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Offener Brief gegen die Schließung des Masterstudiengangs Sound Studies and Sonic Arts an der UdK Berlin

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Offener Brief gegen die Schließung des Masterstudiengangs Sound Studies and Sonic Arts an der UdK Berlin

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Innerhalb von sechs Tagen haben über 3.700 Menschen einen Protestbrief gegen die Schließung des Masterstudiengangs Sound Studies and Sonic Arts an der Berliner Universität der Künste unterzeichnet. 
Namhafte Klangkünstler:innen und Hochschullehrende sind unter den Unterstützenden dieses Protests gegen die Auflösung eines erfolgreichen und international anerkannten Studiengangs.
 
Offener Brief gegen die Schließung des Masterstudiengangs Sound Studies and Sonic Arts an der UdK Berlin
Am 13. Januar 2026 gab die UdK Berlin die Schließung aller Masterstudiengänge am Zentralinstitut für Weiterbildung und Transfer (ZIWT) bekannt. Durch einen sofortigen Zulassungsstopp für das akademische Jahr 2026 wurde die Auflösung des MA Sound Studies and Sonic Arts eingeleitet. Die Folgen könnten dramatischer nicht sein:

Damit verliert die UdK Berlin als größte Kunstuniversität Europas mit ihrem Anspruch, mit über 70 Studiengängen das gesamte Spektrum der Künste abzudecken, nicht nur eine ganze Disziplin. Damit verliert auch die Stadt Berlin, weltweit bekannt als Zentrum der Klangkunst und experimentellen elektronischen Musik, ihren einzigen Studiengang auf Hochschulniveau in diesem Bereich! Dies geschieht in einer Zeit, in der die UdK mit erheblichen Budgetkürzungen zu kämpfen hat. Als Grund für die Schließung des Studiengangs wurde jedoch die Anpassung der Hochschulstrukturen an das geänderte Berliner Hochschulgesetz angeführt. 

Berlin gehört zu den weltweit wichtigsten Standorten für Klangkunst und experimentelle elektronische Musik: Seit den 1980er Jahren hat sich in der Stadt eine lebendige und einzigartige Szene entwickelt, mit herausragenden internationalen Ausstellungen und Festivals wie etwa Für Augen und Ohren (1980), Inventionen (1982-2010), Sonambiente Festival (1996, 2006, 2021), Singuhr (1996-heute) und CTM Festival (1999-heute). Das Programm Sound Studies and Sonic Arts führt diese prägende historische Entwicklung nicht nur bis in die Gegenwart fort, sondern bietet auf einzigartige Weise eine zukunftsorientierte Ausbildung mit internationaler Anziehungskraft in diesem Bereich an.

Der Masterstudiengang besteht seit nunmehr zwanzig Jahren als Ort der künstlerischen Forschung, des theoretischen Diskurses, innovativer Pädagogik und des internationalen Austauschs. Sein akademisches Profil zeichnet sich aus durch ein Team von Kern- und Gastdozenten, zu denen führende internationale Persönlichkeiten zählen (siehe Unterzeichner). Die aktuelle Kohorte von 63 Studierenden erlernt die Vielfalt der medienbasierten Klangkünste sowie ein breites Spektrum an wissenschaftlichen Forschungs- und Theoriekonzepten von Sound Studies, Kunst- und Musikgeschichte über Medienästhetik, Theorien des Hörens, (Psycho- und Raum-)Akustik bis zur Audiotechnologie. Aktive Studierende und Absolvent*innen sind mit ihren Arbeiten bei der Venedig Biennale, der documenta, der Ars Electronica, Mutek, dem Hamburger Bahnhof, der Berlinale, der Deutschen Oper, der Berliner Philharmonie, Atonal, Berghain, bei Deutschlandradio Kultur und BBC Radio vertreten. Einmal aufgelöst, kann diese gewachsene Struktur der Wissensvermittlung und der Etablierung künstlerischer Exzellenz nicht wiederhergestellt werden!

Die Ausbildungsqualität des Studiengangs, seine progressive künstlerische und wissenschaftliche Ausrichtung und sein internationaler Ruf stehen in krassem Gegensatz zu den angegebenen Gründen für seine Schließung. Weder Anpassungen der Universitätsstrukturen noch finanzielle Kürzungen rechtfertigen die Schließung einer unersetzlichen Bildungsressource wie Sound Studies and Sonic Arts. Die UdK Berlin ist Teil eines größeren kulturellen Ökosystems; als Kunstuniversität trägt sie Verantwortung für die Kontinuität und Verlässlichkeit der von ihr beherbergten Kunstbereiche und Wissensbestände. Die vorliegende Entscheidung wurde ohne vorherige Konsultation oder Evaluation getroffen, ohne dass Studierende oder Mitarbeitende in einen Austausch über die Entwicklung möglicher Zukunftsperspektiven einbezogen wurden.

Wir können diese Schließung nicht akzeptieren. Stattdessen fordern wir ein zukunftsweisendes institutionelles Modell für die Klangkünste an dieser Universität. Wir appellieren an die UdK Berlin, ihrer Verantwortung als Akteurin im kulturellen Ökosystem dieser Stadt und darüber hinaus gerecht zu werden!

 
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