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Der Siegerentwurf für das neue Konzerthaus in München soll nach dem Willen der Architekten Cukrowicz Nachbaur an industrielle Speicherbauten erinnern.
Geplanter Musiksaal kostet schon jetzt Millionen. Foto: Architekten Cukrowicz Nachbaur
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Sir Simon Rattle kritisiert Verzögerungen bei Gasteig-Sanierung [Korrektur]

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München - Der Dirigent Sir Simon Rattle hat deutliche Kritik an den Verzögerungen bei der Sanierung des Münchner Konzerthauses Gasteig geäußert. «Das Einzige, was mich in München wirklich überrascht, ist der außergewöhnliche Mangel an Erkenntnis, zu echten Lösungen zu kommen», sagte Rattle der «Abendzeitung» in München (Dienstag). Das mache wirklich sprachlos.

Rattle übernimmt im Herbst den Posten als Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, dessen Spielstätte der sanierte Gasteig werden soll. Er folgt auf den verstorbenen Chefdirigenten Mariss Jansons.

Es gebe gewaltigen Handlungsbedarf in München und Bayern, sagte Rattle der Zeitung. Es sei sehr wichtig, am Ball zu bleiben. Er wolle sich aber nicht beirren lassen und das Musikalische in den Vordergrund stellen. «Ich würde es sehr mögen, mich nicht die ganze Zeit in München mit Politik herumzuschlagen», sagt der Dirigent.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte angesichts stark gestiegener Kosten eine Denkpause für das Prestigeprojekt angeordnet. Gegner des Vorhabens fürchten exorbitante Kosten, im Bereich von bis zu einer Milliarde Euro.

 

(nmz, bl) - Die dpa-Meldung wurde mehrfach korrigiert und erweitert. Wir wollen Ihnen die letzte Fassung des Nachrichtendienstes vom 14.2.,15.30 Uhr, nicht vorenthalten:

Simon Rattle über den «Mangel an Erkenntnis» in München

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks genießt einen hervorragenden Ruf in aller Welt. Doch eine eigene Spielstätte in der Heimat München existiert bislang nur auf dem Papier. Eine Situation, die den künftigen Chefdirigenten Sir Simon Rattle beunruhigt.

München (dpa/lby) - München als Musikstadt mit berühmten Orchestern - unter diesen Vorzeichen wurde Sir Simon Rattle als Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (BRSO) angeworben. Doch die Lage bei den Konzertsälen in der Landeshauptstadt beschäftigt ihn, wie ein Interview mit der Münchner «Abendzeitung» deutlich macht. Der Baubeginn des neuen Konzerthauses ist ebenso unklar wie der Start der Sanierung des Gasteig samt Philharmonie, für die sich kein Investor fand. «Das einzige, was mich in München wirklich überrascht, ist der außergewöhnliche Mangel an Erkenntnis, zu echten Lösungen zu kommen. Das macht mich wirklich sprachlos», sagte Rattle der Zeitung vom Dienstag.

Der Starmusiker hält eine Lösung für notwendig. «Die fehlende Dringlichkeit ist wirklich absolut besorgniserregend», zitiert ihn das Blatt. Die Philharmoniker haben derzeit ihre Heimat in der Ausweichspielstätte Isarphilharmonie, bevor sie nach der Sanierung des Gasteig wieder in die Philharmonie zurückkehren. Und das BRSO soll irgendwann im geplanten neuen Konzerthaus zu Hause sein. Doch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte dem Prestigeprojekt angesichts der enorm gestiegenen Kosten eine Denkpause verordnet, manche fordern gar den Stopp des Projekts.

Bis es endlich soweit ist, nutzt das renommierte Ensemble wechselnde Spielstätten, den Herkulessaal, die Isarphilharmonie, früher die Philharmonie. «Dieses Orchester ist faktisch immer auf Tour, auch in München, weil es keinen eigenen Ort hat», erklärte der Musiker. «Kein anderes Orchester der Spitzenkategorie dieser Welt hat solche Probleme.»

Zu gerne würde der designierte BRSO-Chefdirigent mal mit Söder über das Konzerthaus reden, auch weil er gewaltigen Handlungsbedarf in München und Bayern sieht. «Ich würde mich über eine direkte Begegnung wirklich sehr freuen», sagte Rattle der «Abendzeitung». «Ich bin mir aber bewusst, dass Landtagswahlen in Bayern anstehen. Das ist keine günstige Zeit.»

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