„Niemand spricht mehr über Beirut“

Die Carl Bechstein Stiftung schickt sechs Flügel und zehn Klaviere in den Libanon


(nmz) -
In den letzten Jahren hat im Libanon eine Krise die nächste gejagt. Wirtschaftlich steht das Land am Abgrund, die Corona-Pandemie verschärfte die Situation zusätzlich und am 4. August 2020 explodierten im Beiruter Hafen 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat; eine Katastrophe, die weit über 200 Menschen getötet und einen Teil der Stadt völlig zerstört hat. Nicht zu vergessen sind auch die inneren Schäden der Bevölkerung: Psychiater und Ärzte berichten vom Anstieg posttraumatischer Belastungsstörungen, Angststörungen und Depressionen.
Ein Artikel von Sarah Lindenmayer

Zu einem Zeitpunkt, an dem das Scheinwerferlicht der medialen Berichterstattung längst weitergezogen ist, hat sich die Carl Bechstein Stiftung entschlossen, dem Beiruter Konservatorium einen C. Bechstein Konzertflügel sowie fünf Stutzflügel und zehn Klaviere der zugehörigen Firma FEURICH mit einem Gesamtwert von 300.000 Euro zu spenden.

Das Konservatorium, das rund 6.000 Kindern und Jugendlichen Musikunterricht ermöglicht, ist zugleich die Heimat des nationalen philharmonischen Orchesters. Nachdem der Standort in Beiruter Hafennähe vollständig zerstört worden war, fehlte es vor allem an Instrumenten. Dank der Vermittlung des österreichischen Botschafters im Libanon Dr. René Amry und des Wiener Vereins „Artists for children“  erreichte den Geschäftsführer von C. Bechstein in Wien, Ernest Bittner, der Hilferuf. Er trug das Anliegen einer Instrumentenspende an die Bechstein Stiftung in Berlin heran.

Die Stiftung habe das Ziel, Kindern und Jugendlichen das Klavierspiel näherzubringen. Da das Konservatorium in Beirut Kinder und Jugendliche unterrichte, habe man sich angesprochen gefühlt, erklärt Gregor Willmes, Vorstand der Carl Bechstein Stiftung. Die gemeinnützige Stiftung, die von der C. Bechstein Pianoforte AG mitgegründet wurde und unterstützt wird, fördert vor allem mit langfristigen Projekten das Klavierspiel auf breiter Ebene und stellt dafür unter anderem Klaviere in Grundschulen bereit. Bis vor kurzem beschränkte man sich mit der Stiftungsarbeit ausschließlich auf Deutschland. Im letzten Jahr wurden bei der Vergabe von Corona-Stipendien erstmalig auch Pianist*innen aus Österreich berücksichtigt. Dass man nun aber so weit ginge, Instrumente bis in den Libanon zu bringen, ist laut Willmes  für die Stiftung komplett neu. Viele Anfragen für ausländische Projekte hat man bei Bechstein in Berlin auch noch nicht bekommen.

Aufgabe der gemeinnützigen Stiftung sei es, bei der Auswahl von Förderprojekten immer danach zu gehen, wo die Aktionen am meisten ausrichten könnten und auch Folgen hätten. Deshalb wollte man in diesem Fall mehr tun, als nur Klaviere nach Beirut zu fliegen. Um die Langlebigkeit der gespendeten Instrumente zu garantieren, wurde ein libanesischer Klaviertechniker nach Wien eingeladen, um sich weiterbilden zu lassen und die Instrumente anschließend in Beirut betreuen zu können. Darüber hinaus flog ein europäischer Fachmann mit nach Beirut, um die Instrumente dort zu warten.

Die so entstandenen Kontakte sollen weiterhin gepflegt werden. Nachdem bereits ein Dankeskonzert von jugendlichen Musikschülern in Beirut stattgefunden hat, wird der libanesische Pianist Abdel Rahman El Bacha am 22. März ein Benefizkonzert im Ehrbar Saal in Wien spielen.

Er selbst besuchte das Konservatorium als Kind und zeigte sich gerührt von dem Engagement der Carl Bechstein Stiftung für seine Heimat.

  • Konzertkarten für den 22. März können unter www.citytixx.com erworben werden. Alle Erlöse gehen an das Konservatorium Beirut.

 

 

 

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