Der Komponist Richard Wagner war ein Antisemit. Bis heute ist sein Werk in Israel besonders umstritten. Eine Sonderausstellung zeigt jetzt jüdische Perspektiven auf den Musiker.
Die Richard-Wagner-Stätten in Graupa bei Dresden widmen sich ab Freitag einem schwierigen Kapitel im Leben des Komponisten: seinem Antisemitismus. Unter dem Titel «Tabu Wagner? Jüdische Perspektiven» sollen vor allem um jüdische Positionen zu Wagner aus den vergangenen 200 Jahren herausgestellt werden, teilte der Veranstalter mit. Die deutsch-schweizerische Sonderausstellung wurde zuvor im Wagner Museum Luzern gezeigt und ist in Graupa bis 17. Januar 2027 zu sehen.
Die Sonderausstellung stehe exemplarisch für den Anspruch des Jahres der jüdischen Kultur: jüdische Kultur und Geschichte und offen und dialogorientiert sichtbar zu machen, betonte die sächsische Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU). Sie will die Schau eröffnen und zog zugleich ein Fazit zu den bisherigen Veranstaltungen. «Drei Monate nach der feierlichen Eröffnung übertrifft das Jahr der jüdischen Kultur alle Erwartungen.» Etwa 180 Veranstaltungen haben bereits stattgefunden, die Veranstalter rechnen mit rund 1.000 binnen Jahresfrist.
Schwieriges Verhältnis von Wagner zum Judentum
«Kaum ein Thema ist wohl so umfangreich erforscht, aber auch derart umstritten wie Wagners Verhältnis zum Judentum», hieß es in der Einladung zur Schau. Dementsprechend würden regelmäßig Schriften von renommierten Forschungsinstitutionen zu diesem Thema publiziert. Dabei liege das Hauptaugenmerk in der Regel auf dem Leben und Werk Wagners. In der Sonderausstellung werde sein Antisemitismus aber aus einem neuen Blickwinkel betrachtet.
Ausstellung will Debatte um das «Tabu Wagner» anregen
«Die Ausstellung will keine Antworten geben, sondern zum Dialog und zu einer sachlichen Debatte um das 'Tabu Wagner' anregen: Wie wirkte und wirkt Wagner auf Jüdinnen und Juden? Wie gingen und gehen diese mit seinem Antisemitismus um? Ist sein Werk deshalb ein Tabu?», erklärten die Wagner-Stätten Graupa. Neben der Sonderschau lädt zudem die interaktive Dauerausstellung «Wagner in Sachsen» dazu ein, sich auf die Spuren des Komponisten zu begeben.
Antisemitismus Nachwirkung von Wagners Pariser Jahren
Experten gehen davon aus, dass Wagners Judenfeindschaft eine Nachwirkung seiner Pariser Zeit von 1839 bis 1841 war. «Der stark von Juden geprägte Pariser Kunstbetrieb, in dem er nicht reüssierte, die Demütigung durch ständige Misserfolge, die Konkurrenz zu Meyerbeer, die Verquickung eines tiefsitzenden Neidkomplexes mit frisch angelesener Ideologie, zumal dem von antijüdischen Akzenten nicht freien Gedankengut des französischen Frühsozialismus - all dies erklärt zu einem guten Teil die aufkeimende Abneigung Wagners gegen alles Jüdische», heißt es in einem Aufsatz von Dieter Borchmeyer, den die Bundeszentrale für politische Bildung auf ihrer Website veröffentlicht hat.
Wagner komponierte in Graupa Teile seiner Oper «Lohengrin»
Die Richard-Wagner-Stätten Graupa gelten als weltweit älteste museal genutzte Wohnstätte des Komponisten. Im Schäferschen Gut, dem heutigen Lohengrinhaus, verbrachte er 1846 seinen Sommerurlaub und schuf die musikalischen Skizzen zu seiner Oper «Lohengrin». Wagner war seinerzeit Hofkapellmeister in Dresden. Museumsgäste erhalten hier einen Einblick in die Lebensweise der Menschen vor fast 180 Jahren. Im benachbarten Jagdschloss Graupa gibt es seit 2013 eine Dauerausstellung zu Wagner.