Vermeintlich Unvereinbares vereinen

Meinrad Schmitt in der Reihe „Komponisten in Bayern“


(nmz) -
Schon die ersten Seiten der Biographie von Gabriele Puffer über das in der Wasserburger Familie Schmitt gepflegte Puppentheater sind so gut geschrieben, dass man einfach weiterlesen muss. Die Einsamkeit beim Orgelüben auf der Empore im katholischen Internat hilft dem jungen Meinrad über die „geistige Gettosituation“ hinweg, gefüttert mit Notenpost des Bruders aus München: Strawinsky, Mussorgsky und ganz besonders Messiaen sprengen den Rahmen der Kirchentonarten. Nach einem Schulmusikstudium kommt Schmitt in die Kompositionsklasse von Harald Genzmer und führt parallel ein Lehrerdasein. Später folgen ein Privatstudium bei Mark Lothar und ab 1974 schließlich die Musiktheorieprofessur in München.
Ein Artikel von Martin Bürkl

Meinrad Schmitt vereint konsequent meist als gegensätzliche Pole verstandene Musikwelten: Nicht nur die Instrumentierung springt ins Auge – wie beim „Duo für Harfe und Schlagzeug“ – sondern insbesondere die Nicht- Trennung von Laien- und Neuer Musik.

Vor seiner Kinderoper „Lapislazuli“ (2014) arbeitete Schmitt 30 Jahre lang aufopferungsvoll mit Kindern und Jugendlichen am Pegasus-Theater in den Landkreisen Aichach-Friedberg und Neuburg-Schrobenhausen. Von ihm stammen eigene Textbearbeitungen, eigene Kompositionen für gemischte Orchester aus Laien und Profis, eine akkurate Regie und Dramaturgie. Im Interview mit Franzpeter Messmer sagt Schmitt dazu: „Die Herausforderungen an den Komponisten steigen in dem Maße, wie sich der instrumentale Schwierigkeitsgrad absenken muss. Wenn man sich nicht mit Backe- backe-Kuchen-Niveau begnügen will, muss mehr Potenzial an Fantasie und Energie mobilisiert werden als für ein vergleichbares Projekt mit einer Profibesetzung. Ich habe ein Credo an mich: Für Kinder ist das Beste gut genug.“

„Meistens existiert Neue Musik in Gettokonzerten. Ich meine damit Veranstaltungen, wo die lebenden Zunftgenossen unter sich sind. Ich sehe es leider nicht viel positiver“, vertritt Schmitt vehement seine Motivation, Musik auch dezidiert für außerhalb des Elfenbeinturms zu schreiben. So beschreibt Gabriele Puffer in einem Aufsatz, wie Schmitt zu Beginn seiner Orchesterwerke die Hörer „an die Hand nimmt“, Atonales nicht überfallartig setzt, sondern Spannungen langsam etabliert. Peter Wittrich analysiert in seinem Beitrag eingehend die Metrik und schillernde Harmonik Schmitts – unter anderem anhand eines Liedzyklus’ für Bariton und permanent umzustimmende Harfe nach Texten von Emily Dickinson.

Seine Unterrichtstätigkeiten vom Schullehrer über Lehraufträge bis zur Professur machten Meinrad Schmitt finanziell unabhängig. „Ich konnte auf Darmstadt und Donaueschingen verzichten, konnte damit leben, von bestimmten Verlagen ignoriert zu werden. Ich gehöre nicht zum Establishment zeitgenössischer Musik. Mit der Situation, Einzelgänger zu sein, bin ich bisher durchaus zurechtgekommen.“

Und auch mit dem, was dabei herauskam, ist er in der Rückschau zu diesem Band im Reinen: „Ich habe mir jetzt, wie gesagt, Verschiedenes angehört und kann sagen: Ich stehe dazu!“

Buch-Tipp
Theresa Henkel und Franzpeter Messmer (Hrsg.): Komponisten in Bayern, Band 59: Meinrad Schmitt München 2015, Allitera-Verlag ISBN 978-3-86906-830-5

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