ARTE(N)TOD

Ferchows Fenstersturz 2019/09


(nmz) -
Was geht denn bitte mit ARTE? Nichts mehr offenbar. Das gebührenfinanzierte Kulturgewissen pumpt heftig. Im Klartext. Früher habe ich ohne Duden und Brockhaus keine einzige Programmankündigung auf ARTE verstanden. Und heute? Heute verstehe ich nicht, dass ARTE David Hasselhoff ein Portrait namens „Being David Hasselhoff“ widmet. Was fast so schlimm klingt wie „Being Lena Meyer-Landrut“. Man möchte beide einfach nicht sein. Fein.
Ein Artikel von Sven Ferchow

Zurück zu Hasselhoff. Von Fans „The Hoff“ genannt. Würg. Ein Mann, der laut Doku den Mauerfall 1989 offenbar organisierte. Ich möchte behaupten: provozierte (nochmal recht schönen Dank dafür, ich zahle heute noch)! Ein Mann, der das Frauenbild in Amerika mit seiner 243 Folgen dauernden Dokumentation „Baywatch“ über das harte Leben großbusiger Frauen am Strand von Malibu maßgeblich prägte. Das geht ja in der gesamten #metoo-Debatte irgendwie unter. Dass Frauen jahrelang grübelten, warum sie bereits zum Casting zwei große Bojen dabeihaben mussten.

Doch eben jene Rettungsbojen scheint man den Programmplanern bei ARTE über die kahle Rübe gezogen zu haben. Wie sonst könnte man David Hasselhoffs Wirken als kulturell sendenswert einstufen. Mal unter uns. Auch Wolkenkratzer haben mal als Keller angefangen. Aber wie man aus Nichts nichts macht und trotzdem Nichts bleibt, können wir wöchentlich im „Big Brother Promi-Friedhof“ oder bei Anne Will sehen. Aber doch bitte nicht auf ARTE. Dass Hasselhoff zu Beginn seiner „Karriere“ in eine CASIO-Uhr sprach und so mit einem Auto (!) kommunizierte – Schwamm drüber. Machen ja alle Kinder.

Aber reden wir mal über Signalwirkung. Und den unwahrscheinlichen Fall, dass eines dieser „Frauentausch / Raus aus den Schulden / Super-Nanny“-Elternteile versehentlich im Doppelkorn-Wahn die falsche Fernbedienungstaste drückt und nicht nur im Jobcenter, sondern auch noch auf ARTE hängenbleibt. Die sehen das, suchen das Kind und brüllen: „Lass mal Grundschule – gönn’ dir Casting“. Wenig hilfreich, diese Karriereplanung zu korrigieren, dürften die Doku-Bilder von Hasselhoffs Auftritt an Silves­ter 1989 sein. Auf einer kranartigen Hebebühne. Natürlich beide schwankend, schließlich war Hasselhoff damals noch eine ordentliche Spritbacke. Und deswegen behauptet er steif und fest, „Honecker und Kohl“ hätten die Genehmigung für seinen Kranauftritt erteilen müssen. Logisch, David! Als ob in Deutschland auch nur ein Kran ohne ordentlich beantragten und genehmig­ten Flächennutzungsplan sowie mehrjähriges Baugenehmigungsverfahren aufgestellt werden dürfte.

Ach. Was wäre nur gewesen, hätten sich wirklich alle an diesem schicksalshaften Tag jene Lampen ausgeschossen, die David Hasselhoff an seiner lächerlichen Jacke auf der Hebebühne trug? Was wäre nur gewesen, hätte sich der Kran im Brandenburger Tor verfangen und Hasselhoff würde noch heute statt der Quadriga dort oben stehen und singen. Diese kulturrelevanten Antworten bleiben ARTE und die Doku leider schuldig.

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