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Bayerischer Rundfunk

BR-Programmdirektor für Kultur steht auf Kippe

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BR-Programmdirektor für Kultur steht auf Kippe - Verlängerung offen

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Vertragspoker im Top-Management des Bayerischen Rundfunks: Intendantin Wildermuth will den Vertrag ihres Kultur-Programmdirektors Björn Wilhelm verlängern - doch im Rundfunkrat gibt es Zweifel.

Paukenschlag an der Spitze des Bayerischen Rundfunks: Überraschend steht die Zukunft von Kultur-Programmdirektor Björn Wilhelm auf der Kippe. Der Vorschlag von Intendantin Katja Wildermuth, den Vertrag des 51-Jährigen vom März nächsten Jahres an zu verlängern, bekam im Rundfunkrat nicht die nötige Mehrheit, wie der öffentlich-rechtliche Sender auf Anfrage bestätigte.

Senderchefin Wildermuth hat damit plötzlich eine im BR - und auch in der Branche - nicht erwartete Herausforderung vor sich. Kann sie den Rundfunkrat doch noch mehrheitlich von Wilhelm überzeugen? Der Topmanager steht ganz wesentlich mit für ihre Strategie beim Umbau der viertgrößten ARD-Anstalt.

Rundfunkrat hat letztes Wort

Wilhelm verantwortet die Kulturdirektion des Senders seit 2022. Die Spannbreite reicht von Kultur, Wissen, Bildung und Dokumentation über Unterhaltung und Heimat bis hin zu Film, Serie, Klassik und umfasst auch die Klangkörper mit den international berühmten Orchestern. Der Kultur-Bereich ist eine von zwei BR-Programmdirektionen, der andere Bereich ist die Information.

Die Topmanager der fünf Direktionen des öffentlich-rechtlichen Senders sind in der höchsten Führungsebene direkt Intendantin Wildermuth verantwortlich. Alle Vorschläge für die Top-Positionen kommen von ihr. Der 50-köpfige Rundfunkrat mit Vertretern gesellschaftlicher, politischer und weltanschaulicher Gruppen muss aber als Aufsichtsgremium zustimmen.

Was lief bei Votum über Wilhelm schief?

In der Regel gehen solche Entscheidungen mit allenfalls ein paar Gegenstimmen und Enthaltungen durch, wie Rundfunkratsmitglieder sagen. Das wird dafür auch meist entsprechend vorher intensiv besprochen.

Aus dem Gremium heißt es, dass bei der Entscheidung über Wilhelms Vertrag «ein paar Stimmen» zur Mehrheit fehlten. Unter Rundfunkräten fällt immer wieder das Wort «Denkzettel». Ein Mitglied: «Das war eine aus dem Ruder gelaufene Denkzettel-Wahl.»

Die hinter vorgehaltener Hand genannten Gründe sind unterschiedlich, als «Störgefühle» beschreibt sie einer. Ein mehrfach genannter Anlass: Vor gut zwei Jahren hatte Wilhelm mit der Neuausrichtung des Radioprogramms Bayern 2 heftigen Gegenwind unter anderem aus der Kulturbranche bekommen.

Mehr als nur die Personalie

Aber es gibt aus dem Gremium auch Fragezeichen generell zum Umbau des Senders unter Wildermuth. Nicht alle fühlen sich immer ausreichend mitgenommen - etwa beim Wandel durch die Reform der Medienstaatsverträge.

Der Vorsitzende des Bayerischen Journalistenverbandes, Harald Stocker, sitzt selbst in dem Gremium und sagt: «Der Rundfunkrat konnte seine beratende Funktion nicht immer so wahrnehmen, dass er gehört wurde, bevor Entscheidungen getroffen wurde. Das hat bei einigen zu Verunsicherung oder tiefgreifender Verärgerung geführt.» Auch das habe sich nun entladen.

Nächster Anlauf im Oktober

Über die Besetzung der Kultur-Programmdirektion kann dem BR zufolge bei der nächsten Rundfunkratssitzung im Oktober erneut entschieden werden. Möglich ist dann auch ein anderer Vorschlag Wildermuths. Allerdings hatte sie Wilhelm einst selbst vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) zum BR in den Süden geholt. Er gilt als enger Vertrauter der Intendantin. Auch im Sender selbst ist viel von «Verblüffung» und «Solidarität» zu hören nach der misslungenen Verlängerung.

Wildermuth sagt: «Wir werden die kommenden Wochen nutzen, um das Gespräch mit den Gremien zu suchen und zugleich das Vorgehen für die Oktobersitzung festzulegen.» Wilhelm selbst gab keine Stellungnahme ab. Seine aktuelle Amtszeit läuft bis Ende Februar 2027. Weitere fünf Jahre sind nun offen.

Andere Vorschläge angenommen

Bei der Rundfunkratssitzung, die am Montag in Nürnberg stattgefunden hatte, standen auch andere Vorschläge Wildermuths zum Top-Management des Senders zur Entscheidung an. Sie wurden in den jeweils geheimen Abstimmungen alle angenommen.

So wurde Kemal Görgülü künftiger Direktor für Produktion und Technik, er kommt vom deutsch-französischen Sender Arte. Stellvertreter der Intendantin bleibt nach den Entscheidungen des Rundfunkrats Verwaltungsdirektor Albrecht Frenzel. Diese Funktion wurde bis Ende Januar 2031 verlängert. Im Amt bestätigt wurde auch die juristische Direktorin Eva Majuntke - bis Ende Februar 2032. Die Entscheidung über den Kultur-Programmdirektor aber ist vorerst vertagt.

 

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