Eine Amerikanerin in München

Band 54 von „Komponisten in Bayern“: Gloria Coates


(nmz) -
In der Buchreihe "Komponisten in Bayern" erschien als Band 54 eine Monographie über Gloria Coates.
Ein Artikel von Wolfram Graf

Der neue Band 54 der Reihe „Komponisten in Bayern“ ist der Münchner Komponistin Gloria Coates gewidmet. In einer anfänglichen Skizze umreißt Gisela Maria Schubert wichtige Lebensstationen der 1938 geborenen Künstlerin wie zum Beispiel die Kindheit in Wisconsin (USA), die ersten musikalischen Gehversuche – immerhin gewann sie bereits als 13-Jährige einen Kompositionspreis für ein Lied – und die Bestrebungen, sich als Sängerin und später als Schauspielerin zu etablieren.

Es wird schon an dieser Stelle deutlich, wie künstlerisch vielseitig die Musikerin veranlagt ist, die auch als Malerin inzwischen einige Anerkennung erfährt. Zu ihren prägenden Lehrern und Mentoren zählten der russische Pianist und Komponist Alexander Tscherepnin und Otto Luening, bei dem sie an der New Yorker Columbia University studierte. 1969 zog Coates mit ihrer Tochter nach München, die Stadt, die ihr seitdem Lebensmittelpunkt geworden ist. Hier entschied sie sich endgültig dafür, als Komponistin zu leben und konnte auf diesem Gebiet einen zentralen Durchbruch 1978 beim Warschauer Herbst erfahren, wo ihre erste Symphonie „Music on Open Strings“ uraufgeführt wurde. Seitdem erklangen ihre Werke in zahlreichen Ländern, in Russland bereits zu Zeiten des Kalten Krieges, in Amerika, in vielen europäischen Staaten, aber auch bis hin nach Indien. Durch die nachfolgenden Aufsätze werden dem Leser die Kompositionen Coates erschlossen, oder besser: aufgeschlossen, denn selbstverständlich kann ein Text über Musik im besten Falle auf dieselbe aufmerksam und neugierig machen. Genau dies schaffen die Autoren, wenn Sie sich den einzelnen Werkgruppen zuwenden. So ordnet Giselher Schubert Coates symphonisches Schaffen – es liegen von ihr bereits 16 Symphonien vor – in den Kontext der bekannten Werke des 20. Jahrhunderts dieser Gattung ein und stellt die Besonderheiten dieses Werkkomplexes heraus.

Wolfgang Rathert geht in seinem Essay „Im Zwischenreich“ auf das Streichquartettschaffen Coates’ ein und resümiert, gleichsam ihre Biographie umschreibend: „Gloria Coates bleibt eine Wanderin zwischen den geographischen und musikalischen Kontinenten und hat ihren Platz in einem Zwischenreich eingenommen, dem für sie wohl einzig angemessenen Ort eines freien Künstlers.“ Peter Sheppard Skaerved beleuchtet im Anschluss die Streichquartette aus Sicht des Interpreten und blickt auf die Besonderheiten der Spieltechnik und damit des musikalischen Ausdrucks. In weiteren Aufsätzen schreiben Elisabeth Weinzierl und Edmund Wächter über die Werke für und mit Flöte(n), sowie Roderick Chadwick über die Klaviermusik. Genauso inhaltsreich wie in diesen Artikeln beschließt Franzpeter Messmer den analytischen Teil des Bandes mit seinen umfassenden Betrachtungen zur Vokalmusik von Gloria Coates. Die Klavierlieder finden dabei ebenso Berücksichtigung wie die orchestral begleiteten Stücke. Das Buch eröffnet einen fundierten Einblick in das bislang vorliegende Werk von Gloria Coates und macht gleichzeitig neugierig auf ein akustisches Kennenlernen mit dem in allen Fällen ausgezeichnet beschriebenen musikalischen Opus.

Wolfram Graf, Franzpeter Messmer (Hrsg.):
Komponisten in Bayern, Band 54:
Gloria Coates,Tutzing 2012
ISBN 978862960347

 

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