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Alle Artikel kategorisiert unter »Uwe Schweikert«

Glaubensbekenntnis und Theaterlust

17.05.17 (Uwe Schweikert) -
Anders als seine Zeitgenossen war Claudio Monteverdi niemals gänzlich vergessen. Dennoch ist es gerade einmal vierzig Jahre her, dass sein Name kometengleich am Musikhimmel aufging. Initialzündung war die Inszenierung des „Orfeo“, zu der sich der Regisseur Jean-Pierre Ponnelle und der Dirigent Nikolaus Harnoncourt 1975 in Zürich zusammenfanden. Viele Werke Monteverdis – einige der Madrigalbücher durch Raymond Leppard oder der Opern durch Harnoncourt selbst – lagen bereits als Schallplatteneinspielungen vor. Dennoch war es erst diese spektakuläre Bühnenaufführung, die 1977 ihre Fortsetzung mit „Il ritorno d‘Ulisse in patria“ und „L‘incoronazione di Poppea“ fand, die die eigentliche Wiederentdeckung des bis dahin nur in Spezialistenkreisen bekannten Komponisten anstieß.

Reizvoll verquere Archaik

01.04.01 (Uwe Schweikert) -

Das abgelaufene Bach-Jahr 2000 hat zwar den Plattenmarkt wie selten ein Jubiläumsjahr zuvor überschwemmt. Aber was da vollmundig in vollständige und nicht so vollständige Editionen abgefüllt wurde, waren meist Wiederveröffentlichungen. Spektakuläre Neuaufnahmen hat es kaum gegeben. Gardiners Kantaten-Tour verlief diskografisch enttäuschend. Ton Koopman und Masaako Suziki ziehen mit der Zähigkeit von Langstreckenläufern ihre Runden der Kantatengesamtaufnahme, mal hat der eine, mal der andere interpretationsmäßig die Nase vorn. Am überraschendsten und spektaku-lärsten war für mich die Wiederkehr des Steinway: Murray Perahias „Goldberg-Variationen“ und Angela Hewitts Gesamteinspielung des „Wohltemperierten Klaviers“ lassen die Vorurteile selbst des hartnäckigsten Cembalo-Fundamentalisten dahinschwinden.

Die etwas andere Art, Bach zu ehren

01.10.00 (Uwe Schweikert) -

nmz 2000/10 | Seite 35
49. Jahrgang | Oktober

Musikalischer Irrgarten

01.02.00 (Uwe Schweikert) -

Der aus Gent gebürtige Franko-Flame Alexander Agricola (1446–1506) war als Sänger und Komponist so begehrt, dass sich mehrere europäische Höfe um seine Dienste rissen. Als er 1491 ohne Urlaub nach Florenz reiste, schickte ihm der französische König einen Boten hinterher, der ihm die Heimkehr befahl. Die Musikgeschichte hat die Werke des „göttlichen Alexander“, wie ein Zeitgenosse ihn titulierte, schnell vergessen, sodass sie selbst unter Spezialisten kaum bekannt und auf  Tonträgern – mit Ausnahme einer längst vergriffenen CD des Ferrara-Ensembles, die 1990 bei BMG erschien – nicht greifbar sind. Agricolas weltliche Chansons stellen die letzte Blüte des burgundischen Stils dar, während seine Messen und Motetten in ihrer Neigung zur Exzentrik die Ausgewogenheit eines Josquin Desprez vermissen lassen. Gerade die unruhige Launenhaftigkeit, die gegenüber dem avancierteren Josquin gewiss rückwärts gewandte Bizarrerie des Klangs aber ist es, die heute an Agricola fasziniert. Zwei gleichzeitig erschienene, höchst gegensätzliche Einspielungen belegen dies neu erwachte Interesse. Der österreichische Flötist Michael Posch hat mit seinem Ensemble Unicorn ausschließlich weltliche Chansons aufgenommen, der belgische Musikwissenschaftler und Dirigent Paul van Nevel mit seinem Huelgas Ensemble dagegen eine Auswahl geistlicher wie weltlicher Werke vorgelegt, die einen Überblick über das schmale, aber qualitätvolle und originelle Schaffen Agricolas erlauben. Nevel ist von den beiden zudem der nervösere, der wagemutigere Interpret, was der quecksilbrigen, erfindungsreichen, manchmal wie improvisiert wirkenden Musik entschieden zugute kommt. Dies gilt insbesondere für die hier so bezeichnete „Missa Guazzabuglio“, die „Mischmasch“-Messe, eine Kompilation Nevels aus fünf verschiedenen Messen Agricolas. Am nachhaltigsten in Erinnerung bleiben freilich das komplexe „Salve regina“ sowie die im Stil seines Lehrers Ockeghem geschriebenen Chansons: sonore, expressive, vielfach geradezu süffige Lieder, die unmittelbar berühren. Zahlreiche Chansons Agricolas sind ohne Text überliefert . Posch hat sich, wie schon seinerzeit Crawford Young mit seinem Ferrara-Ensemble, für eine rein instrumentale Wiedergabe entschieden, wie sie die Quellen nahe legen. Nevel optiert auf gewiss spekulative, aber doch überzeugende Weise für eine textierte, gesungene Wiedergabe, die seinen exzellenten Vokalisten einiges vom Schwersten abfordert, was die Musik um 1500 technisch zu bieten hat. Vom Repertoire her ergänzen sich die beiden CDs. (Angaben rechts!)

Utopische Fugenkunst

01.09.98 (Uwe Schweikert) -
Johann Sebastian Bach: Die Kunst der Fuge, BWV 1080 (Keller Quartett) · ECM New Series 1652, 457 849-2 (Vertrieb: Polygram)
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