Rund um die Semesterenden werde ich zum Gutachterautomaten für meine Studierenden. Ein Stipendium hier, ein Wettbewerb dort. Die Zeiten für die Kunst sind schwierig, aber die Zeiten für Kunstförderverwaltung sind rosig. Also schreibe ich. Ich mache das gern und wenn es klappt, freue ich mich. Natürlich sind all jene Fördermaßnahmen für junge Leute. Die sehen besser aus und verkaufen sich besser. Und „jung“ klingt als Wort einfach gut. Es endet mit diesem leicht nasal-fröhlich-verwegenen „ng“, herrlich! „Alt“ hingegen... unbrauchbar.
Gordon Kampe. Foto: privat
Logan’s Run
Ein langweiliger Konsonant am Ende, womöglich auch noch verspuckt... Ich denke, ein Komponist:innenleben wird in „M“ gemessen, das entspricht einem Mozartleben. 1 M = 35 Jahre. Dass manche von uns mittlerweile sogar 1,5 M, sogar 2 M (und siehe Kurtág: fast 3 M) alt werden, das ist in den Förderstrukturen außerhalb einer Professur (puh!) leider nicht vorgesehen. Es gibt da diesen Sci-Fi-Film aus meinem Geburtsjahr: Logan’s Run – kennen Sie? Phantastisch! Bis zum 30. Lebensjahr leben alle super, dann blinkt so ein Chip in der Hand und man wird in einem Ritual abgeknallt – es sei denn, man entkommt. (Professur und Nadelöhr zum Beispiel... – ich spreche also wirklich nicht von mir!) – Spaß beiseite... Ich habe meinen ersten „bezahlten“ Kompositionsauftrag mit 33 oder 34 bekommen. 350 Euro waren das. Und deshalb mache ich jetzt auch noch keinen Platz, ich fange gerade erst an. Karrieren laufen nun einmal kreuz und quer und quer und krumm und sind so unterschiedlich, wie wir nun mal sind... Zurecht wird mittlerweile auf alle möglichen Identitätsmerkmale geachtet – nur alt werden sollte man lieber nicht.
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