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Kammermusikalisches ausgegraben

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Ein junger Verlag präsentiert Raritäten
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Die Edition Walhall, fantasiereich und mutig in der Wahl kammermusikalischer Publikationen, die der unternehmende Verleger Franz Biersack in Magdeburg seit 1993 verantwortet.

Die Edition Walhall, fantasiereich und mutig in der Wahl kammermusikalischer Publikationen, die der unternehmende Verleger Franz Biersack in Magdeburg seit 1993 verantwortet. Hier ein paar Beispiele musikalischer Raritäten und seltener Besetzungen, vergessener Namen wie Heinrich Ignaz Franz Biber, Jean Ferry Rebel, Joh. Adam Reinken oder noch nicht genügend bekannter neuer, zum Beispiel Ernst Thilo Kalke, Erwin Nerling, Wolfram Gäfgen, Krzysztof Ostrowski. So auch der Kodaly-Schüler Zoltán Gárdonyi, musikantisch gleichermaßen von Hindemith beeinflusst, hinterließ attraktive Kammermusik, so dass jetzt postum erstmals veröffentlichte dreisätzige Bläser-Quintett 1961, fein gewoben in der Stimmführung, kontrastreich in der motivischen Verarbeitung, im Mit- und Gegeneinander charakteristischer Bläserklänge, spritzig, geistreich, lohnend, weil technisch nicht unüberwindbar (SG 4). Und sage niemand, es gäbe nicht auch für den tiefsten Streicher originäre und orginale Kammermusik: Gárdonyi’s zweisätzige Sonate für Kontrabass (1957) – ähnlich wie seine Duos für Violine, Viola und Cello mit Klavier oder Orgel – ist wohl anspruchsvoller im Klavierpart (SG 4) und damit ein echtes Duo-Wechselspiel, bei dem der Bassist Artikulations- und Intonationsfähigkeiten, rhythmische Sicherheit unter Beweis stellen und sein Instrument einmal richtig singen lassen kann (SG 3–4).

Lernen soll Spaß machen, meint der Praktiker Peter Schiffers und macht ein wenig Wirbel, eigentlich pro Panflöte, aber seine drei Hefte „Kleine Panik I, II, III“, entweder (Pan- oder andere) Flöte mit Klavier als Duo gedacht, oder in der Fassung für Spielkreis-Trio, und die erlauben wenigstens 100 Besetzungsvarianten für allerlei Instrumentarium, um die kurzen witzigen Poems angemessen zum Klingen, zum Erzählen zu bringen.

Von Wilhelm Kempff zu behaupten, er schätzte nur zwei Komponisten, nämlich Beethoven und sich selbst, wird dieser Musikerpersönlichkeit sicherlich nicht gerecht. Gewiss ist sein eigenes Opus noch zu wenig durchleuchtet und bekannt: Die bislang unveröffentlichte Abendphantasie op. 27 (1926) nach Eichendorffs Text „Komm Trost der Welt“, allein schon von der Besetzung mit Gesang, Viola und Orgel beachtenswert, ist in ihrer vom Monolog zum Terzett sich entwickelnden Stimmführung von tiefer Empfindsamkeit, von weihevoller expressiver Ausdruckskraft und Intensität.

Hans Peter Eisenmann als Herausgeber hat sich mit den vorliegenden Handschriften kritisch auseinander gesetzt, ebenso mit Kempffs majestätisches „Te Deum“ op. 26 (1925) für Chor, Blechbläser, Pauke und Orgel, das der Berliner Domchor im Hochschulsaal zur Uraufführung brachte und das jetzt als Partitur und Stimmenmaterial in der Ed. Walhall greifbar ist.

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