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1.7.: kulturpolitik aktuell +++ kulturpolitik

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Grüne fordern Experten-Hearing zur Orchesterreform in Rheinland-Pfalz +++ Deutschen Orchestern droht weiterer Stellenabbau +++ Nein der Bürger - Gütersloh bekommt kein neues Theater


Grüne fordern Experten-Hearing zur Orchesterreform in Rheinland-Pfalz
Mainz (ddp-swe). Die Grünen-Landtagsfraktion will die von Kulturminister Jürgen Zöllner (SPD) geplante Orchesterreform in einer Expertenanhörung thematisieren. In der für den Nachmittag angesetzten Sitzung des Landtags-Kulturausschusses will die Oppositionspartei ein Hearing ummittelbar nach der Sommerpause durchsetzen, wie die Fraktion am Dienstag in Mainz mitteilte. Solch tiefgreifende Einschnitte in die Kulturlandschaft dürften nicht nur «durch von Ministerhand verlesene Experten» auf den Weg gebracht werden, forderte Grünen-Fraktionschefin Ise Thomas.
Die Grünen sehen nach eigener Darstellung bei den von Zöllner vorgestellten Strukturveränderungen und Einsparungen in der Orchesterlandschaft «weiterhin großen Klärungsbedarf». So sei unklar, ob eine «Qualitätsverbesserung unter Einspargesichtspunkten» ein gangbarer Reformweg sein könne und ob ein Bedarf für ein weiteres Spitzenorchester in Südwestdeutschland bestehe.
Nach den Plänen des Ministers soll im Rahmen einer umfassenden Orchesterreform unter anderem das Philharmonische Orchester des Mainzer Staatstheaters mit der Ludwigshafener Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz zusammengeschlossen werden. Mit der für Mitte 2005 geplanten Verschmelzung zur «Neuen Staatsphilharmonie» soll eines der größten Orchester in Deutschland entstehen. Dadurch fallen aber auch 40 Musikerstellen weg. Im Koblenzer Staatsorchester Rheinische Philharmonie sollen außerdem rund 20 Stellen abgebaut werden.

Deutschen Orchestern droht weiterer Stellenabbau
Berlin (ddp). Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) fürchtet um die «musikalische Grundversorgung» in der Bundesrepublik. Gegenwärtig stehe bundesweit ein Abbau von über 200 Orchesterstellen bevor, sagte der Geschäftsführer der DOV, Gerald Mertens, am Montag in Berlin. Damit sei die Dichte der deutschen Orchesterlandschaft akut gefährdet. Mertens forderte deshalb eine bessere Finanzausstattung der Länder und Kommunen im Bereich der Kulturfinanzierung.
Geplant sind Stellenstreichungen den Angaben zufolge unter anderem in den Staatsorchestern von Mainz und Koblenz. Dort sollen 60 Planstellen wegfallen. Je 60 Stellen seien auch bei den Münchner und Berliner Symphonikern gefährdet. Um knapp 40 Stellen gehe es bei kleineren Orchestern in Zeitz (Sachsen-Anhalt) und Prenzlau (Brandenburg).
Mertens betonte, die derzeitige Situation sei noch schwieriger «als in den neuen Bundesländern unmittelbar nach der Wende». Bundesweit ist die Zahl der Kulturorchester seit 1990 nach DOV-Angaben von 168 auf 138 zurückgegangen. 1714 Musikerstellen wurden seither gestrichen.

Nein der Bürger - Gütersloh bekommt kein neues Theater
Köln/Gütersloh (ddp-nrw). In einem Bürgerentscheid haben sich die Gütersloher gegen den Bau eines neuen Theaters ausgesprochen. Gegen das rund 30 Millionen Euro teure Vorhaben stimmten am Sonntag 18 462 Bürger (75,8 Prozent), wie der Verein Mehr Demokratie in NRW am Montag in Köln mitteilte. 5880 Gütersloher (24,2 Prozent) sprachen sich für den Bau aus. Die Neubau-Gegner hatten eine nach ihren Berechnungen günstigere Sanierung des bestehenden Theaters statt eines Neubaus vorgeschlagen.
Der Bürgerentscheid in Gütersloh war der zweite über ein Theater in Nordrhein-Westfalen. Vor zwei Jahren war ein Bürgerbegehren für den Erhalt eines Theaters in Mönchengladbach trotz Abstimmungsmehrheit am Zustimmungsquorum gescheitert.