Neue Wege und wunderbare Möglichkeiten

In Chemnitz wurde die 56. tutti pro-Orchesterpatenschaft beurkundet


(nmz) -
Mit einem gemeinsamen Konzert „Viva la Musica“ am 22. Juni 2019 im Opernhaus Chemnitz und einer festlichen Urkundenübergabe wurde die Zusammenarbeit des Jugendsinfonieorchesters der Städtischen Musikschule Chemnitz und der Robert-Schumann-Philharmonie als die bundesweit 56. tutti pro-Orchesterpatenschaft gefeiert. Die Urkunden wurden überreicht durch Martina Feldmann, Vorsitzende des JM-Landesverbands Berlin, durch Petra Nagel für die Deutsche Orchestervereinigung und Mitglied des Gesamtvorstands mdr Sinfonieorchster, und durch Dr. Klaus-Dieter Anders, Mitglied des VdM-Bundesvorstands und Vorsitzender des sächsischen Landesverbands deutscher Musikschulen.
Ein Artikel von Nancy Gibson, Raimund Kunze

Tutti pro-Orchesterpatenschaften bringen Jugendorchester und Berufsorchester zusammen. Die 2004 angestoßene Initiative von JMD, DOV und VdM nimmt junge Menschen in ihrem Können ernst und motiviert sie für das Orchesterspiel. Umgekehrt ist die Begeisterungsfähigkeit und Hingabe der jungen Musiker immer wieder ein Impuls für die Berufsmusiker. „tutti pro“ bedeutet nicht nur „volles Orchester“ sondern auch „voller Einsatz“.

Konzertprojekte wie „Viva la Musica“ in Chemnitz, die aus der gemeinsamen Arbeit entstehen, sind eine wunderbare Möglichkeit für Jugendorchester, sich große Werke zu erobern, die alleine vielleicht nicht zu schaffen wären. Am 22. Juni war es für das Jugendsinfonieorchester, unter der Leitung von Andreas Grohmann, dadurch möglich, große und schwere Ausschnitte aus Humperdincks „Hänsel und Gretel“ mit Chor und Solisten aus der Musikschule, aufzuführen. Das Notenmaterial wurde auch durch die Robert-Schumann-Philharmonie zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus übernahmen Profimusiker Registerproben und arbeiteten mit den Jugendlichen in Workshops.

Die Kooperation des Theaters mit der Städtischen Musikschule Chemnitz besteht bereits seit neun Jahren. Entstanden ist die Idee zu gemeinsamen Projekten während der Verhandlungen für den Haustarifvertrag des Theaters. Ziel war es, die Bedeutung des 99 Planstellen starken Orchesters für die gesamte Stadt Chemnitz herauszustellen. Deshalb wurde ein Schwerpunkt auf den Bereich Pädagogik gelegt, Kooperationspartner wurden verstärkt gesucht. Für die Schülerinnen und Schüler sowie für die Lehrerinnen und Lehrer der Musikschule ist das jährliche „Viva la Musica“ ein Projekt, das immer wieder die Möglichkeit bietet, von den Musikerinnen und Musikern der Robert-Schumann-Philharmonie als Vorbildern zu profitieren. Für die Arbeit in einem professionellen Orchester benötigt man eine hohe Effizienz und eine große Bandbreite an Mitteln, die spieltechnischen Probleme in kurzer Zeit zu bewältigen. Sich das abschauen zu können, ist für die Jugendlichen ein großer Gewinn. Die Musikerinnen und Musiker des Orchesters wiederum erfahren eine Rückbesinnung auf die grundlegenden Werte der Musik, darunter vor allem die Freude an der Musik, die die jungen Menschen geradezu ausstrahlen. Aber auch das Gehen kleiner Schritte zum nächsten Ziel ist wichtig. Denn es sind diese Schritte, die auch Professionellen in der Selbstreflexion veranschaulichen, welchen Weg sie einmal selbst gegangen sind, um mit Geduld immer wieder neue Wege für sich selbst zu entdecken und zu gehen.

Beim Konzert „Viva la Musica“ wurden nicht nur das Sinfonieorchester durch Profimusiker verstärkt, sondern auch die Nachwuchsorchester „Flitzebögen“ (Leitung: Caren Raßbach-Dietze) und „Streichhölzer“ (Leitung: Andreas Winkler) das Jugend Blasorches­ter (Leitung: Fred Adler) sowie ein Schlagzeug-Ensemble (Leitung: Frank Lange) und kleinere Ensembles wie zum Beispiel ein erweitertes Streichquartett. Die „Streichhölzer“ spielten ein für sie geschriebenes Werk „Concertino für Streichorchester, Klavier und Schlaginstrumente“ des Chemnitzer Komponisten und Lehrers der Städtischen Musikschule Thomas Stöß. Pädagogin Sabine Petri kommentierte nach dem Konzert: „Besonders fasziniert hat mich bei diesem Konzert, mit welchem Eifer und Ernst die ‚Streichhölzer‘ mit und neben den Profis gearbeitet haben und wie die Kinderaugen am Ende des Stückes beim wohlverdienten Applaus gestrahlt haben.“

Nicht nur die Musiker waren im Theater durch das Konzert stark im Einsatz, sondern auch die Kollegen der Bühnentechnik. Die Techniker sind natürlich durch den straffen Theater-Spielplan in komplexen technischen Umbauten geübt, aber das schnelle Umbauen von Stück zu Stück mit acht ganz verschiedenen Ensembles war trotzdem eine besondere Herausforderung, die die Kollegen mit einer erstaunlichen Präzision erledigten. Beifall gab es zwischendurch für wirklich atemberaubendes Umbauen!
Die Zusammenarbeit zwischen dem Jugendsinfonieorchester der Städtischen Musikschule Chemnitz und der Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz wird durch die Anerkennung als tutti pro-Orchesterpatenschaft honoriert und bestätigt. Beide Orchester freuten sich über die erhaltene „Tutti-Pro-Taufe“ und freuen sich auf das nächste „Viva la Musica“ im kommenden Jahr.

Nancy Gibson, Leiterin der Städtischen Musikschule Chemnitz
Raimund Kunze, Orchesterdirektor, Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz

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