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7.7.: kulturpolitik aktuell +++ kulturpolitik

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Bundestag setzt Enquete-Kommission «Kultur in Deutschland» ein +++ Hohlmeier will Schüler mehr musizieren lassen +++ BE-Intendant Peymann will gegen Senat wegen Vertragsbruch klagen


Bundestag setzt Enquete-Kommission «Kultur in Deutschland» ein
Berlin (ddp). Eine Enquete-Kommission soll nach dem Willen des Bundestages bis zum Herbst 2005 Vorschläge zur «Verbesserung der Rahmenbedingungen für Kunst und Kultur» in der Bundesrepublik erarbeiten.
Das Parlament beschloss in Berlin auf Antrag aller Fraktionen die Einsetzung der Kommission mit dem Titel «Kultur in Deutschland». Das Gremium soll die Situation der öffentlichen und privaten Kulturförderung untersuchen, die wirtschaftliche und soziale Lage der Künstler analysieren und sich mit der Bedeutung von Kultur als ökonomischen Standortfaktor befassen.
Ferner soll sich die Kommission Problemen und Entwicklungschancen der «musisch-kulturellen Bildung» im schulischen und außerschulischen Bereich widmen. Dem Gremium sollen elf Sachverständige und elf Abgeordnete angehören - fünf von der SPD, vier von der Union und je einer von den Grünen und der FDP.

Hohlmeier will Schüler mehr musizieren lassen
Starnberg (ddp-bay). Die Schüler im Freistaat sollen nach dem Willen von Kultusministerin Monika Hohlmeier (CSU) im Musikunterricht mehr singen und Instrumente spielen. Die «praktischen Unterrichtsanteile» im Fach Musik würden künftig verstärkt, sagte die Ministerin auf dem Bayerischen Musikschultag in Starnberg. Das «eigene kreative und künstlerische Tun» werde stärker in den Mittelpunkt des Musikunterrichts rücken. Mit Modellversuchen an Realschulen und Gymnasien will das Ministerium ausloten, ob das Fach Musik für die Schüler durch einen höheren Praxisbezug attraktiver werde.
Zugleich garantierte Hohlmeier, die musikalische Bildung der Schüler werde weiter parallel in den allgemeinbildenden Schulen und an den Musikschulen erfolgen. Allerdings sei es «wünschenswert», dass beide Institutionen besser zusammenarbeiten.
Den Ausbau der Ganztagsbetreuung an den bayerischen Schulen dürften die Musikschulen nicht als Konkurrenz sehen, fügte Hohlmeier hinzu. Vielmehr eröffne sich für die Musikschulen durch Ganztagsangebote eine «große Chance», weil sie bei Kooperationen mit den allgemeinbildenden Schulen sehr viele Kinder und Jugendliche mit ihrer Arbeit erreichen könnten.

BE-Intendant Peymann will gegen Senat wegen Vertragsbruch klagen
Berlin (ddp-bln). Der Intendant des Berliner Ensembles (BE), Claus Peymann, wirft dem Senat Vertragsbruch vor und will auf Einhaltung seines Kontrakts klagen. Er habe einen Rechtsanwalt mit juristischen Schritten beauftragt, sagte Peymann am Freitag in Berlin. Er fügte hinzu: «Vielleicht bekomme ich bei dieser Gelegenheit auch einmal den Regierenden Bürgermeister zu sehen.» Rund vier Monate habe er sich vergeblich um einen Termin bei Klaus Wowereit (SPD) bemüht.
Nach Angaben Peymanns ist in seinem Vertrag auch die Bereitstellung von Lottomitteln zusätzlich zu den Zuwendungen aus dem Landeshaushalt für das Berliner Ensemble festgeschrieben. Bislang gab es jährlich 2,7 Millionen Euro an Lottomitteln für das BE. Der jüngste Antrag sei so entschieden worden, dass 2004 eine Million Euro komme, 2005 eine halbe und 2006 gar nichts mehr, sagte der BE-Intendant. Er kritisierte, die Entscheidungen im Lottobeirat würden nach Gutsherrenart getroffen.
Peymann erwartet, dass das BE das Spieljahr 2004, vielleicht sogar die ganze Spielzeit 2004/05 «zur Not» dank seiner Rücklagen übersteht. «Aber 2005 käme das Aus», betonte der Intendant. Und von 2006 sei dann «nicht mehr die Rede».
Er werde die Premiere des Stücks «Die heilige Johanna der Schlachthöfe» am 5. September abwarten und dann entscheiden, wie er sich verhält, sagte Peymann. Mit der Ankündigung weiterer eigener Inszenierungen am BE halte er sich zurück, da er sie nicht einem potenziellen Nachfolger hinterlassen wolle, der dann kein Geld habe, sie weiter zu spielen. Die Landesmittel reichten lediglich, um den technischen Betrieb des Hauses und die Verwaltung aufrecht zu erhalten. Die künstlerische Arbeit finanziere sich aus den Einnahmen, die bei 22 Prozent der Ausgaben liegen, und den Lottogeldern.