Eigentlich sollten so viele Künstlerinnen und Künstler aus Israel kommen wie noch nie zuvor. Nun stehen etliche Termine auf der Kippe. Warum der Festivalleiter aber vor allem ans Menschliche denkt.
Die Angriffe Israels und der USA auf den Iran haben auch Konsequenzen für die Jüdisch-Israelische Kulturtage Thüringen. «Es wird Terminausfälle geben», sagte Festivalleiter Johannes Gräßer. Gleichzeitig betonte er, dass das Festival stattfinden werde, aber in angepasster Form.
Details, welche Veranstaltungen genau betroffen sein werden, konnte er noch nicht nennen. «Die Lage ist absolut dynamisch, der Luftraum ist weiträumig gesperrt und es ist unklar, wann die Sperrungen wieder aufgehoben werden.»
Die Flugtickets für Künstlerinnen und Künstler, die noch aus Israel zu dem am Donnerstag beginnenden Festival hätten einreisen sollen, seien allesamt gecancelt worden, so Gräßer. Von insgesamt rund 80 Veranstaltungen sei bei 16 daher nicht klar, ob sie in der geplanten Form oder überhaupt stattfinden könnten. Einige wenige israelische Künstler seien bereits in der vergangenen Woche in Thüringen angekommen.
Dass das Festival trotz Krieg und Reiseunmöglichkeit stattfinde, sei nicht nur ein kulturelles, sondern auch ein politisches Signal - gegen Gleichgültigkeit und für Verständigung, sagte Reinhard Schramm, Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen.
Israelisch-iranisches Musikerprojekt bei Eröffnung
Nach aktuellem Stand entfallen die Auftritte der Olama Band, des Haifa-Erfurt Streichquartetts und das DJ-Set von Shai Amsalem aka EZRA1 aus Haifa ersatzlos. Die Vernissage «Hamsa, Hamsa, Hamsa» soll ohne die aus Israel beteiligten Künstler stattfinden.
Das Sharon Mansur Trio werde nicht wie geplant bei der Eröffnung spielen könne, sagte Gräßer. Stattdessen konnte kurzfristig das israelisch-iranische Musikprojekt «Sistanagila» gewonnen werden. Die Musikerinnen und Musiker des Projekts leben in Berlin und zeigen Gräßer zufolge, wie Menschen aus verfeindeten Ländern zusammen Kultur schaffen können. «Es ist ein Beitrag zur Verständigung, so wie das ganze Festival», sagte Gräßer.
Auch Israels Botschafter Ron Prosor halte an seiner Teilnahme bei der Eröffnung bislang fest, sagte Gräßer. Allerding sei auch hier von einer gewissen Dynamik auszugehen. Für die Eröffnung sei bereits vor den Angriffen ein besonderes Sicherheitskonzept erstellt worden. Auch bei den anderen Veranstaltungen sei die Polizei präsent.
Menschlich berührend
Seit Samstag stehe er im besonderen Austausch mit den Künstlerinnen und Künstlern aus Israel. «Für die ist es besonders dramatisch», erklärte Gräßer. Teilweise meldeten sie sich nur kurz, um dann zu schreiben, dass sie wieder zurück in die Schutzbunker müssten. «Das berührt menschlich sehr.»
Für das Festival-Team sei der organisatorische Aufwand nun zwar groß. «Aber wir haben Glück, wir haben Frieden, wir müssen nicht in den Bunker.» Anders als in Israel und Iran müssten in Deutschland keine Angriffe befürchtet werden.