Die Gitarrenakademie der Musikschule der Stadt Koblenz wurde vor 25 Jahren vom damaligen Fachbereichsleiter und Gründer eines der größten Gitarrenfestivals weltweit (Rhine Guitar Festival & Academy, vormals: Koblenz International Guitar Festival & Academy), Georg Schmitz, Professor an der Hochschule für Musik Mainz, ins Leben gerufen, um junge, aus Stadt und Region stammende Nachwuchsgitarristen bei der Vorbereitung auf Wettbewerbe (etwa Jugend musiziert) und Aufnahmeprüfungen an Hochschulen zu fördern.
Hubert Käppel. Foto: Christian Holzknecht/Hubert Käppel
Wir möchten vor allem motivieren
Für den Hauptfachunterricht konnte er den international bekannten Solisten und Musikprofessor Hubert Käppel gewinnen, der damals bereits auf eine 24-jährige Unterrichtstätigkeit an der Musikhochschule Köln zurückblicken konnte und aus dessen Klasse unzählige erfolgreiche Solisten, Preisträger und Hochschullehrer hervorgingen. Recht schnell breitete sich der Ruf der Gitarrenakademie aus, sodass bis heute viele junge Gitarristen aus der ganzen Welt hier einen bedeutenden Teil ihrer musikalischen Ausbildung genießen. Dominik Grimm, Leiter der Musikschule Koblenz, führte mit ihm ein Interview zu einem neu aufgelegten Gitarrenwettbewerb.
Dominik Grimm: Was war der Auslöser, einen neuen Gitarrenwettbewerb für junge Menschen ins Leben zu rufen und welche Lücke möchten Sie in der bestehenden Wettbewerbslandschaft füllen?
Hubert Käppel: Viele junge Gitarristen verfügen über ein enormes Potential, haben aber nicht genügend Möglichkeiten, dies außerhalb des Unterrichts zu zeigen. Es fehlt an qualifizierten Auftrittsmöglichkeiten vor Publikum. Der Wettbewerb Jugend musiziert findet in der Kategorie Gitarre solo nur alle drei Jahre statt und kann diese Erfordernisse nicht abdecken. Auch möchten wir junge Musiker animieren und motivieren, durch diesen Wettbewerb schlicht und einfach mehr zu üben.
Grimm: Was unterscheidet diesen Wettbewerb von anderen Gitarrenwettbewerben in Deutschland?
Käppel: Die Betonung liegt auf „Jugend“wettbewerb. Ich bin mit dem größten europäischen Gitarrenwettbewerb inklusive des Festivals eng verbunden (Rhine Guitar Festival & Academy, vormals: Koblenz International Guitar Festival & Academy) – der Wettbewerb dort wird unter meinem Namen geführt und von Prof. Georg Schmitz geleitet. Unser Jugendwettbewerb richtet sich an jüngere Altersgruppen und versteht sich nicht als Selektionssystem, sondern primär als pädagogisch orientiertes Forum.
Grimm: Wie möchten Sie junge Gitarrist:innen ermutigen, sich überhaupt anzumelden?
Käppel: Entscheidend wird sein, den Teilnehmern die Angst vor dem Wettbewerbsbegriff zu nehmen und deutlich zu machen, dass wir vor allem motivieren möchten. Das ist natürlich Aufgabe der Gitarrenlehrer, die ihre Schüler zur Teilnahme bewegen möchten.
Grimm: Nach welchen Kriterien bewertet die Jury die Beiträge und worauf wurde bei der Auswahl der Jurymitglieder geachtet?
Käppel: Die Jury sollte auf keinen Fall ausschließlich technische Perfektion, sondern die musikalisch-künstlerische Gesamtleistung bewerten – immer mit dem Fokus auf der Motivation zum Weitermachen. Die klassischen Bewertungskriterien wie musikalische Gestaltung, Tonkultur, rhythmische Präzision, musikalische Persönlichkeit und Bühnenpräsenz sind selbstverständlich Bestandteil der Beurteilung. Durch die freie Werkauswahl werden die Teilnehmer angeregt, ihre musikalische Persönlichkeit zu zeigen. Die Auswahl der Juroren erfolgt nach Erfahrung, fachlicher Kompetenz und der Fähigkeit zu einer differenzierten, fairen Beurteilung.
Grimm: Wie wichtig ist Ihnen, dass die Teilnehmenden nicht nur bewertet, sondern auch beraten werden und wie soll der Wettbewerb junge Menschen über die eigentliche Teilnahme hinaus musikalisch prägen?
Käppel: Ermutigende Beratung gehört selbstredend zu jedem Wettbewerb. Darüber hinaus möchten wir die Teilnehmenden fördern, indem wir neben Geld- und Sachpreisen für ausgewählte Preisträger:innen auch Preise in Form von Meisterkursen vergeben.
Grimm: Welche Fähigkeiten werden Ihrer Ansicht nach für junge Musiker:innen heute besonders wichtig?
Käppel: Heute werden von jungen Musikern deutlich mehr Fähigkeiten erwartet als noch vor einigen Jahrzehnten. Neben der klassischen Ausbildung werden Flexibilität, Selbstvermarktung, gute Kommunikation und digitale Kompetenz immer wichtiger. Soziale Medien sind Segen und Fluch zugleich. Die permanente Vergleichbarkeit erzeugt Druck, Unsicherheit und ein falsches künstlerisches Bild. Natürlich ist die Verfügbarkeit diverser Interpretationen verführerisch, doch behindert sie des Öfteren die Eigenständigkeit und Entwicklung der jungen Musiker.
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