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Funkhaus des Bayerischen Rundfunks. Foto: Hufner

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Keine zweite Amtszeit für Kultur-Programmdirektor beim BR

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Die Senderchefin des Bayerischen Rundfunks macht bei einer Top-Personalie einen Rückzieher. Die ARD-Anstalt braucht nun einen neuen Kultur-Programmdirektor. Geplant war das ganz anders.

Bittere Entscheidung für die Senderchefin des Bayerischen Rundfunks (BR): Intendantin Katja Wildermuth gibt die geplante Vertragsverlängerung für ihren Kultur-Programmdirektor auf. Die Amtszeit von Topmanager Björn Wilhelm bei der viertgrößten ARD-Anstalt läuft damit überraschend Ende Februar nächsten Jahres aus. Das bestätigte der öffentlich-rechtliche Sender auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in München.

Intendantin Wildermuth hatte dem Rundfunkrat im Sommer vorgeschlagen, dass Wilhelm nach seiner ersten Amtszeit weitere fünf Jahre Kultur-Chef bleiben soll. Doch das Aufsichtsgremium verweigerte dem 51-Jährigen die nötige Mehrheit.

Intensive Gespräche

Zur nächsten Sitzung im Oktober hätte Wildermuth ihren Kandidaten erneut vorschlagen können. Nun entschied sich die Intendantin anders. «Wir haben über den Sommer zahlreiche gute Gespräche mit Mitgliedern des Rundfunkrats geführt», sagte sie der dpa. «Dennoch konnten wir im Ergebnis leider keine belastbare Mehrheit für eine Wiederberufung des Kulturdirektors gewinnen. Ich werde daher seine Wiederberufung in der nächsten Rundfunkratssitzung nicht erneut zur Abstimmung stellen.»

Wilhelm gab zunächst keine öffentliche Stellungnahme ab. Intendantin Wildermuth räumte zu dem so nicht geplanten Schritt ein: «Das fällt mir persönlich nicht leicht. Björn Wilhelm hat die notwendigen Transformationsprozesse des BR entschieden und erfolgreich vorangetrieben und zugleich starke programmliche Akzente gesetzt. Dafür sind ihm die Geschäftsleitung und das gesamte Haus sehr dankbar.»

Enger Vertrauter

Wildermuths Plan war eigentlich ganz anders. Wilhelm gilt als ein enger Vertrauter. Er steht wesentlich mit für Wildermuths Strategie beim Umbau des BR. Sie selbst hatte ihn 2022 vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) zum BR in den Süden geholt.

Die Intendantin betonte trotz des Rückschlags mit Blick auf die Strategie ausdrücklich: «Der Bayerische Rundfunk wird den erforderlichen Weg der Reformen konsequent weiterverfolgen.»

Damit wird sich auch der Rundfunkrat wieder beschäftigen. Er hat 50 Mitglieder - entsandt von politischen, weltanschaulichen und gesellschaftlichen Gruppen. Das Aufsichtsgremium wählt die Intendantin oder den Intendanten und muss auch deren wichtigsten Personalentscheidungen zustimmen.

«Denkzettel-Wahl»

Viele in der Branche und auch im Haus selbst bescheinigen Wilhelm eine erfolgreiche Bilanz in schweren Zeiten. Das Ziel: Den Sender beim Publikum in allen Ecken des Freistaats in Radio, TV und Online tief zu verwurzeln - und dabei auch via soziale Medien möglichst viele junge Menschen für sich zu gewinnen. Das BR-Streaming-Angebot zählt heute zu den erfolgreichsten der ARD-Sender.

Der Umbau ruft aber zugleich einige Kritiker auf den Plan: So löste die Reform des Radio-Programms Bayern 2 monatelange Proteste bei einigen Beschäftigten und Teilen der Kulturszene aus. Und bei einigen Rundfunkräten gibt es Fragezeichen zum generellen Umbau des Senders unter Wildermuth.

Die Personalie Wilhelm entwickelte sich so hinter den Kulissen auch zur erneuten Grundsatzdebatte in Teilen des Rundfunkrats - wie schon vor Wildermuths eigener Wiederwahl im vergangenen Jahr. Am Ende wurde sie erfolgreich bis 2031 im Amt bestätigt. Doch Wilhelms Vertragsverlängerung wollten einige im Gremium nun nicht einfach absegnen.

Nach dem ersten missglückten Anlauf Wilhelms im Sommer hieß es aus den Reihen des Rats zur knapp verweigerten Mehrheit: «Das war eine aus dem Ruder gelaufene Denkzettel-Wahl.» Auch war einigen die selbstbewusste Art Wilhelms zu forsch. Aber selbst Kritiker hielten eine Vertragsverlängerung im zweiten Anlauf noch für gut möglich.

Briefe mit Pro & Contra

Kürzlich gab es aus den Reihen der Kritiker aber einen Brief an die Räte. Die Bürgerallianz - ein Bündnis eher traditioneller Verbände von Jagd über Trachten bis Blasmusik - beklagt: «Vor allem Sendungen mit bayerischer Ausrichtung wurden unter Wilhelms Verantwortung gekürzt oder ganz gestrichen.» Es mangle «ihm offenbar an einem tieferen Verständnis für die «Eigenart Bayerns»».

Aus dem Sender selbst kam umgekehrt offene Unterstützung für Wilhelm. Viele Führungskräfte stellten sich ebenfalls in einem Brief an die Rundfunkräte auf seine Seite - «aus Überzeugung von der Qualität seiner Arbeit und aus persönlicher Wertschätzung».

Unruhe in schweren Zeiten

Offen ist nun, wer im nächsten Jahr die Kultur beim BR leiten wird. Die Spannbreite der Direktion reicht von Kultur, Wissen, Bildung und Dokumentation über Unterhaltung und Heimat bis hin zu Film, Serie und Klassik. Dazu zählen auch die Klangkörper mit dem international berühmten Symphonieorchester.

Wildermuth sagte nicht, wann genau sie einen neuen Kandidaten benennen will. Der BR werde in den kommenden Monaten das ordnungsgemäße Verfahren zur Nachbesetzung einleiten. Die nächste Sitzung des Rundfunkrats ist am 8. Oktober - ein neuer Vorschlag Wildermuths bereits bis dahin gilt als eher unwahrscheinlich.

Obendrein steht im nächsten Jahr auch eine neue Amtsperiode des Rundfunkrats selbst an - mit einigen Wechseln der Mitglieder. Für den BR bedeutet all das in ohnehin turbulenten Zeiten der öffentlich-rechtlichen Sender viel zusätzliche Unruhe.

 

 

 

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