Hinterhäusers Leistungen als Intendant sind unumstritten. Doch das renommierte Klassik-Festival wird von einem Konflikt rund um seinen Management-Stil erschüttert. Die Hintergründe:
Die Salzburger Festspiele starten eigentlich erst im Juli, doch schon jetzt spielt sich ein Drama auf offener Bühne ab. Das Vertrauen zwischen dem selbstbewussten Intendanten Markus Hinterhäuser und dem Aufsichtsgremium des renommierten österreichischen Festivals ist zerrüttet. Ein vorzeitiger Abgang Hinterhäusers steht im Raum; eine Krisensitzung soll am Freitag Klarheit bringen.
Worum geht es?
Der Streit ist rund um die Frage eskaliert, wie der langjährige Intendant seine Führungsrolle des Opern-, Konzert- und Theaterfestivals ausübt. Zuletzt ging es um Hinterhäusers Vorgangsweise bei der Suche nach einer neuen Theaterchefin oder eines neuen Theaterchefs: Das Kuratorium hatte einen formellen Auswahlprozess gefordert. Hinterhäuser hat für den Posten jedoch eine mögliche Kandidatin genannt, die sich keinem Hearing gestellt hat.
Gibt es eine Vorgeschichte?
«Das ist der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat», sagte die Kulturchefin der «Salzburger Nachrichten» im Podcast «Backstage Classical». Denn unter der Leitung Hinterhäusers hatten bereits einige Kontroversen für Schlagzeilen gesorgt. Im Herbst 2023 wurden die Inszenierung und die Besetzung des Salzburger Theater-Klassikers «Jedermann» nach nur einer Saison überraschend ausgetauscht. Ende 2024 musste die damalige Schauspielchefin Marina Davydova nach einem Jahr in Salzburg ihren Hut nehmen.
Was wirft das Kuratorium dem Intendanten konkret vor?
Das Aufsichtsgremium, in dem die öffentlichen Geldgeber vertreten sind, argumentiert so: Hinterhäuser habe eine Vertragsklausel nicht erfüllt, die sein Verhalten gegenüber der Führungsriege des Festivals und gegenüber Anderen regeln sollte. Deshalb kann er aus Sicht des Kuratoriums nicht wie vereinbart bis 2031 bleiben, sondern muss bereits diesen Herbst oder spätestens nächstes Jahr abtreten. Der Intendant hat Kommunikationsfehler eingestanden, sich aber bislang nicht über seine Zukunft in Salzburg geäußert.
Warum beschäftigt der Streit die Kulturszene und die Politik?
Die Festspiele gelten als eines der wichtigsten «Hochkultur»-Events der Welt. Sängerinnen wie Anna Netrebko erlebten hier ihren Durchbruch, Werke von Literaturnobelpreisträgern wie Peter Handke oder Elfriede Jelinek werden hier uraufgeführt. Knapp 218.000 Karten stehen für die kommende Saison im Juli und August zur Verfügung. Das gut betuchte Publikum bringt der Region Salzburg jährlich Millionen-Einnahmen. Dennoch stehen die Festspiele vor großen Herausforderungen: Die Aufführungsstätten sollen in den kommenden Jahren für 395 Millionen Euro renoviert werden.
Wer unterstützt Hinterhäuser, wer steht auf der Gegenseite?
Prominente Künstler wie Handke, Jelinek oder Regisseur Michael Haneke haben sich in einem offenen Brief hinter den Intendanten gestellt. Seine Leistungen sind unumstritten. Er sorgt seit Jahren für anspruchsvolle Programme, hochkarätige Besetzungen und volle Säle. Österreichs Kulturminister und Vizekanzler Andreas Babler steht dennoch auf der Seite des Kuratoriums: «Fairness und ein respektvoller Umgang sind für mich ein wichtiges Element im Kunst- und Kulturbetrieb», sagte er der Nachrichtenagentur APA.