Was Dirigent Kent Nagano von Avantgarde-Musiker Frank Zappa lernte


28.09.21 -
Hamburg - Was haben die isländische Pop-Künstlerin Björk, Musiker Frank Zappa, Dirigent Leonard Bernstein und Komponist Pierre Boulez gemeinsam? Sie alle gehören zu den wichtigen Persönlichkeiten, die den amerikanischen Dirigenten Kent Nagano geprägt haben. In seinem ersten Buch «Erwarten Sie Wunder!» hält Kent Nagano ein leidenschaftliches Plädoyer für die klassische Musik. Nun erzählt der Dirigent von prägenden, persönlichen Begegnungen: «10 Lessons of my Life».
28.09.2021 - Von Carola Große-Wilde, dpa, KIZ

In seinem neuen Buch «10 Lessons of my Life», das am 30. September im Berlin Verlag erscheint, erinnert sich Nagano an diese Menschen, «die mich in Verblüffung und Staunen versetzten, die mir Bewunderung abverlangten und es noch immer tun, die mir allerdings auch etwas beigebracht haben, auf das ich mich bis heute beziehe - nicht nur in meiner Arbeit als Musiker, sondern weit darüber hinaus».

«10 Lessons of my Life», geschrieben mit der Journalistin Inge Kloepfer, gibt einen tiefen Einblick in die Persönlichkeit des Dirigenten Nagano und die Menschen, die ihn auf seinem Weg zu einem der wichtigsten Dirigenten unserer Zeit begleiteten. In seiner ersten Lektion berichtet Nagano, seit 2015 Generalmusikdirektor und Chefdirigent der Hamburgischen Staatsoper, von seiner Begegnung mit der amerikanischen Opern-Dirigentin Sarah Caldwell (1924-2006).

Nagano, 1951 im kalifornischen Berkeley geboren, war gerade dabei, sich seine «ersten Meriten in der Musikwelt zu verdienen». Für 59 Dollar in der Woche arbeitete er mit 25 Jahren als Assistent von Caldwell und lernte dort schon sehr früh, was es bedeutet, sein Leben der Kunst zu widmen: «Das Leben als Künstler verlangte eine niemals versiegende Energie - das war das Erste, was ich von Sarah lernte und an das ich mich bis heute mehr als lebhaft erinnere.»

Einer seiner wichtigsten Lehrer wurde der Dirigent und Komponist Leonard Bernstein (1918-1990). Mit 34 Jahren begegnete Nagano ihm zum ersten Mal und der erste Unterricht «wurde zu einer der aufregendsten und ungewöhnlichsten Unterrichtseinheiten, die ich je in meinem Leben bekommen habe». Von ihm habe er gelernt, «die richtigen Fragen zur richtigen Zeit zu stellen».

Auch von anderen berühmten Persönlichkeiten der Musikgeschichte ließ Nagano sich beeinflussen: Allen voran der französische Komponist Olivier Messiaen (1908-1992) und seine Frau Yvonne Loriod, die ihn 1982 nach Paris einluden und bei denen er ein Jahr lang wohnte und von denen er das französische «Joie de Vivre» lernte. Heute gilt Nagano als einer der wichtigsten Interpreten von dessen Werken.

Ein anderer war der französische Komponist und Dirigent Pierre Boulez (1925-2016). «Seine Suche nach dem Neuen in der Kunst, nach Komponisten, die in der Lage waren, die musikalische Sprache weiterzuentwickeln oder gar zu revolutionieren, und natürlich seine eigenen Werke - all das hat maßgeblich dazu beigetragen, dass ich mich bis heute mit Faszination auf zeitgenössische Musik einlasse und unaufhörlich Werke in Auftrag gebe», schreibt Nagano.

Weitere Inspirationen erhielt Nagano, der am 22. November seinen 70. Geburtstag feiert, unter anderem von Avantgarde-Musiker Frank Zappa (1940-1993), der eigentlich nicht Rockmusiker, sondern Komponist werden wollte. Ihm zu Liebe besuchte Nagano «sein erstes und vorerst auch sein letztes Rockkonzert» und spielte 1982 mit dem London Symphony Orchestra zwei Alben mit seiner Musik ein. Von ihm lernte er, «dass wahre Künstler kompromisslos sind und nicht taktieren».

Zu einer bemerkenswerten Zusammenarbeit kam es auch mit der isländischen Pop-Künstlerin Björk, deren außergewöhnliche Stimme Nagano zufällig in einem MTV-Videoclip im Flugzeug gehört hatte.

 

Kent Nagano/Inge Kloepfer: 10 Lessons of my Life

€ 22,00 [D], € 22,70 [A]
Erscheint am 30.09.2021
Berlin Verlag, 208 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
EAN 978-3-8270-1447-4

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