Europas Kontrabass-Herz schlägt im Harz

Musikakademie Sachsen-Anhalt: Tradition & Innovation im Kontrabass-Spiel


(nmz) -
Jedes Jahr im März ist in der Musikakademie Sachsen-Anhalt im Kloster Michaelstein der Kontrabass los! Vom aufkeimenden Frühling bis zum tief verschneiten Winter haben Bassisten auf dem Gelände des ehemaligen Zis­terzienserklosters hier schon alles erlebt. Egal ob auf einer dicken Eisschicht oder zwischen der aufblühenden Wiese – immer tragen sie begeistert ihr ausladendes Instrument über die historische Anlage.
Ein Artikel von nmz (N.N.)

Bei jüngeren Teilnehmern helfen meist mitreisende Eltern, das sperrige Instrument zum Unterricht, zur Korrepetition oder zum Bassorchester zu tragen. Seit 2013 widmet sich die Musikakademie auch dem Nachwuchs von 5 bis 19 Jahren für dieses doch eher seltene Instrument. Wo junge Bassisten zu Hause meist die Ausnahme darstellen (erfreulicherweise steigt seit einigen Jahren die Zahl der Neuanfänger im Bereich Kontrabass), treffen sie im Kloster Michaelstein jedes Jahr begeisterte Mit-Bassisten. Gleiches gilt für Familienangehörige – denn diese Familienfreundlichkeit ist das Besondere an der BASSEUROPE young ACADEMY, für Groß und Klein gibt es zahlreiche Angebote: Einzelunterricht, Bassorches­ter, Gruppenunterricht, Technik classes, die Uraufführung eines Auftragswerkes für Bassorchester, gemeinsamer Frühsport und instrumentenbezogenes warm-up, physiotherapeutische Begleitung, für Angehörige ein Mitspielorchester sowie zahlreiche Bas­tel- und Freizeitangebote. Bis zu 100 (aktive und passive) Teilnehmer sind jedes Jahr dabei.

Konzipiert hat Prof. Stephan Petzold (HfM Hanns Eisler, Solo-Bassist Konzerthausorches­ter) diesen Kurs, der seither unter seiner Leitung stattfindet. Ebenso hat er auch die jeweils im Anschluss stattfindende BASSEUROPE ACADEMY als künstlerischer Leiter übernommen. Hier trifft sich die Profi-Szene des Kontrabasses. Das Attraktive daran sind seit jeher die vielen international renommierten und deshalb bei Studenten besonders gefragten Lehrer. Für solch prominente Dozenten müsste ein Bassist alternativ quer durch Europa reisen, um eine der begehrten Unterrichtsstunden zu erhalten. So trifft man sich stattdessen für eine Woche im Kloster, nutzt die ungestörte Arbeitsatmosphäre und die großartigen Arbeitsbedingungen. Wer in dieser Zeit als Besucher hierher kommt, kann teilhaben an der Begeisterung junger Bassisten: Alle verfügbaren Räume werden zum Üben genutzt, denn die sofortige Umsetzung und Aneignung der Profi-Tipps sind für das Fortkommen und die spätere Karriere entscheidend.

Ein Highlight ist die Möglichkeit, mit Orchester zu spielen. Hierfür konnte das Philharmonische Kammerorchester Wernigerode (Leitung: MD Christian Fitzner) gewonnen werden, das als kongenialer Partner den jungen Musikern ermöglichte, wichtige Repertoire-Stücke mit Orches­ter zu erarbeiten und im Abschlusskonzert vorzustellen. Hier entsteht eine beinahe einzigartige Konzertsituation: Der Kontrabass-Solist glänzt im Rampenlicht mit selten gehörter Originalliteratur für Kontrabass (Vanhal, Koussevitzky, Bottesini, Dittersdorf). Dieses gelungene Konzept von Prof. Petzold brachte 40 Profi-Bassisten aus aller Welt in die Musikakademie (von China bis Kolumbien).

Nach 10 turbulenten Tagen rund um den Kontrabass tritt dann plötzlich eine Stille ein, die auch trügerisch ist: Denn natürlich reisen für dieses Jahr alle Bassisten, Dozenten und Aussteller wieder ab, aber die Vorbereitungen für 2020 haben längst begonnen.

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