaffung einer Flexibilität oder Durchlässigkeit innerhalb des Studiums zur Stärkung der pädagogischen Studiengänge ab. Mit einheitlichen Eignungsprüfungen sollen Hierarchien zwischen künstlerischem und pädagogischem Schwerpunkt abgebaut werden. Ebenso soll eine Modernisierung im EMP-Studium zur Lehrtätigkeit in der Instrumental- und Gesangspädagogik wie auch in der EMP befähigen, um künftig dem tatsächlichen Bedarf in der Musikschulpraxis Rechnung zu tragen. Das wachsende Interesse am künstlerisch-pädagogischen Studium bestätigte auch Prof. Carolin Melzer, Leiterin Fachdidaktik der HfM MA, wo man mit der Möglichkeit der Parallelität von künstlerischem und künstlerisch-pädagogischem Studiengang sowie niederschwelligen Übertrittsmöglichkeiten versucht, die in der Lebensrealität fast jedes Musikers präsente pädagogische Tätigkeit abzubilden.
Studiennachwuchs
Um den Studiennachwuchs heranzubilden, etablierte die HfM MA das „Institut für Frühförderung“ unter Leitung von Dr. Martin Grabow, dem etwa das Netzwerk AMADÉE angehört, dem 38 Musikschulen aus der Metropolregion Rhein-Neckar angeschlossen sind. Ziel ist die gemeinsame Förderung der Kinder und Jugendlichen durch kostenlose Zusatzangebote (Konzerte, Workshops, Meisterkurse, Musiktheorie) der HfM MA ergänzend zum Musikschulunterricht. Dabei soll eine Aufnahmeprüfung keine Hemmschwelle darstellen, um nicht nur Spitzen, sondern auch Schülerinnen und Schüler, die noch Entwicklungspotenzial haben, zu fördern. Die Erfahrung zeigt, dass etwa 50 Prozent der AMADÉE-Teilnehmenden ein musikbezogenes Studium aufnehmen.
Ein ähnliches Konzept etablierte die HfM Saar mit der Frühförderung im Rahmen der „Jungen Akademie“. Neben dem „Visitors Status“, das ähnlich wie AMADÉE, den Musikschulunterricht durch Hochschulangebote ergänzt, setzt Rektor Prof. Hans Peter Hofmann große Hoffnung auf das „Study tasting“, die Unterrichtsöffnung für Interessierte am künstlerisch-pädagogischen oder EMP-Studium. Im Studium selbst plant die HfM Saar die Etablierung von Profilierungsbereichen zur Erweiterung des eigenen Studienschwerpunkts und verbunden damit eine Profilberatung nach vier Semestern, um künstlerisch-pädagogische und EMP-Talente zu entdecken und die Studiengänge zu stärken.
In der konstruktiv-kritischen Anschlussdiskussion erfuhren die vorgestellten Konzepte viel Interesse und Anerkennung und die weitere Vernetzung von Musikschulen und Hochschulen wurde von allen Seiten bestätigt.
SVA-Netzwerk
Das große Interesse am Aufbau eines gemeinsamen SVA-Netzwerkes des LVdM-RLP mit der HfM Mainz zog im Anschluss an die Arbeitstagung intensive Entwicklungsgespräche nach sich. Entstanden ist der „Gutenberg Junior Music Campus – Netzwerk zur Förderung des musikalischen und musikpädagogischen Nachwuchses“. Als Netzwerkinitiative von HfM MZ, LVdM-RLP und LdfM-RLP und mit Unterstützung des BMU erhalten Schülerinnen und Schüler vielfältige zusätzliche Möglichkeiten, ihre musikalische Ausbildung zu vertiefen, sich auf die Eignungsprüfung vorzubereiten und die Hochschule für Musik kennenzulernen. Dabei werden sie weiterhin durch ihre Instrumentallehrkräfte an der Musikschule unterrichtet. Die offizielle Kick-off-Veranstaltung zum „Gutenberg Junior Music Campus“ findet statt am 11. September 2026 im Roten Saal der Hochschule für Musik in Mainz.
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