Abenteuer und frischer Wind für Gitarre

Abwechslungsreiche neue Noten für Gitarre im Ensemble oder solo


(nmz) -
Lehrplan Gitarre +++ Igel Gigels Gitarrenabenteuer. Spielstücke ab der frühen Begegnung mit der Gitarre von Siegfried Steinkogler +++ 7 x 3. Sieben Schulschelmereien zu Dreien. 7 Gitarrentrios mit CD von Steffen Löbus. +++ Maurice Ravel (1875–1937): Bolero. Musik bearbeitet für vier Gitarren von Klaus Jäckle. +++ A Cuatro. Musik für vier Gitarren Vol. I. Bearbeitet von Ferdinand Neges. +++ Comme un voyage. 10 pièces faciles pour guitare
Ein Artikel von Guy Bitan

Lehrplan Gitarre. Bosse-Verlag, Kassel 2012. Herausgegeben vom Verband deutscher Musikschulen, ISBN 978-3-7649-3750-8, 9,95 €

Die Lehrplan-Kommission für die neue Fassung des Lehrplans für Gitarre ist mit Gerd-Michael Dausend, Alfred Eickholt und Hans-Werner Huppertz hochkarätig besetzt. Alle drei sind renommierte Pädagogen, die sich seit Jahrzehnten mit der Pädagogik der Gitarre beschäftigen. Dieser Lehrplan ist für alle im VdM (Verband deutscher Musikschulen) organisierten Musikschulen maßgebend und gültig. Ein neu bearbeitetes Literaturverzeichnis und Empfehlungen mit Schwierigkeitsgrad und Verlagshinweisen, oft eine Hilfe für die Teilnahme am Wettbewerb „Jugend musiziert“, ist am Ende der Broschüre auch zu finden. Selbst wenn man meint, durch eine jahrelange Tätigkeit und Praxis an der Musikschule alles zu wissen und zu kennen, ist es ratsam, dieses Buch zu lesen. In dem kurzen Kapitel „Elternmitarbeit“ muss man sich beispielsweise diesen Satz auf der Zunge zergehen lassen: „Für den Unterrichtserfolg ist, insbesondere bei jüngeren Schülern und Schülerinnen, die Mitwirkung und Unterstützung der Eltern unabdingbar.“ Ja, es wird oft vergessen, dass wir als Lehrer in der Musikschule „die Haupttrainer“ sind. Die „Co-Trainer“ zu Hause leisten eine noch wichtigere Aufgabe: das alltägliche „Training“. Es ist daher empfehlenswert, sich dieses kleine Buch anzuschaffen, um sich neue Ideen anzueignen oder einfach wieder mal Altbekanntes aufzufrischen.

Igel Gigels Gitarrenabenteuer. Spielstücke ab der frühen Begegnung mit der Gitarre von Siegfried Steinkogler. Universal Edition 2012, UE 35698, 13,95 €

„Der Beweggrund für die Entstehung dieses Buches war, einfache kindgerechte Gitarrenmusik zu schreiben, die die Phantasie der jüngsten Spieler anregt“, schreibt der Autor. Es ist ihm gelungen, schöne Stücke für eine oder zwei Gitarren mit fantasievollen Texten, mit aufsteigendem Schwierigkeitsgrad und mit netten Illustrationen zum Ausmalen zu präsentieren. Zum Teil sind es programmatische Stücke mit ausgewählten Hörbeispielen im Internet. Siegfried Steinkogler, Jahrgang 1968, ist ein erfahrener österreichischer Gitarrist, Pädagoge und Komponist. Er hat mehrere erste Preise bei Internationalen Kompositionswettbewerben gewonnen, weltweit werden seine Kompositionen aufgeführt. Sein Band „24 Wettbewerbsstücke für Gitarre“ (UE 33667, Schwierigkeitsgrad 1–3) sind ideal für Anfänger, um in die zeitgenössische Musik einzusteigen. Die Fingersätze und die Dynamikhinweise sind sehr präzise angegeben, und so hat man sofort Lust, diese kleinen Miniaturen mit etwas größerem Notenbild mit Schülern auszuprobieren. Empfehlenswert!

7 x 3. Sieben Schulschelmereien zu Dreien. 7 Gitarrentrios mit CD von Steffen Löbus. FingerPrint/Acoustic Musik 2012, FP8138, ISMN 979-0-700307-38-7, ISBN 978-3-938679-82-1, 14,90 €

Diese programmatischen Stücke (Partitur, Stimmen) für drei Gitarren „haben alle mit dem Thema ‚Schule‘ zu tun“, schreibt der Autor und Pädagoge aus Dresden. Die meist „poppigen“ Stücke sind unterhaltsam, und ich kann mir gut vorstellen, dass sie bei Schülern Anfang der Mittelstufe gut ankommen werden. Mal mit Reggae-Rhythmus oder mit rockigen Melodien, meistens rhythmisch nicht ganz leicht, sorgen diese Kompositionen für eine Abwechslung im Gruppenunterricht. Die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade der Stimmen können die verschiedenen Lernschritte der Schüler „bedienen“. Allerdings würde sich jeder Lehrer einen Fingersatzvorschlag wünschen: Es würde die Unterrichtsvorbereitung erleichtern! Trotzdem empfehlenswert.

Maurice Ravel (1875–1937): Bolero. Musik bearbeitet für vier Gitarren von Klaus Jäckle. Edition Margaux 2011, em 4031, ISMN M-2032-50321-3, ISBN 978-3-7333-0793-6, 24,80 E

Die Bearbeitung (Partitur und Stimmen) für vier Gitarren von Klaus Jäckle basiert auf Ravels eigener Version für zwei Klaviere zu vier Händen. Die in der Orchesterfassung am häufigsten gespielte Komposition von Maurice Ravel entstand 1928 und ist Ida Rubinstein gewidmet. Sie war eine berühmte russische Tänzerin und hatte 1927 Maurice Ravel gebeten, für sie ein Musikstück in Form eines spanischen Balletts zu entwerfen. Die Uraufführung wurde im November 1928 mit Begeisterung aufgenommen. Gitarristen werden sich freuen, endlich einmal Literatur von einem Komponisten von Weltrang spielen zu dürfen. Allerdings kann ich mir nur schwer vorstellen, wie vier Gitarren die unglaublich dynamische Bandbreite (Klarinette, Posaune, Trompete, Saxophon usw.) dieses Werkes wiedergeben können. Dem Bearbeiter Klaus Jäckle ist dieses Problem bewusst, und er schlägt deshalb vor, das Werk in der Mitte etwas zu kürzen. Gut ist auf jeden Fall, dass in der Aufteilung dieser Bearbeitung jede Stimme in den Genuss kommt, das Thema zu spielen. Es existiert bereits eine Aufnahme vom Spanish Art Gui­tar Quartet („Bolero“, CD, NCA 69156-215). Die Fingersätze müssen sich die fortgeschrittenen Gitarristen selber vornehmen. Unbedingt ausprobieren!

A Cuatro. Musik für vier Gitarren Vol. I. Bearbeitet von Ferdinand Neges. Dob­linger Verlag 2012, D. 20 133, € 14,95 

Der seit vielen Jahren bekannte Gitarrist, Gitarrenlehrer, Arrangeur, Komponist und Herausgeber Ferdinand Neges hat sich in der Sammlung „A Cuatro“ 20 Bearbeitungen von der Renaissance bis zu Weihnachtsliedern für vier Gitarren vorgenommen. In diesem Band (Vol. I, leicht bis mittel) besteht für die eher schwierigeren Stücke die Möglichkeit, in der ersten Stimme, mit einer extra Partitur, das Kapodaster einzusetzen. Nahezu alle Bearbeitungen sind Tänze der Renaissance, des Barocks, der Klassik oder der südamerikanischen Folklore. Die Arrangements sind sehr gut gesetzt und klingen gut, man kann F. Neges mit seiner pädagogischen Erfahrung Vertrauen schenken. Fingersätze der linken und rechten Hand sind, wo es nötig ist, vorhanden. Volume II (D. 35 943, 14,95 E) für eher fortgeschrittene Schüler ist auch erschienen, und zwar mit der gleichen Konzeption: Renaissance, Barock, Traditional und Weihnachtslieder. Die beiden Bände sind ein gutes Mittel, um „frischen Wind“ in den Gitarrenensemble-Unterricht zu bringen. Empfehlenswert.

Comme un voyage. 10 pièces faciles pour guitare. Laurent Méneret. Edition Schott Verlag 2011, SF 1004, 13,00 €

„,Comme un voyage‘ ist eine Sammlung von Solostücken, die ihre Wurzeln in der orientalischen Musik, im Tango, in der Barockmusik sowie der keltischen und romantischen Musik haben“, schreibt der Komponist Laurent Méneret. Die Stücke werden allmählich etwas anspruchsvoller. Hinweise auf Fingersätze für die linke wie für die rechte Hand sind, wenn es nötig ist, vorhanden. Diese Sammlung mit schönen programmatischen Stücken ist interessant sowie abwechslungsreich und kann den Unterrichts­alltag beleben. Empfehlenswert! 

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