Reizvolles Repertoire, hohes Genusspotenzial

Noten-Neuerscheinungen für Violoncello aus dem Hause Walhall


(nmz) -
Giovanni Perroni: Konzert Nr. 1 d-Moll für Violoncello Solo, 2 Violinen, Viola & B.C. Herausgegeben von Markus Möllenbeck.+++ Luigi Boccherini: Introduktion und Fandango für Cello und Klavier. Arrangiert von Dietmar Berger +++ Giuseppe Clemente Dall’Abaco: 35 Sonaten für Violoncello und Basso continuo. Ediert von Elinor Frey
Ein Artikel von Louisa Kaltenbach

Giovanni Perroni: Konzert Nr. 1 d-Moll für Violoncello Solo, 2 Violinen, Viola & B.C. Herausgegeben von Markus Möllenbeck. Partitur. Walhall EW 1056; ISMN 979-0-50265-056-8

Es ist wahrscheinlich, dass Giovanni Perronis Cellokonzert das wohl älteste Werk dieser Gattung ist. Am 1. Februar 1712 wurde das Konzert des 23-jährigen Perronis in der Frari-Kirche in Venedig uraufgeführt. Selten ist das Entstehungsdatum eines barocken Solokonzerts so klar festgehalten. Dies ist der Tatsache zu verdanken, dass es neben zwei weiteren Werken eine Auftragskomposition für die gewaltige Feier zu Ehren des neu gekrönten kulturaffinen Habsburger-Kaisers Karl VI. war. Der monumentale Raum der Frari-Kirche ließ ein für damalige Verhältnisse groß besetztes Streichorches­ter mit Basso Continuo von an die 40 Musiker*innen zu. Das gut zehnminütige Konzert ist in vier Sätze gegliedert. Die beiden überwiegend schnellen Außensätze rahmen den Zweiten, der ein kantables Grave ist und Raum für eigene stilgerechte Verzierungen lässt, und den wie eine ausgeschriebene Kadenz daherkommenden Dritten ein. Durch das überschaubare Tonmaterial, das bis zum a1 reicht, und seine Kürze eignet sich das Konzert auch für Celloschüler*innen der fortgeschrittenen Mittelstufe. Wie bei der Reihe der Edition Walhall „Il Violoncello concertato“ üblich, liegen die Partitur, ein Klavierauszug und ein Stimmenset im Urtext und getrennt voneinander vor.

Luigi Boccherini: Introduktion und Fandango für Cello und Klavier. Arrangiert von Dietmar Berger. Walhall EW 1130; ISMN 979-0-50265-130-5

Der Fandango hat einen ungebändigten leidenschaftlichen Charakter, der auf Variationen über ein immer wiederkehrendes Bassschema beruht und einen ausdrucksstarken Tanz hervorruft. So darf der berühmte letzte Satz aus Luigi Boccherinis „Fandango“-Quintett in der „Danzas“-Reihe der Edition Walhall, die spanische und lateinamerikanische Tanzmusik vorstellt, nicht fehlen. Der italienische Cellist und Komponist Luigi Boccherini verbrachte die Hälfte seines Lebens in Madrid, wo er wohl auch die Inspiration zu diesem Stück fand. Nun legt der Kölner Cellist Dietmar Berger ein Arrangement des letzten Quintettsatzes für Violoncello und Klavier vor und versieht die Ausgabe auf der ersten Seite selbst mit einer anschaulichen Zeichnung einer Fandango-Tänzerin mit Musikern. Da auch in Boccherinis Original für Streichquartett mit Gitarre – dem wohl am ehesten mit Spanien assoziierten Instrument – das Cello virtuos gefordert wird, trifft die Instrumentenauswahl sich gut. Das Arrangement bietet unter anderem durch die leicht gehaltene Klavierstimme praktisches Material für den Cellounterricht, wo es eine gute Übung für die Daumenlage darstellen könnte. Die Cellostimme ist mit Fingersätzen und Strichen versehen. Im Vorwort wird die mögliche Verwendung von Kastagnetten erwähnt, doch anders als in der Cellostimme des Quintetts wird im Verlauf des Arrangements kein konkreter Platz für diese gelassen.

Giuseppe Clemente Dall’Abaco: 35 Sonaten für Violoncello und Basso continuo. Ediert von Elinor Frey. Walhall EW 1141, 1147, 1154, 1160, 1164

In der Walhall-Reihe „Il Violoncello Solo“ des Barockcellisten Markus Möllenbeck hat seine Kanadische Kollegin Elinor Frey nun die 35 Cellosonaten von Giuseppe Dall’Abaco ediert. Die Sonaten sind auf fünf Bände verteilt und reihen sich mit der Nummerierung ABV (Abaco Werkeverzeichnis) 12–46 hinter den in den letzten Jahren stetig an Beliebtheit gewinnenden 11 Capricci für Violoncello solo ein. Wie auch die Capricci sind die Sonaten im galanten Stil, basierend auf schlichten Harmonien und von plötzlichen Affektwechseln geprägt, gehalten. Eingängige fast volkstümliche Melodien sorgen für Genusspotenzial. Manche Sätze sind mit Instrumentenvergleichen wie „La Sampogna“, „A modo di Arciliuto“, „A modo di Viola da gamba“, „A modo di Organo“ überschrieben. Der technische Anspruch der Sonaten steigert sich von Band eins zu Band zwei, indem beispielweise bordunartige Doppelgriffe in die Daumenlage wandern und virtuos das Spiel auf dem gesamten Griffbrett gefordert wird. Neben zeitweise ausgeprägten Reisen in Eu­ropa waren Dall’Abacos Lebenszentren Bonn, wo er als Hofcellist tätig war, das Gebiet um Verona, wo er sich bis ins hohe Alter von 95 Jahren niederließ, und München, wo sein Vater als Kapellmeister eine enge Verbindung zum Kurfürsten Maximilian II. Emanuel hatte. Vermutlich entstanden die Sonaten zwischen 1730 und 1760 auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Cellist und Komponist. Band 3–5 sind bereits käuflich erhältlich, während die ersten beiden Bände im Laufe des Jahres erscheinen werden.

 

 

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