Beziehungen stabilisiert

Tage der Deutsch-Chinesischen Begegnung der Kammermusik 2017


(nmz) -
Der bundesweite Wettbewerb „Jugend musiziert“, unter dem Dach des Deutschen Musikrates, hat sich im Laufe von Jahrzehnten zu einem Leuchtturmprojekt für musikalische Jugendbildung in der Bundesrepublik Deutschland entwickelt und genießt international hohes Ansehen. Die Idee eines mehrstufigen Wettbewerbs, der Jugendliche mit hohem künstlerisch-pädagogischen Anspruch auf ihrem musikalischen Weg begleitet und unterstützt, hat nicht nur in Europa zahlreiche Nachahmer gefunden. Auch China hatte der exzellente Ruf des Erfolgsmodells „Jugend musiziert“ inzwischen erreicht. Denn immer mehr Jugendliche lernen dort westliche Musik kennen. Aber anders als in der westlichen Musikausbildung haben chinesische Eltern und Musikpädagogen vor allem das Ideal eines Solisten nach dem großen Vorbild Lang Lang vor Augen und Formen des gemeinschaftlichen Musizierens kaum im Blick.
Ein Artikel von Jugend musiziert

In China wurde 2016 ein nationaler Jugend-Musikwettbewerb nach dem Vorbild von „Jugend musiziert“ ins Leben gerufen, die „China Youth Music Competition“ (CYMC), die im Geist der traditionellen „Jugend musiziert“-Tugenden ihre Arbeit aufnahm: Fairness, gemeinsames Musizieren musikliebender Jugendlicher, Motivation, Begegnung miteinander. Auch die Idee eines mehrstufigen Wettbewerbs, der Jugendliche mit hohem künstlerisch-pädagogischen Anspruch auf ihrem musikalischen Weg begleitet und unterstützt und insbesondere der wichtige Aspekt gemeinsamen Musizierens in Kammermusik-Besetzungen findet inzwischen auch in China große Beachtung.

Im Juli letzten Jahres fand der CYMC erfolgreich zum zweiten Mal in Peking statt. „Jugend musiziert“-Fachleute begleiten und beobachten den Jugendmusikwettbewerb in China von Anbeginn aufmerksam und stehen den dortigen Organisatoren beratend zur Seite. So bilanzierte Gideon Rosengarten, der stellvertretende Vorsitzende von „Jugend musiziert“: „Auch wenn der Wettbewerb nur langsam wächst, so bewegt er sich doch auf hohem Niveau. Die Veranstalter vor Ort entsprechen unserem Wunsch, Jugendliche mit Kammermusik vertraut zu machen und den Geist von „Jugend musiziert“ in diesem Wettbewerb zu verwirklichen.“

Zum Prinzip des bundesdeutschen Vorbildes gehört auch, die Preisträgerinnen und Preisträger im Anschluss an die Wettbewerbsphase nachhaltig weiter zu fördern. Da traf es sich gut, dass die diplomatischen Beziehungen zwischen China und Deutschland 45-jähriges Jubiläum feierten und dies gerne mit einem musikalischen Highlight würzten.

Initiiert wurde eine zehntägige Reise vom 5. bis 15. November 2017 nach Peking, zu der ein Streichquartett aus Weimar und eine Pianistin aus Hohenbrunn (Bayern) eingeladen wurden. Begleitet wurden die fünf Musiker von Gideon Rosengarten und Dr. Benedikt Holtbernd, dem künstlerischen Geschäftsführer des Deutschen Musikrates.

Auf dem Programm standen gemeinsame Konzerte mit den Preisträgern des CYMC im Deutschen Generalkonsulat in Shanghai, in der Tongji-Universität Shanghai, in der Peking-Universität, im Pudu-Tempel in der Nähe der Verbotenen Stadt und beim Jahrestag der 45-jährigen deutsch-chinesischen diplomatischen Beziehungen in Anwesenheit des deutschen Botschafters und chinesischer politischer Vertreter.

Clara Siegle, die Pianistin, berichtete nach ihrer Rückkehr begeistert von der guten Organisation und den gut besuchten Konzerten, auch wenn sie befand: „Das Konzertpublikum in Peking ist doch ein wenig anders als bei uns. Überall im Publikum sah ich Besucher mit ihrem Handy spielen und sicher wurden tausende Fotos von uns gemacht.“ Zusammen mit Paula Borggrefe (Violine), Maja Rohde (Violine), Marvin Stark (Viola) und Tobias Gassert (Violoncello) brachten sie das A-Dur-Klavierkonzert von Mozart zu Gehör, Clara spielte die 4. Ballade von Chopin sowie die Es-Dur-Sonate von Haydn und begleitete kurzfristig eine der chinesischen Preisträgerinnen im Fach Flöte, da deren Klavierbegleitung erkrankt war. Munter und voller interessierter Fragen war auch die Begegnung der fünf mit Schülern der Central Conservatory Preparatory School.

Enrico Brandt, der Leiter des Kulturreferats der Deutschen Botschaft Peking, wies in seinem Grußwort darauf hin, dass die China Youth Music Competition im zweiten Jahr ihres Bestehens bewiesen habe, dass sie einen komplexen Musikwettbewerb zu organisieren verstehe. Und mit dem musikalischen Schwerpunkt dieses Jahres, der Kammermusik, die ja in China als Wettbewerbskategorie nicht üblich ist, seien die Wettbewerber sehr gut klargekommen. Die Zusammenarbeit des Deutschen Musikrates mit der „China Youth Music Competition“ habe daher das Potenzial, eine wichtige Plattform für den musikalischen Austausch zwischen deutschen und chinesischen Musiktalenten zu werden. Festzuhalten ist, dass sich die Beziehungen zwischen dem Deutschen Musikrat und dem CYMC stabilisieren. Hilfreich ist sicherlich die ausdrückliche Unterstützung der Deutschen Botschaft und des Deutschen Generalkonsulats in Shanghai und die Förderzusage des Goethe-Instituts Peking. Auch das Goethe-Institut Shanghai hat inzwischen seine Unterstützung signalisiert. Gute Aussichten nicht zuletzt für Bundespreisträgerinnen und -preisträger „Jugend musiziert“, die aufgrund einer Auswahl durch den Projektbeirat und die Bundesjury Reisen nach China antreten dürfen.

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