Die Akademie der Künste spricht sich erneut mit Nachdruck gegen den Antrag von GEMA-Aufsichtsrat und -Vorstand zur Neuausrichtung der Kulturförderung der maßgeblichen Verwertungsgesellschaft für Musik in Deutschland aus (vgl. PM vom 12.05.2025), die aufgrund ihrer faktischen Monopolstellung eine besondere kulturpolitische Verantwortung trägt. Die neue GEMA-Kulturförderung, die am 6./7. Mai 2026 auf der Mitgliederversammlung zur Abstimmung steht, gefährdet den Kulturauftrag.
Die geplante Reform sieht vor, dass der ohnehin kleine Ausgleichetat für E- oder Kunstmusik – ursprünglich als strukturelle Kompensation für einen marktfernen Kunstbereich gedacht – für alle Mitglieder geöffnet wird. Dieses Gießkannenprinzip entzieht genau jenem schutzwürdigen Bereich seine Existenzgrundlage, der das Rückgrat der Musikkultur bildet.
Gleichzeitig verschiebt sich die interne Lastenverteilung zugunsten der wirtschaftlich Stärksten: 2023 wurde der Kulturzuschlag im Online-Streaming von zehn Prozent auf ein Prozent abgesenkt – genau in dem Segment mit den höchsten Einnahmen, von denen vor allem große Verlage profitieren, während einzelne Urheber*innen kaum partizipieren.
Die Reform verschiebt die Logik von Entwicklung hin zu Begrenzung – mit direkten Folgen für die Produktionsbedingungen zeitgenössischer Musik. Die besondere Stellung der ehemaligen E-Musik innerhalb der GEMA war Ausdruck eines klaren kulturpolitischen Förderauftrags. Genau diese Struktur gerät nun unter Druck. Die GEMA setzt mit dieser Reform nicht nur ihr internationales Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Verwertungsgesellschaften aufs Spiel, sondern schwächt zugleich die Grundlage ihres kulturpolitischen Auftrags. Damit gefährdet sie die deutsche zeitgenössische klassische Musik – ein global strahlendes kulturelles Aushängeschild und eine tragende Säule des Kulturbetriebs mit einzigartiger Festival-, Ensemble- und Hochschulstruktur.
Die Akademie der Künste fordert, den Reformprozess auszusetzen und endlich in einem konstruktiven und ergebnisorientierten Vorgang zukunftsweisende und praktikable Alternativen zu entwickeln, die ein lebendiges Musikleben unserer Zeit nachhaltig gewährleisten.
Manos Tsangaris
Präsident der Akademie der Künste