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Alle Artikel kategorisiert unter »Gordon Kampe«

Hespos!

01.03.13 (Gordon Kampe) -
Ende der neunziger Jahre fuhren wir Riesenrad auf dem Rostocker Weihnachtsmarkt und hatten dabei einen herrlichen Blick aufs Kröpeliner Tor und das Musikhochschulprovisorium. Dort hätte ich eigentlich Unterricht haben sollen, aber mein Lehrer verlegte ihn lieber in luftig-rotierende Höhen und sagte: „So müssen Sie komponieren!“ „Wie?“ „Na – so!“ Oder wir flanierten an der Warnow entlang: „So müssen Sie komponieren!“ „Wie?“ „Na – so!“

Die Krise ist vorbei

04.02.13 (Gordon Kampe) -
Der Legende nach empfahl Luigi Nono Wolfgang Rihm dereinst, einmal die Krise zu bekommen. Künstlerische Krisen zu haben, zu pflegen oder über Bewältigungsstrategien zu berichten hat Tradition und ist irgendwie auch ein bisschen schick. Sie lassen sich aber kaum selbst herbeiführen. Was tun ohne gescheite Krise? Um in der Gegenwart zu Entscheidungen zu kommen, muss es wohl eine Nummer kleiner gehen. Ich schlage daher die Einführung des fröhlichen Zweifelns als Krisenkriegensubstitut vor.

Cluster 2012/12 - 2

03.12.12 (Gordon Kampe) -
„Tolle Stadt, super Essen, schönes Wetter, riesengroßes Atelier, Putzhilfe und gelegentliche Schickimicki-Treffen bei Fackelschein, ein Jahr lang monatlich Drölfeinhalbtausend Euro steuerfrei, somit erst einmal Ruhe vor lästigen Nebenjobs. Außerdem bin ich ein supertoller Hecht, viel superer als die anderen Hechte. Gruß.“ Ich verwette einen stattlichen Anteil meines Gesäßes darauf, dass das die wesentlichen Gründe für einen Musiker/Komponisten und ähnliches sind, sich um ein Stipendium zu bemühen. Warum denn auch nicht? Manche von uns leben gerne im Diesseits.

Ratlos

31.10.12 (Gordon Kampe) -
Mein erstes Geld verdiente ich als Klarinettist im Musikkorps der Freiwilligen Feuerwehr an Volkstrauertagen. Es gab 1,50 Mark pro „Ich hatte einen Kameraden“-Strophe. Höre ich in einem Konzert mit Neuer Musik Anklänge an Märsche, mag mich das zwar irritieren, aber ich freue mich auch und genieße das Uffze-Uffze-Gefühl im Bauch. Über solch heimliche Freude bin ich nun stinksauer:

Cluster 2012/10-2

02.10.12 (Gordon Kampe) -
„Er hat die Kohlrabi nicht gewogen!“ „Kein Stückpreis?“ – „Nein. Er drückt bitte sehr die 334 auf der Waage.“ Jedesmal fährt die pure Angst in mein Nervenkostüm, wenn die kolossale Dame mit dem Dutt an der Kasse sitzt, mit mir in der dritten Person zu parlieren beliebt und sich ihr phänomenales, ringsum die Hüllkurve mit einem leichten Glissando versehenes „Kohlrabi-R“ frullatoartig in meinen Gehörgang fräst. Überdies richtet sie den aus blondem Granit bestehenden Dutt drohend auf mich, als sei er eine Waffe. Der Dutt ragt dabei wie eine randlose Insel zentral aus dem Kopf hervor und ist offensichtlich mit dem Stammhirn verbunden. Die Dutt-Dame brachte mich auf zwei Dinge und ich danke ihr sehr dafür:

Wackeln

30.08.12 (Gordon Kampe) -
Wackelzähne müssen raus. Ein Föhn mit Wackelkontakt gehört ebenso aussortiert wie Wackelkandidaten, Wackeldackel oder verwackelte Fotos (es sei denn, sie hängen im Museum). Wackelpudding ist okay, aber auf Dauer keine Lösung.

Cluster 2012/07 - I

02.07.12 (Gordon Kampe) -
Sie kennen das: Leute, die so bedeutungsschwanger durch die Welt wandeln, dass ihnen der um die Mundwinkel tief ins Fleisch eingegrabene „Passus duriusculus“ noch das kleinste Lächeln zur Qual werden lässt. K. ist da ganz anders, denn während seiner Verhaftung überlegt er noch, den Wärtern direkt ins Gesicht zu lachen – in der Hoffnung, sein Lachen könne ansteckend wirken, damit er doch noch freigelassen würde.

Cluster 2012/05 - 1

28.04.12 (Gordon Kampe) -
Unter dem Stichwort „Kunst am Bau“ sagt die Wikipedia, dass etwa ein Prozent der Baukosten bei öffentlichen Bauten für Kunstwerke zu verwenden sind. Das gefällt mir. Wenn es gut geht und der Bau auch Kunst ist, dann klebt also Kunst an und in der Kunst. Das gefällt mir formal noch viel besser. Manchmal steht Kunst ja auch so in der Stadt herum und lädt zu irgendwas ein – zum Verweilen etwa, zum Nachdenken, zum Besprayen oder zum sich drüber Ärgern. In dieser Tradition steht auch das Dings, auf dessen Existenz mich ein Freund hinwies: In Bahnhofsnähe, direkt an einer U-Bahn-Rolltreppe gelegen, wurde ein solches Dings in den Boden versenkt. Es besteht aus neun kleinen kupfernen Quadraten, und wenn man auf eines tritt, macht es bing.

Cluster 2012/04 - 1

11.04.12 (Gordon Kampe) -
„Potztausend!“, entfuhr es mir, als ich jüngst am Friseursalon CUT:JA vorüberflanierte. Ein heikler Fall für die Wortspielpolizei, ganz ähnlich wie Hairzblut oder, dem Essener Museum Folkwang schräg gegenüber: Kopfarbeit. Auf einer vorbildlich sinnentleerten Website fand ich dutzende weitere Beispiele – darunter auch: Haarakiri. Dies veranlasste mich, mal wieder über Haare nachzudenken.

Cluster 2012/02 - 2

08.02.12 (Gordon Kampe) -
Bei mir um die Ecke gibt es eine großartige Imbissbude. Das halbe Hähnchen ist stets perfekt und sogar die Pommes haben in einer knallharten Evaluation vier von fünf möglichen Fritten zugesprochen bekommen. Über der Spüle hängen Bilder aus der guten alten Zeit, als Rot Weiß Essen noch 7:0 gegen Borussia Mönchengladbach gewinnen konnte. Darüber prangt ein großes Schild mit einem Schriftzug, der mir mich bei jedem Wursterwerb kurz leise seufzen lässt: Kulturhauptstadt 2010. Ich miesgelaunte Unke hatte immer gedacht, dass das nichts wird. Dass die ganze Kohle für die After-Event-Lachshäppchen draufgeht, dass das nur ein windiger Marketinggag ist. Und nun das. Angekommen beim Volk, bei den „Ruhris“, wie wir uns jetzt nennen sollen. (Wer es wagt, mich einen „Ruhri“ zu nennen, kriegt übrigens ein’ auffe Omme.)
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