Erfahrungen, die noch lange nachwirken

Zur 9. Internationalen Jugendkammerchor-Begegnung Usedom


(nmz) -
Die Jugendlichen aus Schweden, Estland, Weißrussland, der Schweiz und Deutschland erlernten vormittags in Ateliers neues Repertoire, hatten an den Nachmittagen Freizeit und konzertierten an den Abenden in verschiedenen Kirchen auf der Insel Usedom. Die neun Tage Jugendkammerchor-Begegnung mündeten am 18. August in einem großen Abschlusskonzert in der St.-Petri-Kirche Wolgast. Dort stellten sich die Chöre je einzeln mit einem Musikstück vor, und die Atelierleiter dirigierten die erarbeiteten Stücke. Klanglicher Höhepunkt waren die drei Lieder, die alle knapp 200 Sängerinnen und Sänger gemeinsam darboten.
Ein Artikel von N.N.

Naomi Faran leitete während der Zeit ein Mädchenchor-Atelier. Die aus Israel stammende Chorleiterin brachte Musik aus ihrer Heimat zum Thema „To Everything There is a Season“ mit, darunter das titelgebende Stück von Menachem Wiesenberg, „Makhela Aliza“ von Nurit Hirsh und das Gebet „Shirat Ha’Asavim“ von Naomi Shemer. An ihrem Atelier nahmen drei Chöre teil. Der von Michael Gohl geleitete Züricher Jugendchor kam mit reduzierter Besetzung, das heißt mit sieben Sängerinnen. Er gestaltete, wie die anderen Chöre auch, zwei Konzerte auf der Insel und sang bei einem der beiden Begegnungskonzerte. Der Nationale Mädchenchor Leelo unter der Leitung von Raul Talmar und Anne Kann aus Estland besteht aus einer Auswahl der besten Sängerinnen des Landes. Entsprechend hoch war das Niveau des folkloristisch-geprägten Repertoires. Mit ihren farbigen Trachten waren die Auftritte der Esten auch etwas fürs Auge. Der Mädchenchor Shurawatschka aus Weißrussland unter der Leitung von Olga Belko ist in seinem Land ebenfalls einer der besten. Er nahm bereits zum zweiten Mal an der Jugendkammerchor-Begegnung teil und ebenso wie 2010 sangen sich die blau-weiß-gekleideten Mädchen schnell in die Herzen der Zuhörer. 

„Open your Voices and Hearts“ war das Thema im Atelier von Michael Gohl. Mit Werken wie Joseph Haydns „Harmonie in der Ehe“, dem sphärisch-klingenden „Lux Aeterna“ des Argentiniers Fernando Moruja oder dem Maori-Traditional „Hine e hine“ von Princess te Rangi Pai studierte er ein Repertoire von großer stilistischer Bandbreite ein. „Es lohnt sich auf jeden Fall, an solchen Festivals teilzunehmen. Die Jugendlichen nehmen so viel Neues mit, und das sind positive Erfahrungen, die noch lange nachwirken. Und manchmal hört man Jahre später, dass solche Treffen entscheidend waren für den eignen Lebensweg. Das ist der Grund, warum wir diese Arbeit tun“, sagte Michael Gohl. An seinem Atelier nahm als einer von drei Chören der zwölfköpfige Junge Chor der Scola Musica Ahrenensis unter der Leitung von Margarete Ertl teil. Das Ensemble kommt aus der Nähe von München und präsentierte bei seinen Konzerten anspruchsvolles Repertoire der Neuen Musik. Der Adolf Fredriks Jugendchor aus Stockholm unter der Leitung von Christoffer Holgersson besteht aus angehenden Berufsmusikern und bestens ausgebildeten Laienstimmen. Er sang in seinen Konzerten neben Volksliedern aus Schweden auch Brittens „Five Flower Songs“ und zeitgenössische Werke. Ein weiterer Chor im Atelier von Michael Gohl war der Jugendchor des Runge-Gymnasiums Wolgast. Der Chor unter der Leitung Rüdiger Kurzmanns ist seit der ersten Durchführung Teil des Festivals, sozusagen als „Gastgeber-Chor“.

Im dritten Atelier, ebenfalls für gemischte Jugendchöre, machte Jan Schumacher „Shakespeare in Choral Music“ zum Thema. Jan Schumacher, der unter anderem das Ensemble Camerata Musica Limburg leitet, probte während der Zeit auf Usedom mit zwei exzellenten Schulchören. Mit dem Jugendchor des Lessing-Gymnasiums Hoyerswerda (Leitung Ilona Seliger) und dem Kammerchor des Gymnasiums Muttenz (Leitung Jürg Siegrist) studierte er unter anderem „When Daisies Pied“ von George MacFarren, „All That Glisters“ von Siegfried Strohbach und „It was a Lover and His Lass“ von Ward Swingle ein. Am Ende des Festivals präsentierten die Chöre das die Woche über erarbeitete Repertoire in der Wolgaster St.-Petri-Kirche. So unterschiedlich wie die einzelnen Ensembles war auch die Musik, die in dem gut zweistündigen Programm erklang und viele Zuhörer sichtlich berührte. 

Höhepunkt des Konzertes war das gemeinsame Singen der Zuhörer und der Chöre unter der Leitung von Michael Gohl. Im dreistimmigen Kanon erklang „Ding dong, heut’ Nacht in Wolgast“. Zum Abschluss zogen alle Sängerinnen und Sänger beschwingt und singend aus der Kirche aus, um anschließend in der Jugendherberge gemeinsam eine große Abschiedsparty zu feiern. 

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