Prepaid für Musik

Das Bundesfinanzministerium gibt eine Sondermarke zu „Jugend musiziert“ heraus


(nmz) -
Wir schreiben das Jahr 1840. Während Karl Marx und Friedrich Engels vielleicht schon heimlich an ersten Entwürfen für das kommunistische Manifest feilen, in Leipzig die 2. Sinfonie von Felix Mendelssohn Bartholdy uraufgeführt wird und die Werke Robert Schumanns als „Neue Musik“ gelten, verzeichnet die Chronik das Erscheinen der ersten Briefmarke der Welt: Die „One Penny Black“, von Sammlern so benannt nach ihrem Wert, wurde ab dem 1. Mai 1840 nach den Vorschlägen von Rowland Hill im Vereinigten Königreich, dem heutigen Großbritannien, herausgegeben.
Ein Artikel von N.N.

Mögen auch E-Mail, Twitter, Facebook und Co. dem klassischen Brief längst ebenbürtige Partner geworden sein, was eine Briefmarke ist, weiß heute jedes Kind. Sie hat trotz aller Konkurrenz durch elektronische Medien weder an Bekanntheit noch an Attraktivität verloren. Spätestens seit zu Beginn des 20. Jahrhunderts Frankiermaschinen aufkamen, wurde den Briefmarken immer wieder ein rasches Ende vorausgesagt. Dennoch bleiben Briefmarken auch heute noch mindestens für Privatpersonen die bequemste Art, Postsendungen freizumachen. Jährlich werden weltweit mehrere Milliarden Marken verbraucht. Der Verbrauch hängt stark von den Zahlungsgewohnheiten der Leute ab: In Ländern wie den USA, wo es üblich ist, die monatlichen Rechnungen durch das Versenden von Schecks zu bezahlen, ist der Verbrauch ungleich höher als in Ländern, in denen die Bezahlung der Rechnungen durch Überweisung üblich ist.

Die Grundidee der Erfindung der Briefmarke war, das Briefporto nicht mehr vom Empfänger einziehen zu lassen, sondern vom Absender. Damit war das erste „Prepaid-System“ geschaffen. Damit wurde der Versand eines Briefes einfacher und die Portokosten sanken, so dass ein Briefwechsel nicht mehr nur reichen Personen vorbehalten war.

124 Jahre nach Erfindung der Briefmarke wurde „Jugend musiziert“ aus der Taufe gehoben. Es ist nicht undenkbar, dass „Jugend musiziert“ eines Tages einen ähnlichen Bekanntheitsgrad erreicht wie die Briefmarke. Die Chronik verzeichnet auch hier immer wieder gezielte Marketingmaßnahmen zur Steigerung des Bekanntheitsgrades beider Produkte und gegenseitigen Nutzen.

1974, der bundesweite Wettbewerb feierte sein 10-jähriges Bestehen, gab die Deutsche Post erstmals eine „Jugend musiziert“-Sondermarke heraus. Insgesamt 60 Pfennig musste man auf dem Postamt für die Marke bezahlen, darin waren 40 Pfennige Porto für einen Standardbrief innerhalb Deutschlands enthalten. Zusätzliche 20 Pfennige flossen der Stiftung Jugendmarke zu, die damit bundesweite, nachhaltige Jugendprojekte aus den Bereichen Forschung und Kultur förderte.

Druck und Zähnung

Die Herstellung von Briefmarken ist seit mehr als 100 Jahren ein traditionelles Tätigkeitsgebiet der Bundesdruckerei. Dort geht es nicht nur um den zu hundert Prozent korrekten Druck, auch auf die sogenannte Zähnung, die Perforation also, um die Briefmarken sauber voneinander zu trennen und die klebende oder selbstklebende Rückseite der Briefmarken richtet sich hier das Augenmerk. Die Gummierung wird rückseitig auf die Briefmarken aufgetragen, damit die Marke durch Anfeuchten der Schicht auf einen Brief geklebt werden kann. Aus technischen Gründen wird die Gummierung heute im Allgemeinen vor dem Druck der Briefmarken auf den leeren Bogen aufgetragen; dies erfolgt im Normalfall maschinell. In der Anfangszeit wurden die Briefmarken dagegen oftmals erst nach dem Druck gummiert. Solange dafür keine Maschinen eingesetzt wurden, geschah dies per Hand mit einem Pinsel. Hauptbestandteile der Gummierung sind heutzutage vor allem Kunststoffe. Zunächst jedoch wurden vor allem tierische Leime verwendet, etwas später auch pflanzliche Stoffe wie Dextrin oder Gummi arabicum.

Es gab auch zahlreiche Bemühungen, den Geschmack der Gummierung zu verbessern. Die Deutsche Bundespost experimentierte mehrfach, beispielsweise in den Jahren 1955 und 1956 sowie Anfang der 1980er mit einer Gummierung mit Pfefferminzgeschmack, später wurde auch die Geschmacksrichtung Waldmeister erprobt. Mittlerweile erfolgt die Gummierung regelmäßig mit einer Mischung, die weniger feuchtigkeitssaugend ist, damit Briefe nicht miteinander verkleben oder das Papier wellig wird.

1988 wurde „Jugend musiziert“ 25 Jahre alt, ein idealer Zeitpunkt, das bundesweit wirksame Marketinginstrument Sondermarke zu aktivieren: Auch hier war die Stiftung Jugendmarke mit im Boot, 40 Pfennige Zuschlag flossen vom Gesamtwert von 1,20 Mark in förderungswürdige Jugendprojekte.

Der Herausgeber von deutschen Postwertzeichen ist das Bundesministerium der Finanzen. Es befugt unter anderem die Bundesdruckerei, Briefmarken herzustellen. In der Bundesdruckerei werden fast alle deutschen und auch zahlreiche ausländische Briefmarken hergestellt. In der Gründungsphase des Vorläufers der heutigen Bundesdruckerei, 1879, produzierten die kaiserlichen Drucker jährlich rund 600 Millionen Freimarken. Heutzutage liefern die hochmodernen Druckmaschinen rund vier Milliarden Wertzeichen pro Jahr. Es wird größter Wert darauf gelegt, dass die nummerierten und perforierten Briefmarken von „makelloser Qualität“ sind. Entdecken die Kontrolleure eine minimale Farbabweichung oder eine Unregelmäßigkeit an den Rändern, so werden diese als „Fehldrucke“ klassifiziert und vernichtet. Da bei dem Briefmarkendruck eine hohe Akribie an den Tag gelegt wird, sind Fehldrucke rar, aber bei Briefmarkensammlern umso begehrter.

Gefragt: dasFinanzministerium

Die heutigen Briefmarken werden nach Weisung des Bundesministeriums der Finanzen hergestellt und an die Deutsche Post AG ausgeliefert. Sollen neue Sondermarken in Umlauf gebracht werden, reagiert das Finanzministerium auf Initiativen von Verbänden und Organisationen, stellt jedoch auch eigene Recherchen zu Jubiläen, besonderen Ereignissen oder Gedenktagen an.
Als der 50. Wettbewerb „Jugend musiziert“ näher rückte, initiierte die Bundesgeschäftsstelle eine Anfrage an das Finanzministerium. Jedes Jahr gehen dort rund 800 bis 1.000 Themenvorschläge aus vielen Bereichen der Gesellschaft ein. Dem stehen rund 50 neue Sonderpostwertzeichen gegenüber, die jährlich in Deutschland erscheinen. Ein Expertengremium, der sogenannte Programmbeirat, erörtert, welche Themen besondere Bedeutung haben. „Jugend musiziert“ mit seiner enormen kulturellen und pädagogischen Breitenwirkung, seiner langen Tradition und der Wertschätzung durch Politik und Öffentlichkeit stand augenblicklich in vorderster Reihe, als der Programmbeirat daran ging, die Vorschläge auf ihre Wertschätzung durch eine Sondermarke abzuklopfen.

Das Gremium empfahl den Wettbewerb „Jugend musiziert“ für das Thema einer Sondermarke. Ein bundesweit ausgeschriebener Wettbewerb zur Gestaltung schloss sich an. In einem zweiten Expertengremium, dem Kunstbeirat, wurden dann die besten Briefmarkenentwürfe ausgewählt. Die Berliner Grafikdesignerin Kitty Kahane gewann den Wettbewerb um die „Jugend musiziert“-Sondermarke. Ihr Entwurf wurde dem Bundesfinanzminister vorgelegt, der den Druck der Sondermarke veranlasste.

Die Sondermarke „50 Jahre Jugend musiziert“, in einer Auflage von 6,4 Millionen Exemplaren, ist ab 1. März 2013 in allen Filialen der Deutschen Post AG erhältlich. Um eine erneute Verwendung der Briefmarke zu unterbinden, wird diese von der Post entwertet. Die häufigste Entwertungsart ist heutzutage der Poststempel. Besondere Formen des Poststempels sind der Sonderstempel und der Ersttagsstempel, die nur zu besonderen Anlässen oder bei der Ausgabe eines neuen Postwertzeichens verwendet werden und meist neben den gewöhnlichen Inschriften ein zum Anlass passendes Motiv besitzen. Die drei deutschen Stempelstellen in Berlin, Bonn und Weiden halten Ersttags- und Sonderstempel bereit. Vier Wochen hat ein Sammler dann Zeit, seine Sondermarken in einem größeren Kuvert an die Stempelstelle zu schicken. Dort werden die eingesandten Kuverts dann ausgepackt, die Briefmarke abgestempelt und an Absender zurück geschickt.

Eine ganz besondere Ehre widerfährt der Sondermarke „Jugend musiziert“ am 4. März: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wird sie im Rahmen einer Feierstunde im Museum für Kommunikation präsentieren, umrahmt von Musik von W.A. Mozart und Erwin Schulhoff, gespielt von einem im Bundeswettbewerb ausgezeichneten „Jugend musiziert“-Streichquartett. Damit ist für „Jugend musiziert“ schon im März „Tag der Briefmarke“, der offiziell und für alle anderen seit 1948 jedes Jahr am letzten Sonntag im Oktober stattfindet. (Quelle: Wikipedia)

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