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Alle Artikel kategorisiert unter »Gordon Kampe«

Uncool

03.06.13 (Gordon Kampe) -
Gerade schnürte ich mir die neuen und für meine Verhältnisse extrem lässigen Sneaker vor meinem Rechner zu, da startete unversehens ein YouTube-Video, das ich nie gesucht hätte. Peter Sloterdijk spricht über Design bei Rudolf Steiner. Er sagt: „Coolness will mit Lebens- und Weltverbesserung nichts zu tun haben. Sobald ein Weltverbesserer den Raum betritt, geht ein Anhänger der Coolness hinaus. Instinktiv – er sieht schon am Schal, dass da was nicht stimmt …“

Linke Hände

07.05.13 (Gordon Kampe) -
Kürzlich, nach einem Konzert mit neuer Musik, fühlte ich mich ganz rechtwinklig. Schuld daran waren weniger die Kompositionen, als vielmehr der Dirigent: Keine Atomuhr hätte präziser sein können! Bewunderungswürdig, wie der Maestro zunächst thielemannesk die Einsen in leichter Rückenlage von unten ins Ensemble hieb, dabei den Weltenlauf beinahe anhaltend, um nach metallisch federndem Absprung auch die zweite Zählzeit zu erwürgen, die im vorgeschriebenen Vierertakt ohnehin zu schwächeln beliebte. (Da das durchschnittliche Grundtempo neuer Musik-Konzerte bei BPM 56-72 liegt, konnte ich problemlos herrlichste Bewegungsstudien durchführen.)

Das Donnerstags-Bing

28.03.13 (Gordon Kampe) -
Jeden Donnerstag gegen halb elf zeigt mir ein „Bing“ akustisch den Eingang eines Newsletter mit Stellenausschreibungen an. Obwohl ich mein Profil recht genau bestimmen kann, freue ich mich immer wieder über den optimistischen Algorithmus, der mir die tollsten Dinge zutraut – etwa eine halbe Barockfagott-Professur in Bad Knorr-zach. Doch so manche Anzeige lese ich als böse Satire auf den Wert, den der heimatliche Forschungsstandort den Geisteswissenschaften beimisst.

Hespos!

01.03.13 (Gordon Kampe) -
Ende der neunziger Jahre fuhren wir Riesenrad auf dem Rostocker Weihnachtsmarkt und hatten dabei einen herrlichen Blick aufs Kröpeliner Tor und das Musikhochschulprovisorium. Dort hätte ich eigentlich Unterricht haben sollen, aber mein Lehrer verlegte ihn lieber in luftig-rotierende Höhen und sagte: „So müssen Sie komponieren!“ „Wie?“ „Na – so!“ Oder wir flanierten an der Warnow entlang: „So müssen Sie komponieren!“ „Wie?“ „Na – so!“

Die Krise ist vorbei

04.02.13 (Gordon Kampe) -
Der Legende nach empfahl Luigi Nono Wolfgang Rihm dereinst, einmal die Krise zu bekommen. Künstlerische Krisen zu haben, zu pflegen oder über Bewältigungsstrategien zu berichten hat Tradition und ist irgendwie auch ein bisschen schick. Sie lassen sich aber kaum selbst herbeiführen. Was tun ohne gescheite Krise? Um in der Gegenwart zu Entscheidungen zu kommen, muss es wohl eine Nummer kleiner gehen. Ich schlage daher die Einführung des fröhlichen Zweifelns als Krisenkriegensubstitut vor.

Cluster 2012/12 - 2

03.12.12 (Gordon Kampe) -
„Tolle Stadt, super Essen, schönes Wetter, riesengroßes Atelier, Putzhilfe und gelegentliche Schickimicki-Treffen bei Fackelschein, ein Jahr lang monatlich Drölfeinhalbtausend Euro steuerfrei, somit erst einmal Ruhe vor lästigen Nebenjobs. Außerdem bin ich ein supertoller Hecht, viel superer als die anderen Hechte. Gruß.“ Ich verwette einen stattlichen Anteil meines Gesäßes darauf, dass das die wesentlichen Gründe für einen Musiker/Komponisten und ähnliches sind, sich um ein Stipendium zu bemühen. Warum denn auch nicht? Manche von uns leben gerne im Diesseits.

Ratlos

31.10.12 (Gordon Kampe) -
Mein erstes Geld verdiente ich als Klarinettist im Musikkorps der Freiwilligen Feuerwehr an Volkstrauertagen. Es gab 1,50 Mark pro „Ich hatte einen Kameraden“-Strophe. Höre ich in einem Konzert mit Neuer Musik Anklänge an Märsche, mag mich das zwar irritieren, aber ich freue mich auch und genieße das Uffze-Uffze-Gefühl im Bauch. Über solch heimliche Freude bin ich nun stinksauer:

Cluster 2012/10-2

02.10.12 (Gordon Kampe) -
„Er hat die Kohlrabi nicht gewogen!“ „Kein Stückpreis?“ – „Nein. Er drückt bitte sehr die 334 auf der Waage.“ Jedesmal fährt die pure Angst in mein Nervenkostüm, wenn die kolossale Dame mit dem Dutt an der Kasse sitzt, mit mir in der dritten Person zu parlieren beliebt und sich ihr phänomenales, ringsum die Hüllkurve mit einem leichten Glissando versehenes „Kohlrabi-R“ frullatoartig in meinen Gehörgang fräst. Überdies richtet sie den aus blondem Granit bestehenden Dutt drohend auf mich, als sei er eine Waffe. Der Dutt ragt dabei wie eine randlose Insel zentral aus dem Kopf hervor und ist offensichtlich mit dem Stammhirn verbunden. Die Dutt-Dame brachte mich auf zwei Dinge und ich danke ihr sehr dafür:

Wackeln

30.08.12 (Gordon Kampe) -
Wackelzähne müssen raus. Ein Föhn mit Wackelkontakt gehört ebenso aussortiert wie Wackelkandidaten, Wackeldackel oder verwackelte Fotos (es sei denn, sie hängen im Museum). Wackelpudding ist okay, aber auf Dauer keine Lösung.

Cluster 2012/07 - I

02.07.12 (Gordon Kampe) -
Sie kennen das: Leute, die so bedeutungsschwanger durch die Welt wandeln, dass ihnen der um die Mundwinkel tief ins Fleisch eingegrabene „Passus duriusculus“ noch das kleinste Lächeln zur Qual werden lässt. K. ist da ganz anders, denn während seiner Verhaftung überlegt er noch, den Wärtern direkt ins Gesicht zu lachen – in der Hoffnung, sein Lachen könne ansteckend wirken, damit er doch noch freigelassen würde.
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