Deutscher Musikrat gegen CITES-Genehmigungspflicht beim Bogenhandel


22.11.22 -
Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora 2022: Der Deutscher Musikrat fordert Bundesumweltministerin Steffi Lemke und Kulturstaatsministerin Claudia Roth auf, sich gegen die CITES-Genehmigungspflicht beim Bogenhandel und -transport zu positionieren.
22.11.2022 - Von PM-DMR, KIZ

CITES 2022: Deutscher Musikrat fordert Umweltministerin und Kulturstaatsministerin auf, sich gegen CITES-Genehmigungspflicht beim Bogenhandel und -transport zu positionieren

Bei der noch bis 25. November 2022 laufenden Konferenz von CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) in Panama wird auf Vorschlag Brasiliens eine Aufnahme des für den Bogenbau essenziellen Fernambukholzes in den Appendix I des Washingtoner Artenschutzabkommens diskutiert. Eine Aufnahme hätte gravierende negative Auswirkungen auf den internationalen Handel und den Transport von Instrumentenbögen.

Hierzu Prof. Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrates: „Der Deutsche Musikrat fordert Bundesumweltministerin Steffi Lemke auf, bei der derzeit laufenden CITES-Konferenz in Panama für die Bundesregierung eine CITES-Genehmigungsfreiheit für den Handel wie den länderübergreifenden Transport von Streichinstrumentenbögen einzufordern und dafür den Schulterschluss mit unseren europäischen Nachbarn, wie zum Beispiel Frankreich, zu nutzen. Für diese Position bitten wir auch Kulturstaatsministerin Claudia Roth um Unterstützung.
Fernambukholz ist beim Bogenbau durch keinen anderen Werkstoff – auch nicht durch Carbon – zu ersetzen. Sollte sich diese Genehmigungsfreiheit nicht durchsetzen lassen, stehen das Jahrhunderte alte Bogenmacherhandwerk vor dem Aus und der internationale Kulturaustausch mit freiberuflichen Musikerinnen und Musiker wie der Orchester vor einer gravierenden Einschränkung. Musiker*innen werden nicht das Risiko eingehen, bei Konzertreisen die Konfiszierung ihrer Bögen durch den Zoll befürchten zu müssen, wenn sie für diese – etwa aufgrund fehlender Informationen zu den in den Bögen verbauten Materialien – keine Genehmigung beantragen können. Die UNESCO-Konventionen zur Kulturellen Vielfalt wie zum Welterbe würden durch die drohenden Einschränkungen ebenfalls verletzt werden. In unserer Zeit multipler Krisen sind die kulturellen und zwischenmenschlichen Begegnungen bedeutsamer denn je. Das Schaffen der Musizierenden im Amateur- und im Profibereich wie auch im Instrumentenhandwerk bilden dafür die Basis, die durch die angedachten Verbote bzw. Einschränkungen keine Gefährdungen erfahren dürfen.“

Der Deutsche Musikrat hat in einer Pressemitteilung vom 05. Oktober 2022 bereits betont, dass für die Verwendung des Fernambukholzes, das ausschließlich in Brasilien wächst und seit 250 Jahren ein grundlegender Rohstoff für den Bogenbau darstellt, eine nachhaltige Lösung gefunden werden muss. So muss zum Beispiel auch der massiven Abholzung in den Regenwäldern Brasiliens mit allen verfügbaren außenpolitischen und zivilgesellschaftlichen Kräften Einhalt geboten werden.

Berlin, 22. November 2022

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