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Neue Musik-Zeitung - Vor 100 Jahren

Neue Musik-Zeitung – Vor 100 Jahren 

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Vor 100 Jahren: Albert Lortzing

Untertitel
Neue Musik-Zeitung, 48. Jg., 2. Oktober-Heft 1926
Vorspann / Teaser

Wenn wir jetzt Lortzings an seinem 125. Geburtstage dankbar gedenken, so feiern wir einen Tondichter, der mit seinen Meisterwerken noch im Volke, noch auf der Bühne lebt. Lortzings Kunst ist noch nicht zur Museumskunst geworden, sie hat sich allen Gewalten der Wagnerschen Werke und der modernen Oper zum Trotz bis heute frisch erhalten, obschon man nicht selten – in der Musikwelt, nicht beim Publikum – sein Schaffen mit Geringschätzung abtun zu können meinte und gutmütig herablassend von dem „braven Lortzing“ sprach. […]

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Lortzings Werk ist jetzt über 75 Jahre alt und lebt. Wie viele Opernwerke sind seitdem gekommen und wieder gegangen, wie viele Stile hat die Opernbühne inzwischen gesehen, wie viele Opern aber haben sich seitdem bis heute erhalten? Es muß also doch etwas Unverwüstliches in den schlichten Biedermeier-Opern Lortzings stecken, das sie gleich den größeren Opern-Werken Mozarts, Beethovens und Webers so manche Epoche überdauern ließ. Denn in seinen heiteren Meisteropern „Zar“, „Waffenschmied“, „Wildschütz“ pulsiert echte, inspirierte Lustspielmusik; es stehen in ihnen keine Opernpuppen auf der Bühne, sondern Menschen, aus denen die liebenswerte Frohnatur und das warme, echt deutsche Empfinden des Meisters spricht. Mit diesen Werken schenkte uns Lortzing das deutsche musikalische Lustspiel und gab dadurch uns Deutschen ein der romanischen Spieloper eines Boieldieu, Auber und Adam verwandtes Kunstwerk […].

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Alfred Weidemann, Neue Musik-Zeitung, 48. Jg., 2. Oktober-Heft 1926

Alfred Weidemann, Neue Musik-Zeitung, 48. Jg., 2. Oktober-Heft 1926

Text

Lortzing ist keiner von den Großen im Reiche der Musik; der bescheidene Meister machte auch nie Anspruch auf einen solchen Titel. „Einige meiner Opern bereiten vielen ehrlichen Seelen angenehme Stunden, damit bin ich zufrieden“, erklärte er einmal in seiner anspruchslosen Art. Die Menschen seit nun mehr als 75 Jahren mit seiner Kunst froh gemacht zu haben, ist nichts Geringes. Lortzings Musik macht dies erklärlich. Zeigt sie auch keine ausgeprägte Eigenart in melodischer und harmonischer Hinsicht, so birgt sie dafür einen Reichtum an ursprünglicher Melodik und treffender Charakteristik in sich; ein Stück Mozart war in ihm. Es spricht für Lortzings Begabung und verdient hohe Anerkennung, daß er, der der gründlicheren musikalischen Ausbildung ermangelte und zum Teil Autodidakt war, eine solche Höhe erreichte; dies zu sagen geziemt nicht zuletzt angesichts seiner prächtigen, kunstvoll aufgebauten Ensemblestücke. […]

Alfred Weidemann, Neue Musik-Zeitung, 48. Jg., 2. Oktober-Heft 1926

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