Musik unserer Zeit sichtbar und hörbar machen

Die Publikationsreihe „Neue Töne“ und weitere Noten-Neuerscheinungen für Flöte


(nmz) -
Der Tonkünstlerverband Bayern offeriert mit drei Bänden seiner Publikationsreihe „Neue Töne“ eine Auswahl neuer und neuester Kompositionen für Flöte und mit Flöte. Angesprochen wurden Komponistinnen und Komponisten, die in Bayern heimisch sind. Ziel und Wunsch der Herausgeber ist, dass die Musik unserer Zeit sichtbar und hörbar als ein fester Bestandteil der zeitgenössischen Kultur wird und bleibt.
Ein Artikel von Gabriele Sebald

Tonkünstlerverband Bayern (Hg.): Neue Töne. Band 1: Musik für Flöte solo.
Verlag Neue Musik, ISMN M-2032-5899-5

Der Sammelband stellt Werke für Flöte solo in unterschiedlichen Formaten, Techniken, Schwierigkeitsgraden vor, auch für Piccolo (Markus Schmitt, Klaus-H. Stahmer) und Altflöte (Wilfried Hiller), von bereits etablierten Komponisten (H. Baumann, Widmar Hader, Thomas Emmerig) wie auch jüngeren (Patrick Pföß, Alexander Strauch, Moritz Eggert). Es spannt sich ein Bogen von der eher konventionellen Verschriftung hin zu komplizierten Schrift- und Klangbildern unter Einbeziehung von Taktwechseln, Spacenotation und verschiedensten Spielweisen. Letztere werden in einer Legende erklärt oder im Werk angemerkt. Jeder Komposition steht eine kleine Einführung voran und am Ende eine kurze Vita der Komponisten. Die Werke richten sich sowohl an interessierte Laien als auch fortgeschrittene Spieler und Professionelle, die Freude am Experimentieren haben. Das Heft ist gebunden und in einem übersichtlichen Layout.

Band 2: Musik für Flöten.
Verlag Neue Musik, ISMN M-2032-5900-8

Im zweiten Band erwarten die neugierigen und experimentierfreudigen Spieler drei Duette von Herbert Baumann („Duettino“), Peter Wittrich („Zwei Märchenszenen“) und Bernd Redmann („Jardines segretos“). In den sieben meist kurzen Sätzen werden Piccolo, Altflöte und Bassflöte mit eingesetzt. Es folgt das Trio „Stundande natten“ für 2 Flöten und Altflöte von Johannes X. Schachtner, von Klaus H. Stahmer „Flutist’s Landscape“ für Flöten-Instrumente und „Mul-Gyeol“ für vier (große) Flöten von Jingyu Jang. Die Notationen sind vorwiegend traditionell. Spielanweisungen für andere Spieltechniken sind entweder in einer Legende oder innerhalb der Komposition angegeben. „Flutist’s Landscape“ von Stahmer ist rein graphisch für vier Flötenspieler notiert. Fast schon gewohnt sind Taktwechsel mit krummen Einheiten oder verschiedene übereinandergeschichtete rhythmische Figuren. Auch in diesem Heft steht vor jeder Komposition eine kurze Einführung zum jeweiligen Werk. Im Anhang gibt es eine Kurzbiografie zu jedem Komponisten. Wenn man sich mit der Materie vertraut macht, ist das eine oder andere Werk für fortgeschrittene Spieler spielbar (Ende Mittelstufe); zum Beispiel auch als Literatur für Wettbewerbe wie Jugend musiziert geeignet.Die Partitur ist geheftet mit vier eingelegten Stimmen.

Band 3: Musik für Flöte(n) & Klavier.
Verlag Neue Musik, ISMN M-2032-5901-5

Fünf Komponistinnen und Komponisten stellen sich hier mit relativ kurzen Werken vor. Diese werden zum besseren Verständnis in einer kleinen Einleitung erklärt. Sie experimentieren mit Klangmöglichkeiten durch andere Techniken sowohl für die Flöte als auch für das Klavier, wechselnden Flötenkombinationen (z.B. Richard Heller: 3 (aus 7) Arabesken für Piccolo/Altflöte + Klavier, Flöte/Altflöte + Klavier, 2 Flöten + Klavier), mit einer kompositorischen Grundidee wie etwa einer starken rhythmischen Struktur (Michael Starke, „Musique mécanique“ für 2 Flöten und Klavier), mit der Entwicklung aus kleinen Bausteinen (Henrik Ajax, „Sparkling Shiverings“ für Flöte und Klavier) oder mit der Vorstellung von Klangflächen (Nina Šenk, „Recitativo et Allegro“ für Flöte und Klavier). Experimentell, lautmalerisch, launisch beschreibt Bettina Höger-Loesch in „Glos und Hoiz“ mit Flöte, Klavier, drei Gläsern (gestimmt), Holz und Säge eine Bahnfahrt in den Bayerischen Wald. Alle Werke fordern den Kopf, das instrumentale Können und die Kommunikation heraus. Die Zielgruppe sind auch die „Könner“ aber auch fortgeschrittene Spieler. Ein jeweils kurzer Lebenslauf der Komponistinnen und Komponisten rundet den Band ab. Alle Stücke sind normal notiert mit den entsprechenden Spielanweisungen zu den Verfremdungen und übersichtlich gedruckt. In die Klavierstimme sind zwei Flötenstimmen eingelegt.

Tilmann Dehnhard: 16 Miniatures for Flute and Piano + CD.
Universal Edition, UE 38040, ISBN 978-3-7024-7612-0

Dehnhard gehört derzeit zu den bekanntesten Flötisten in der Sparte Jazz, der in den vergangenen Jahren etliches publiziert hat. Hier ist ein neues Heft mit Kompositionen, die er selbst als „einfach und schön, kurz und gut“ charakterisiert. Offensichtliche Zielgruppe sind Spieler aus der Laienszene. Einerseits stellt das Schriftbild keine allzu großen Anforderungen, dafür die Interpretation möglicherweise um so mehr. Da ist der charakteristische volle Sound, die rhythmischen und harmonischen Feinheiten, der Groove. Mit Hilfe der beiliegenden CD in Vollversion und Play along mit Bandbegleitung kann man sich in die Musik einhören, sich inspirieren lassen und die Stücke für sich erarbeiten. Wenn der Interpret Glück hat, wird er durch einen guten jazzversierten Klavierspieler unterstützt. Die Klavierstimme ist ausnotiert.

Georg Philipp Telemann: 12 Fantasien für Flöte.
Breitkopf und Härtel, EB 90369, ISMN 979-0-004-18839-2

Die 12 Fantasien gehören heute zum wichtigsten solistischen Repertoire der Flötisten. Der Flötist Barthold Kuijken geht im Vorwort ausführlich der Frage der Autorenschaft Telemanns nach, da diese nicht eindeutig aus den Quellen der einzigen Überlieferung hervorgeht. Die Quelle ist als Faksimile vorab abgedruckt, so dass man die eventuellen Abweichungen im kritischen Bericht nachvollziehen kann. Inhaltlich hervorgehoben werden unter anderem die Charakteristika der Tonarten, die für die einklappige Querflöte sprechen sowie die reichhaltige strukturelle Vielfalt und „wichtigsten formalen Schemata der Instrumentalmusik des 18. Jahrhunderts“, die diese Solostücke so interessant, aber auch anspruchsvoll machen. Kuijken legt den Spielern ans Herz, sich durch den Titel „Fantasien“ nicht zu metrisch freiem Spiel verleiten zu lassen. Schade, dass Kuijken als expliziter Kenner der barocken Praxis und des Traversos nicht mehr Erläuterungen zur Aufführungspraxis gibt, sowohl für die Spieler des Traversos als auch die der Böhm­flöte und den damit verbundenen unterschiedlichen Spielmöglichkeiten. Die Ausgabe ist in einem angenehm großzügigen Druck erstellt, sehr viel angenehmer zu lesen als die Faksimile Originale.

 

Das könnte Sie auch interessieren: