Sieben Millionen Euro Planungskosten und trotzdem kein Neubau: Warum die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig keinen weiteren Magazinturm bekommen soll.
Die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig bekommt keinen fünften Erweiterungsbau. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer habe sich gegen die Realisierung des Vorhabens entschieden, teilte die Nationalbibliothek mit. Sie kritisierte die Absage. Die neuen Flächen würden dringend benötigt.
Der geplante Erweiterungsbau für die Bibliothek sollte langfristig Platz schaffen, um Bücher und anderen Medien sammeln und aufbewahren zu können. Die Magazinkapazitäten in Leipzig seien nahezu erschöpft.
Täglich Tausende neue Werke
Die Deutsche Nationalbibliothek archiviert seit 1913 sämtliche Publikationen in Deutscher Sprache. Sie hat Standorte in Leipzig und Frankfurt (seit 1946). Täglich gehen nach ihren Angaben rund 13.100 neue Werke in Leipzig ein, davon 3.300 in analoger und 9.800 in digitaler Form. Im Jahr 2011 war der 4. Erweiterungsbau in Leipzig eröffnet worden.
Die Nationalbibliothek wies darauf hin, dass auch alternative Lösungen Geld kosten. Zudem seien bereits rund sieben Millionen Euro in die Planung des fünften Erweiterungsbaus geflossen.
Kulturstaatsminister will digital sammeln lassen
Ein Sprecher des Kulturstaatsministers bestätigte, dass der Neubau vorerst nicht kommen soll. Die Planungen seien wegen der unsicheren Haushaltslage des Bundes ausgesetzt. Eine endgültige Entscheidung stehe noch aus. «Grundsätzlich strebt Staatsminister Weimer an, die Pflichtablieferung an die Deutsche Nationalbibliothek zukünftig weitestgehend digital abzubilden.»
Laut Gesetz müssen Verlage derzeit prinzipiell zwei physische Exemplare an die Bibliothek liefern. Weimer setze sich dafür ein, dass es in Zukunft nur noch ein Exemplar sein wird - und das - wenn möglich - ausschließlich digital. Das sei ein Beitrag zum Bürokratieabbau.