Im Zeichen der Solidarität

In Berlin fand die Verleihung des Musikautorenpreises der GEMA statt


(nmz) -
Die elfte Verleihung des Musikautorenpreises der GEMA, Autoren ehren Autoren, stand wieder einmal unter keinem guten Stern. War es im letzten Jahr die rein männliche Zusammensetzung der Jury sowie eines großen Teils der Nominierten, die den Veranstaltern in der Öffentlichkeit eine dicke Rüge einbrachte und auch die Bundeskulturministerin zu einer Standpauke vor den versammelten Gästen den Anlass gab, ragte dieses Mal die Ausarbeitung der EU-Richtlinie zum Urheberrecht im digitalen Binnenmarkt tief ins Mark der Veranstaltung.
Ein Artikel von Martin Hufner

Mitten im Sturm, aber nicht im Auge

Manch ein Funktionär war sichtlich angenervt von dem Shitstorm da draußen in den Netzen von YouTube, Twitter, Facebook, einigen Blogs und mancher Zeitung. Dabei kann die GEMA für diesen Zustand gar nichts, sie macht nicht die Richtlinien und schon gar nicht die Gesetze. Sie ergreift nur Position für ihre Berechtigten. Das ist ihre Aufgabe und Pflicht, im ureigensten Interesse der Berechtigten, die schließlich die GEMA bilden; also der Musikautoren, Textdichter und, ja, auch der Verleger.

In seiner Begrüßung holte der Aufsichtsratsvorsitzende Ralf Weigand diesen Sturm in den Saal und sprach von „Kampf“ und gar einem „Krieg“, der da tobe. Er sieht eine einseitige Parteinahme da draußen für die Profiteure (nämlich Plattformen wie YouTube) von Regelungen, die es bis jetzt noch nicht gibt und im Namen der Meinungsfreiheit nicht geben sollte. Da draußen werde „künstliche Dummheit“ erzeugt. Als neutraler Betrachter wird man sich dieser Sicht der Dinge leider kaum verschließen können. Auch der Autor diese Zeilen hat sich am Beton von Scheinargumenten gegen diesen Richtlinienentwurf einige seelische Beulen holen können, denn gegen verfestigte Vorurteile von Massen, kann eine Analyse von Texten nichts ausrichten.

Chronistenpflicht

Doch zurück zur Veranstaltung. Anders als in Brechts Dreigroschenoper kommt hier nach der Moral das Essen und dann die Preisverleihung. Diese erfolgte in zehn Kategorien. Es ist Chronistenpflicht darüber zu informieren: Komposition Audiovisuelle Medien: Ralf Wienrich; Komposition Chormusik: Arvo Pärt; Komposition Ensemble mit Elektronik: Michael Maierhof; Komposition Hip-Hop: Christian Kalla (Crada); Komposition Jazz/Crossover: Martin Tingvall; Text Kinderlied: Suli Puschban; Text Pop/Rock: Maxim Richarz (Maxim); Nachwuchspreis: Elif Demirezer (Sparte U) und Mark Barden (Sparte E); Erfolgreichstes Werk 2018: „Je ne parle pas français“ von Hanan Hamdi (Namika), den Beatgees (Hannes Büscher, David Vogt, Philip Böllhoff, Sipho Sililo), Simon Müller-Lerch (Sera Finale) und Simon Triebel. Die Juryentscheidung geht in Ordnung.

Solidarität

Neu bei dieser Veranstaltung war aber  – der Chronist kann sich jedenfalls nicht erinnern, dass es jemals so war –, dass sowohl Michael Maierhof, Suli Pushban als auch Martin Tingvall betonten, dass die jeweils beiden anderen Mitnominierten ebenso den „Preis“ (ein Ehrenpreis, mit Ausnahme der Preise für den Nachwuchs) verdient gehabt hätten. Michal Maierhof bot an, die Trophäe zu zersägen. Das ist nicht nur fair, sondern leider auch inhaltlich vollkommen richtig. Man mag als Außenstehender mehr Sympathie für den einen oder anderen Nominierten empfinden, aber im Grunde kann man kaum den einen vor einem anderen bevorzugen. Solidarität nennt man das auch in künstlerischer Hinsicht.

Der Preis für das Lebenswerk ging an den Komponisten Wolfgang Rihm, der leider krankheitsbedingt nicht vor Ort sein konnte. Der Film mit dem er repräsentiert wurde, zeugt aber von Charme, Witz, Intelligenz, Höflichkeit, Bestimmtheit, kurz: Persönlichkeit! Weit weniger als ein Genie, kann man ihn als höchstentwickelten Narren in dieser häufig genug voll bekloppten Welt bezeichnen, ein Narr, der in sie genau so eintaucht wie neben, unter und über ihr steht.

Der Veranstaltung war anzumerken: Man rückt wieder enger aneinander heran, Solidarität war sowieso immer schon ein Thema. Hier war darüber hinaus auch Solidarität mit der Verlegerseite zu spüren, die manch ein Preisträger eigens erwähnte. Feindschaft hört sich anders an.

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