Von der Arktis bis Südafrika: Uraufführungen, VR-Welten und indigene Stimmen - Chemnitz wird beim Festival «Theater der Welt» zum Schauplatz globaler Geschichten und ungewöhnlicher Perspektiven.
Von Pop-Oper und Schauspiel bis zu Performances und Figurentheater: Das Festival «Theater der Welt» bringt 33 internationale Produktionen nach Chemnitz. Neben Uraufführungen werden auch Stücke gezeigt, die noch nicht in Deutschland oder Europa zu sehen waren. Mit Deutschlands wichtigstem Festival internationaler Bühnenkunst gehe das Jahr von Chemnitz als Kulturhauptstadt Europas 2025 in die Verlängerung, sagte Christoph Dittrich, einer der drei Direktoren des Festivals.
Zum Auftakt am 18. Juni erwartet die Besucher eine Installation des Polyglot Theatre aus Australien. Unter dem Titel «Paper Planet» können Jung und Alt aus Pappe und Papier eine begehbare Welt erschaffen. Am Abend wird dann im Opernhaus «Split Tooth: Saputjiji» von Tanya Tagaq aus Kanada gezeigt. Das Stück spiele in der Arktis und setze sich mit indigener Identität und Selbstermächtigung auseinander, hieß es. Im Mittelpunkt stehe ein heranwachsendes Mädchen, das geprägt wird von übermächtiger Natur und einer sich auflösenden Gemeinschaft der Ureinwohner.
Raum für indigene Stimmen und Perspektiven
Das Festival wird alle drei Jahre in einer anderen Stadt ausgetragen. Das Programm für die aktuelle Auflage vom 18. Juni bis 5. Juli wurde von neun internationalen Kuratorinnen und Kuratoren entwickelt. Die ausgewählten Stücke behandeln den Angaben zufolge globale Themen wie Herkunft, Identität und Machtverhältnisse. Dabei werde auch indigenen Stimmen und Perspektiven Raum gegeben und es würden Erfahrungen von Kolonialismus und Ressourcenausbeutung verhandelt, so die Organisatoren.
Auf dem Programm steht etwa die Pop-Oper «Nkoli: A Fierce & Fabulous Life» über den südafrikanischen Anti-Apartheid-Kämpfer Simon Nkoli. Und in einer deutsch-chinesischen Koproduktion wird Alfred Döblins Roman «Berge, Meere und Giganten» unter dem Titel «Luftmasse» auf die Bühne gebracht. Das visuelle Konzept dafür stammt vom Künstler Ai Weiwei. Bei der Produktion «Blur» werden sich die Zuschauer mit VR-Brillen durch künstlich erzeugte Welten bewegen. Es gehe um die Frage, wie wir Endlichkeit in einer Zeit empfinden, in der Biotechnologien und Künstliche Intelligenz versuchen, ein Ende aufzuheben, heißt es.
Weimer: «starkes Zeichen für die Universalität der Kunst»
«Theater der Welt 2026 in Chemnitz setzt ein starkes Zeichen für die Universalität der Kunst und ihre Fähigkeit, Menschen über Grenzen, Sprachen und unterschiedliche Kulturen hinweg miteinander zu verbinden», schreibt Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) in einem Grußwort. Besonders richtungsweisend sei die in dieser Form nie dagewesene Kuration durch ein Team von neun jungen Menschen von allen Kontinenten. «Sie stehen für eine Vielfalt der Perspektiven.»
Das Festival wird nach Angaben der Organisatoren vom Bund, dem Land Sachsen und der Stadt Chemnitz mit zusammen drei Millionen Euro unterstützt.