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Alle Artikel kategorisiert unter »Romantik«

Viermal Hoffmann, einmal Donna Anna – Intelligenter Offenbach in Gera

04.12.18 (Roland H. Dippel) -
„Don Giovanni“ steht auf dem Programmheft und auf dem Transparent über dem Portal. Dann blinzelt im Prélude Goethe ins Auditorium, aber nur vom Video als Büste in der Fassade des Geraer Jugendstil-Theaterbaus. Sofort landet die vergoldete Dachstatue des schönen Gebäudes als Muse auf dem Orchestersteg und outet sich als eifersüchtiges Frauenzimmer, die E. T. A. Hoffmann ganz für sich will. Deshalb verkleidet sie sich in Wolfgang Amadeus Niklas und macht den Dichter zum Alkoholiker. In Gera spielt man „Hoffmanns Erzählungen“ als das, was dieser Opern-Torso ist: Ein immer wieder neues Opern-Abenteuer mit Glücksmomenten und Fallen!

Bürgerkrieg, Brüche und Belcanto – Bellinis „I Puritani“ an der Oper Frankfurt

04.12.18 (Wolf-Dieter Peter) -
„Kantilene ist Utopie“ sagte Hans Neuenfels in den Jahren seiner ersten Opernneudeutungen. In Vincenzo Bellinis letzter Oper lieben sich Menschen aus feindlichen Lagern, der Bräutigam rettet eine andere Frau unmittelbar vor der eigenen Hochzeit und seine Braut verfällt dem Wahnsinn. Doch als er nach drei Monaten zurückkehrt, ist sie sofort geheilt, Heirat samt allgemeine Amnestie… und all das drei Stunden lang in traumschönen „melodie lunghe, lunghe“ mit allem vokalen Prunk des klassischen Belcanto – kein Wunder, dass das Werk selten gespielt wird.

Ach, Carmen! – Eine Enttäuschung an der Oper Leipzig

03.12.18 (Joachim Lange) -
„Carmen“ ist das, was man eine sichere Bank nennt. Viel gespielt. Beliebt. Selbst wenn irgend etwas daran nicht so ganz gelingt oder gar daneben geht, füllt sie die Häuser. Es bleiben die Habanera, mit der Carmen und das Auftrittslied, mit dem der Torero Escamillo in den Kampf ziehen. Es gibt Micaëla und auch Don Josés schwelgerische Verbundenheit mit der Mutter und der Heimat. Dass der gute Junge ein von heute und von Mitteleuropa aus gesehen ziemlich verschroben überholtes Frauenbild hat und man sich eigentlich nur hinter Carmens Lebens- und Freiheitsbegriff stellen kann, ist eine andere Geschichte.

Siegfrieds Schlittenfahrt – Wagners Götterdämmerung an der Oper Chemnitz

02.12.18 (Michael Ernst) -
Wie eiskalt ist der Wagner hier. Mit den ersten Takten der „Götterdämmerung“ in Chemnitz erleben wir ein Gefrieren aller Gefühle. Nicht etwa, weil die Robert-Schumann-Philharmonie unter ihrem spanischen Generalmusikdirektor Guillermo García Calvo unterkühlt musizieren würde – im Gegenteil: hier wird heißblütig aufgespielt, dennoch ausgewogen klangstark, wohlbedacht dosiert und bestens begleitet. Eiskalt ist der Ort dieses Weltuntergangs-Szenarios von seinem Anfang bis zum frostigen Ende.

Eigene Mischung – „Les Contes d'Hoffmann“ an der Deutschen Oper Berlin

02.12.18 (Peter P. Pachl) -
Die Aufführungsgeschichte der Oper „Hoffmanns Erzählungen“ seit der Uraufführung des von Jacques Offenbachs unvollendeten Bühnenwerks, 1881 in Paris, hat bis heute kein Ende gefunden. In Berlin waren in den vergangenen Jahren diverse Lesarten, unterschiedlich komplettiert nach der kritischen Ausgabe von Michael Kaye und Jean-Christophe Keck, auf der Bühne zu erleben. Darunter 2014 in kleiner Form, musikalisch bearbeitet und mit Neukompositionen von Anne Champert in der Tischlerei der Deutschen Oper, 2015 eine von Barrie Kosky als „albtraumartige[r] Horrortrip“ apostrophierte Fassung für die Komische Oper Berlin, mit den ersten beiden Akten in der von Michael Kaye rekonstruierten Bariton-Fassung, dem dritten bis fünften Akt in der Tenorversion. Nun das für Berlin neue Remake einer Inszenierung aus dem Jahre 2005 in Lyon.

Rückblende 2018/12 (Vor 100 und vor 50 Jahren)

29.11.18 (nmz-red) -
+++ Vor 100 Jahren: Die Überwindung Wagners +++ Vor 50 Jahren: Abbruch oder Kontakte +++

Barenboim mit Staatskapelle in Sydney gefeiert

27.11.18 (dpa) -
Berlin/Sydney - Mit einem Konzert in Sydney hat die Staatskapelle Berlin mit Chefdirigent Daniel Barenboim eine Gastspielreise nach China und Australien beendet. Das Orchester spielte in der Nacht zu Dienstag (Ortszeit) im legendären Opernhaus der australischen Metropole das letzte von drei Konzerten, wie die Staatsoper mitteilte.

Männer-Macht und Frauen-Leid – Verdis Frühwerk „I due Foscari“ in München

27.11.18 (Wolf-Dieter Peter) -
“Power tends to corrupt” stellte Lord Acton treffend fest. Ergänzend ist heutzutage zu fragen: Nicht auch Machtgier? Umjubelt wurde im Prinzregententheater die Erkenntnis, dass schon 1844 ein junger italienischer Komponist mit seinem Librettisten in der eigenen Geschichte ein erschütterndes Beispiel dafür fand, daraus eine Oper formte, die nur bislang selten gespielt wird, wenn man es nicht macht wie…

Verdi reduziert auf Ibsen – Die „Otello“-Neuproduktion der Bayerischen Staatsoper München kann nur musikalisch beeindrucken

24.11.18 (Wolf-Dieter Peter) -
Schon für sein Londoner Otello-Debüt setzte Jonas Kaufmann durch, nicht zum dunkelhäutigen Mohren geschminkt zu werden, ein „Weißer“ zu bleiben. Darin traf er sich mit Regisseurin Amélie Niermeyer. Sie wollte ohnehin Desdemonas Schicksal mehr ins Zentrum ihrer Interpretation rücken. All das führte eher weg von Shakespeare, Boito und Verdi.

Im Käfig egomanischer Gefühle – Jules Massenets „Werther“ in Lübeck

20.11.18 (Arndt Voß) -
Die Schlussszene ist großartig: Werther und Charlotte, nur wenige Meter voneinander entfernt, wollen verzweifelt ihrem engen Lichtkäfig entkommen. Sie wollen zueinander, links Werther, tödlich verletzt, innerlich wie äußerlich, rechts die in Pflicht und Leidenschaft gefangene Charlotte. Nah sind sie sich, doch zugleich weit entfernt. Und noch eine dritte Distanz ist da, die zu ihnen gehörende Umwelt, von außen zu hören mit weihnachtlichem Gesang. Erst Werthers Pistolenschuss beendet jäh das Seelendrama, Jules Massenets „Werther“.
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