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Sophie von Kessel, Modern String Quartet. Foto: MSQ/Bergson

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Sugar Kane & ihre musikalischen Komplizen

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Zum 100. der Monroe: Marilyn als Sängerin
Vorspann / Teaser

Am 1. Juni hätte Marilyn Monroe ihren 100. Geburtstag gefeiert, das Sex-Symbol der 50er-Jahre und die Popikone des 20. Jahrhunderts. „Ikonisch“ kann man auch ihre diversen musikalischen Auftritte in Musicals wie „Blondinen bevorzugt“ oder in musikalischen Komödien wie „Manche mögen‘s heiß“ nennen, inszeniert von genialen Regisseuren wie Howard Hawks oder Billy Wilder und ihrem Hauschoreographen Jack Cole. Eine andere Popikone hat eine ihrer Nummern für ein Musikvideo sogar komplett nachstellen lassen: Madonna verwandelte „Diamonds Are A Girl‘s Best Friend“ in „Material Girl“. Und lenkte dabei so nebenbei auch den Blick auf den großen Choreographen Jack Cole, der diese Nummern, die in das filmische Gedächtnis des 20. Jahrhunderts ein­gingen, so entscheidend prägte.

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Schon in ihren frühen Hollywood-Jahren war manchen Kritikern in B-Musicals ihr Gesang positiv aufgefallen. Aber keiner konnte ahnen, dass sie ein paar Jahre später zum Star in musikalischen Komödien werden sollte, die sich zu Klassikern des Hollywoodkinos der 1950er-Jahre entwickelt haben. Als Link zwischen diesen billigen B-Musicals und diesen Klassikern kann man „Niagara“ sehen. Das Noir-Melodrama „Niagara“ brachte 1952 nicht nur den großen Durchbruch für Norma Jeane Baker, wie MM bürgerlich hieß, sondern zeigte zum ersten Mal auch, wie man sie ikonisch als Sängerin inszenieren konnte. Charles Brackett und der Wiener Filmexilant Walter Reisch­ hatten die Rolle der Femme Fatale Rose Loomis der Monroe auf den Leib geschrieben. Und bei dieser Gelegenheit hatte ihr Reisch, ein alter Busenfreund der Dietrich aus Wiener Zeiten, einen „magischen Moment“ als Sängerin geschenkt. „Kiss“ summt die Monroe immer wieder im Film vor sich hin, es ist ihre Melodie. Später überreicht sie einem DJ eine Platte mit ihrer Melodie. Der DJ legt die Platte auf und Marilyn beginnt bei der Darbietung eines Männerensembles „live“ mitzusummen. Sehr erotisch improvisiert sie über ihre Melodie. Bis ihr eifersüchtiger Ehemann auftaucht und die Platte zerbricht. Am Ende wird er sie töten, zu den verfremdeten Tönen ihrer Melodie. 

Welch ein Auftakt zu all den „Nummern“, die danach folgen sollten. Es war der geniale Howard Hawks, der 1953 ein Broadway-Musical von 1949 in ein Hollywood-Musical verwandelte: „Gentlemen Prefer Blondes“, basierend auf einem Stoff von Anita Loos. In der Broadway-Fassung hatte Carol Channing die Schönheitskönigin Lorelei Lee verkörpert. Jetzt wurde sie von der Fox-„Queen“ MM verkörpert, die zusammen mit Jane Russell als Dorothy den Film dominierte. Wie so oft blieben von der Broadway-Show nur wenige Songs übrig. Man wählte die Showstopper von Jule Styne & Leo Robin: „A Little Girl From Little Rock“, „Bye Bye Baby“ und „Diamonds Are A Girl’s Best Friend“. Die Lyrics wurden leicht verändert, so wurden aus dem „little girl“ natürlich „Two Little Girls From Little Rock“ auf Männerjagd in Paris. Lionel Newman, der Bruder von Alfred Newman und der Onkel von Randy Newman, bearbeitete die Songs für die Kinoversion. Und Jack Cole verwandelte „Diamonds“ in die „ikonische“ Nummer, die fast jeder noch heute kennt. Damals wurde spekuliert, ob die Monroe die Songs selbst gesungen habe, was sie verletzte. Dabei hatte sie die Songs zusammen mit ihrem strengen Gesangscoach Hal Schaefer erarbeitet. Er war es auch, der sie mit den Aufnahmen von Ella Fitzgerald bekannt machte. Bei Irving Berlins „Lazy“ aus der Fox-Musical-Revue „There’s No Business Like Showbusiness“ ist Ellas Einfluss auch herauszuhören. Und von ihrer verführerischen Version von „After You Get What You Want, You Don’t Want It“ in diesem Film war sogar der „White Christmas“-Komponist Berlin begeistert. Wie viele seiner Kollegen schätzte er den Gesang der Monroe sehr.

Und jetzt muss auch die Rede von Herbert Achternbusch sein, der „River Of No Return“ so sehr geliebt hat, dass er Marilyns Stimme ganz leise, fast unhörbar, erklingen ließ in einem seiner Filme. Marilyns Auftritt in Otto Premingers „River Of No Return“ hatte ihn einst während einer Western-Retro im Österreichischen Filmmuseum so bewegt, dass er bekannte: „Ich wechselte bei den nächsten Vorstellungen den Sitz, damit man den Blutfleck unterm Sitz nicht auf mich bezog. So hatte mein Herz geblutet.“ Ja, es war der „Gesang der Monroe“, der ihn mitten ins Herz getroffen hatte. Als Saloonsängerin Key Weston hatte sie von Lionel Newman & Ken Darby einige Songs geschenkt bekommen, die Monroe-Fans heiß und innig lieben: „River Of No Return“, „One Silver Dollar“ oder „Down In the Meadow“. So wie man auf ewig Audrey Hepburn mit Henry Mancinis „Moon River“ verbinden wird, wird Marilyns Stimme für immer mit „River Of No Return“ verbunden sein.

Vom Wilden Westen in das Chicago der Roaring Twenties: „Some Like It Hot“. Auf der Suche nach Filmstoffen war Billy Wilder auf die Kurt-Hoffmann-Komödie „Fanfaren der Liebe“ gestoßen, den er sich besorgen ließ. Aber als „drittklassig“ empfand. Die Originalidee hatte ein einstiger Conférencier in Friedrich Hollaenders Tingel-Tangel-Theater geliefert: Robert Thoeren. Schon 1935 hatte er den Stoff in seinem französischen Exil inszeniert. „Fanfare d’amour“ hatte der Film geheißen, dessen Drehbuch Wilder als Grundlage zu seiner großartigen Travestiekomödie „Some Like It Hot“ diente. Wilder trommelte dafür ein Traumteam zusammen: Tony Curtis als Joe, den graziösen Jack Lemmon als Jerry/Daphne und die fabelhafte Komödiantin MM als Sugar Kane. Ein Name, der eine Hommage war an Helen Kane, das Original-

„Boop-boop-a-doop“-Girl der Prohibi-­tionsjahre, das „I Wanna Be Loved By You“ einst zum Hit gemacht hatte. Zwei weitere Schlager aus den Zwanzigern wurden zu weiteren „ikonischen“ Nummern: „Runnin’ Wild“ (Marilyn mit Ukulele und Schnapsflasche im Strumpfband) und das innige „I’m Through With Love“. Als Zugabe gab es dann noch den berühmtesten Spruch der Filmgeschichte: „Nobody’s perfect!“ Dass ihr letzter unvollendeter Film „Something’s Gotta Give“ den Titel von einem Johnny-Mercer-Song lieh, ist dann nur noch eine Fußnote in dieser musikalischen Marilyn-Monroe-Story.

 

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