Jazz, Blues und Piano-Teilchen

Neue Notenausgaben für Gitarre, Bass und Klavier


(nmz) -
Michael Fix: Play with Feeling (Guitar Workshop), Acoustic Music/FingerPrint +++ Corey Christiansen & Jay Farmer: Jazz Scales for Bass +++ Dave Rubin: Teach yourself to play Blues Guitar +++ Steffen Wick: Piano Particles – Reel & Reflex (for marimba & piano), Bosworth
Ein Artikel von Monika Krämer

Michael Fix: Play with Feeling (Guitar Workshop), Acoustic Music/FingerPrint, 32 Seiten, inkl. DVD, deutsch/englisch

Der Verlag bezeichnet diese Ausgabe als „DVD mit Begleitbuch“. Das Vorwort beschäftigt sich kurz mit dem Thema „Balladen“; dabei wird im letzten Satz der Zusammenhang mit Atmung angesprochen – ein wichtiges, spannendes Thema in der Musikalität, das auch für Gesunderhaltung, Entspannung, Konzentration eine maßgebliche Rolle spielt, bei Bedarf jedoch mit geeigneten Techniken weiter vertieft werden sollte. Michal Fix setzt in seiner Musik auf Ausdruck, Feeling, Emotionen, die in erster Linie durch Spieltechniken und individuelle Ansätze beim Spiel erzeugt werden. Im vorliegenden Heft fordert er dazu auf, genau dieses ausdrucksstarke Spiel zu praktizieren und zeigt, wie es gehen könnte. Dabei helfen unter anderem Techniken wie Vibrato, Tremolo, Bendings & Slides, Hammer-ons & Pull-offs, Triller, Flageoletts und der große Bereich der Dynamik. An drei seiner Balladen stellt Fix Takt für Takt solche Gestaltungsmöglichkeiten vor. Zu jedem Stück (dargestellt in Noten und Tabulatur) gibt es einen Einführungstext. Dabei ergänzen sich Buch und DVD sehr praxisnah auf dem Weg zum persönlichen „Play with Feeling“.

Corey Christiansen & Jay Farmer: Jazz Scales for Bass, MelBay, 80 Seiten mit „online audio“, englisch

Für Bassisten, die versiert Englisch mit musikalischen Fachbegriffen verstehen und sich die entsprechenden „online audio recordings“ mittels eines Codes auf der MelBay-Homepage verfügbar machen möchten. Das Heft vermittelt in Standard-Notation und Tabulatur-Schreibweise Skalen und Übungen als Anregung für die eigene Jazz-Improvisation. Dazu gibt es Griffdiagramme für die Skalen, mit Fingersätzen für E- und Kontrabass (bei Letzterem auch Hinweise für das 3- und 4-Finger-System). Und eine allgemeine (nicht tonartbezogene) Übersicht: welcher Akkordtyp besteht aus welchen Tönen (Bsp: minor = root, b3, 5). Für die begleitenden Tracks gibt es ein Titel-Verzeichnis, allerdings leider ohne Seitenangaben, während die Track-Nummern innen ohne Titel auskommen – das gestaltet sich wiederum unübersichtlich innerhalb des etwas unruhigen Layouts. Als Ergänzung zu eigenem Spielmaterial geeignet. Für Anfänger, Fortgeschrittene sowie stilistische Quereinsteiger am Bass.

Dave Rubin: Teach yourself to play Blues Guitar, Hal Leonard, 48 Seiten, dazu Videoclips online/als Download, englisch

Die zunächst verheißungsvolle Aussage „ohne Noten” könnte sich für den einen oder anderen später als unerfreuliche Wissenslücke herausstellen, die den Umgang mit Notenmaterial klar erschwert. Verlockend ist mit Sicherheit auch der Titel „Teach yourself …“ dieser Ausgabe für Einsteiger an der Gitarre – Selbststudium hat einen Reiz, klingt nach Freiheit und individueller Gestaltung des Lernplans. Allerdings sollte man für diese Ausgabe Durchblick im speziellen musikalischen Englisch haben. Jedes Musikbeispiel wird als Tabulatur abgedruckt und ist (dank eines im Heft angegebenen Codes) online über begleitende Videoclips abrufbar, die auch heruntergeladen werden können. Die Qualität der eingespielten Clips für sich ist schon Ansporn zum kreativen Bluesen. Ein kurzes Vorwort führt bemerkenswert knapp ins Thema Blues ein, genauer: in seine vermuteten Anfänge und die folgende Entwicklung. Die 10 Kapitel drehen sich zum Beispiel um die 12- sowie die 8-taktige Bluesform, Boogie Patterns, wichtige Akkordformen und -arten, Bottleneck-Spiel, „Blues Alone“ (Solo Delta Blues). Dabei geht es rasant vorwärts mit kreativen Herausforderungen wie Solos im Stil von Clapton, B.B. King oder der Allman Brothers. Auch geeignet für erfahrene Gitarristen, die sich erstmals mit dem Blues-Spiel beschäftigen möchten. Leider ohne Stichwortverzeichnis oder systematische Übersichten; am besten arbeitet man sich also durch die Beispiele, um Details zu erfassen. Außerdem erhältlich zu den Themen „Guitar Songs“ (jeweils für Blues bzw. Rock Classics), „Guitar“, „Guitar Scales“, „Guitar Chords“ und „Bass“. Ein sehr komprimierter musikalischer Ansporn, um sich bei Gefallen auf andere Art intensiver mit den einzelnen Themenbereichen zu beschäftigen.

Steffen Wick: Piano Particles – Reel & Reflex (for marimba & piano), Bosworth, 30 Seiten plus Einzelstimme

Zwei Stücke in ungewohnter Besetzung: Klavier und Marimba. Sie gehen auf die Zusammenarbeit des jungen Komponisten Steffen Wick mit der vielseitigen Perkussionistin Jasmin Kolberg zurück. Der Begriff „Partic­les“ steht im Englischen für Teilchen, Stückchen, aber auch: Spur. Die Herausforderung im atemlos dahinarbeitenden „Reel“ liegt darin, den durchgängig fließenden Puls zwischen beiden Instrumenten absolut synchron zu gestalten, und zwar über unterschiedlich akzentuierte Phrasen und Taktwechsel hinweg. Bei „Reflex“ ist es dem Komponisten ein Anliegen, bei der Interpretation einen strikt rhythmischen Ansatz zugrunde zu legen. Beide Stücke sind in der vorliegenden Partitur-Notation nahezu gleich lang. Zwei erfrischende Stücke, die in hochkonzentriertem Spiel ihr ganzes Potenzial entfalten. Für fortgeschrittene, rhythmisch sehr versierte Spieler. Informationen zum Komponisten, zu seinem Musikprojekt „Piano Particles“ (zusammen mit Simon Detel) sowie zu den „Piano Particles“-Alben auf www.steffenwick.de.

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