„Welche Bedeutung hat Musik für unser Leben?“

Interview mit dem Pianisten und Podcaster Markus Kreul


(nmz) -
Der Pianist Markus Kreul gibt Konzerte als Solist, Kammermusiker und Liedbegleiter in Europa, Kanada und USA, ist Klavierdozent und mehrfacher Preisträger internationaler Wettbewerbe. Durch die Pandemie hat er jedoch ein weiteres Talent entdeckt: Kreul ist jetzt auch Podcaster. Am 29. April 2021 wurde die erste Folge von „Die Kraft der Musik“ veröffentlicht. Wie er es geschafft hat, auch ohne Konzerte der Liebe zur Musik Ausdruck zu verleihen, erzählt er im Interview.
Ein Artikel von Melanie Schnirpel

neue musikzeitung: Herr Kreul, wie kam Ihnen die Idee zum Podcast?
Markus Kreul: Das Thema „Die Kraft der Musik“ fasziniert mich zeitlebens, nur fehlte immer die Zeit, mich intensiv damit zu beschäftigen. Dann kam der Lockdown. Es war nun existenziell, mir die Fragen zu stellen:  Warum ist mir Musik immer noch so wichtig und welche Bedeutung hat Musik für unser Leben? Anstatt wie andere vor Verzweiflung das Haus zu renovieren, reifte in mir die Idee zum Podcast.
nmz: Welche Entwicklung hat der Pod­cast von der ersten Folge bis zur heutigen Version gemacht?
Kreul: Je länger ich daran arbeite, des­to mehr Facetten des Themas tun sich auf. Es begann ja Lockdown-bedingt mit einem Solo-Podcast, in dem ich über die Bedeutung von Musik in meinem Leben nachdenke und Klavierwerke vorstelle, die mich lange begleiten und magisch anziehen. In der zweiten Staffel war es mir wichtig, mich zurückzunehmen und Menschen zu treffen, in deren Leben Musik eine besondere Rolle spielt.
nmz: Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Interview-Partner aus?
Kreul: Es geht mir darum, möglichst viele Facetten und Wirkungsweisen von Musik zu besprechen. Die wunderbare Mezzosopranistin Okka von der Damerau als international tätige Bühnenkünstlerin, der Organist und Cembalist Peter Kofler, der mit seinen Improvisationen im Gottesdienst und der musikalischen Gestaltung der Liturgie die Menschen im Alltag unmittelbar erreicht, Sonja und Marina Umari - Frau und Tochter des 2003 verstorbenen Ingenieurs und Musikers Egidio Umari – und Prof. Dr. Susanne Metzner, die als Musiktherapeutin Praxis, Forschung und Lehre miteinander verbindet.
nmz: Wie hat der Podcast Ihre Sicht auf Musik und Ihren Zugang zu Musik verändert?
Kreul: Mir ist noch bewusster geworden, dass Musik in allen Lebensbereichen wirkt, dass das Erleben im Konzertsaal nicht die höchste Stufe ist, sondern nur eine Facette. Das hilft mir, meine eigenen Konzerte mehr in einem Kontext zu sehen, und das tut gut.
nmz: Sie haben in unseren Vorgesprächen das Künstlerhaus erwähnt. Welche Rolle spielt das Künstlerhaus, beziehungsweise die Programmdirektorin Jennifer Ruhland bei diesem Projekt?
Kreul: Das Münchner Künstlerhaus öffnete 1900 seine Türen als Begegnungsort der Künstlerinnen und Künstler mit der Gesellschaft. Jennifer Ruhland, die gemeinsam mit Birgit Gottschalk das Künstlerhaus leitet, und ich hatten unabhängig voneinander die Idee, den Podcast in ein Live-Format zu führen. Und so werde ich ab Herbst 2022 im Herzen der Stadt, im Festsaal des Künstlerhauses, an vier Abenden leidenschaftliche Musikerinnen und Musiker, aber auch prominente Persönlichkeiten treffen, deren Leben durch Musik geprägt wird. Wir werden auch gemeinsam Musik machen und das Publikum wird die Möglichkeit erhalten, an den Gesprächen aktiv teilzunehmen. Diese Verbundenheit und Nähe finde ich gerade nach zwei Jahren Corona unglaublich wichtig. Und es ist wahnsinnig schön, dass das Künstlerhaus mir als Musiker vertraut, ein solches Format stemmen zu können.

Interview: Melanie Schnirpel

 

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