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Mannheim – ein Paradies der Tonkünstler?

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Musikwissenschaftlicher Kongress der Heidelberger Akademie der Wissenschaftenenschaften
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Der Kurfürst machte die Residenzstadt während seiner Regierungszeit zu einem kulturellen Zentrum von europäischem Rang, begründete das Nationaltheater und die Mannheimer Hofkapelle. Die Mannheimer Hofkapelle galt bis zum Umzug des Hofes nach München als das berühmteste und fortschrittlichste Orchester Europas. Konstellationen von kompositorischer Begabung und Virtuosität bei den Mitgliedern der Hofkapelle, Disziplin und Perfektion in den musikalischen Ausführungen (Dynamische Schattierungstechniken, Bogenführung, Artikulation) bilden den immer wiederkehrenden Kanon in den Berichten durch Zeitgenossen und verdeutlichen die doppelte Bedeutung der Mannheimer Hofkapelle. Dabei sind sowohl die Geschichte des Orches-ters im kompositorischen als auch die im sozialgeschichtlichen Bereich des 18. Jahrhunderts noch lange nicht erhellt.

Hier setzt ein Projekt der Heidelberger Forschungsstelle „Mannheimer Hofkapelle“ an. Durch deren Wissenschaftler, Bärbel Pelker (sie hielt den Eröffungsvortrag „Ein Paradies der Tonkünstler?“) und Rüdiger Thomsen-Fürst wurde die Internationale Musikwissenschaftliche Konferenz vorbereite. Fragen nach dem Selbstverständnis von Hofmusikern im aufgeklärten Absolutismus sollten angesprochen, his-torische Klärungsversuche in Bezug auf archivarische und musikalische Quellen angestrebt und philologische und stilistische Probleme in Bezug auf die Stellung der Hofkapelle innerhalb der Musikgeschichte des 18. Jahrhunderts erörtert werden.

Man befasste sich zunächst aus sozialgeschichtlicher (Friedrich Teutsch, Mannheim: zur Lebenssituation der Hofmusiker) und aufführungspraktischer Perspektive mit der Rolle des Hofmusikers im 18. Jahrhundert. So in dem Referat von Emily Gunson (Clackline, Australien), die sich der Bläser-Spieltechnik der Hofkapelle annahm. Unter gattungsgeschichtlichen Aspekten untersuchte Nicole Schwindt (Trossingen) die von Generalbass begleitete Violinsonate. Geistliche Kompositionen für den Mannheimer Hof standen im Zentrum der Vorträge von Rüdiger Thomsen-Fürst (Heidelberg) – er referierte über die Kirchenmusik von Anton Fils – und Silke Leopold (Heidelberg).

Letztere stellte Abbé Voglers „Die Auferstehung Jesu“ in Hinblick auf die katholische Kirchenmusik der Zeit vor. Die am Mannheimer Hofe tätigen Komponisten, zu denen auch Wolfgang Amadeus Mozart gehörte, spielten eine wichtige musikhistorische Rolle in der Entwicklung der Wiener Klassik. Manfred Schmid (Tübingen) untersuchte Mozarts Arie KV 295a: „Er hat sie für Mannheim komponiert, aber ob sie zu Mannheim gehört, darüber mag man streiten.“ Der Oper „als geschmacksbildender Institution“ am Mannheimer Hofe wandte man sich in mehreren Beiträgen zu. So hat Herbert Schneider (Saarbrücken) die Aufführungen französischer Opern in ihrer Übersetzung in Mannheim ergründet. Hermann Jung (Mannheim) schlug mit einem Vortrag über die „Antiken-Rezeption in Mannheim“ am Beispiel von Ignaz Holzbauers (1711–1783) Oper „Der Tod der Dido“ einen direkten Bogen zu der gerade in Schwetzingen aufgeführten Oper jenes Komponisten, der 30 Jahre lang in Mannheim das Amt des Hofkapellmeisters innehatte.

Mit seiner 1779 vorgenommenen Erweiterung von Metastasios Vorlage „Didone abbandonata“ zum deutschen Singspiel durchbrach Holzbauer die Regel, dass auf den Bühnen seiner Zeit keine deutschsprachigen Werke aufgeführt werden durften. Holzbauers deutsches Singspiel wurde 1997 anhand zweier erhaltener Abschriften rekonstruiert und erklang erstmals wieder bei den Schwetzinger Festspielen 1997 in konzertanter Fassung. Als eine Gemeinschaftsproduktion des Mannheimer Nationaltheaters und der Staatlichen Hochschule für Darstellende Kunst Heidelberg-Mannheim führte man den „Tod der Dido“ am 7. November gemeinsam mit dem Melodram „Elektra“ von Christian Cannabich im Rokokotheater des Schwetzinger Schlosses unter der Leitung von Frieder Bernius auf.

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