Der eloquente Wotan

Zum Tod des Bassbaritons Theo Adam


(nmz) -
Seine erste Bühnenrolle war auch seine letzte: 1949 hatte der Bassbariton Theo Adam, 1926 in Dresden geboren, sein Bühnendebüt als Eremit in Carl Maria von Webers „Der Freischütz“ an der Semperoper gegeben. Mit dieser Partie verabschiedete er sich 2006 am selben Haus auch vom Opernpublikum.
Ein Artikel von Juan Martin Koch

Dazwischen lag eine für einen Künstler der DDR beinahe beispiellose internationale Karriere, die den regimetreuen Sänger an die wichtigsten Opernhäuser der Welt und – auch für zahllose Schallplattenproduktionen – mit den bedeutendsten Dirigenten seiner Zeit zusammenbrachte. Vor allem mit seinen Verkörperungen von Partien des deutschen Faches,  insbesondere Wagner – 28 Bayreuther Festspielsommer gestaltete er mit – machte Theo Adam sich einen Namen, wobei seine Bühnenpräsenz und seine an Bach und dem Kunstlied geschulte Genauigkeit der Deklamation entscheidende Faktoren bildeten. Mit seiner eloquenten Textbehandlung glich er gewisse Schwächen der Klangentfaltung seiner Stimme aus, für die er von Kritikern immer wieder auch herbe Kritik einstecken musste.

Sein breites Repertoire umfasste auch zahlreiche Rollen aus Opern des 20. Jahrhunderts, darunter Dr. Schön in Alban Bergs „Lulu“, Cadmos in Hans Werner Henzes „Die Bassariden“, die Titelpartien in Bergs „Wozzeck“, Paul Dessaus „Einstein“, Ernst Kreneks „Karl V.“ und Friedrich Cerhas „Baal“ oder Prospero in Luciano Berios „Un re in ascolto“, deren Uraufführung er 1984 in Salzburg in der Regie Götz Friedrichs sang.
Am 10. Januar ist Theo Adam, der auch als Regisseur tätig war, in seiner Heimatstadt Dresden gestorben.

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