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Bedingungsloses Grundprekariat

30.06.20 (Martin Hufner) -
Zeiten sind das. Wurstwaren, Flugzeuge, Konzertsäle. Der Kulturkompass scheint unter dem Eindruck von Hepa-Filtern, Kühlanlagen, Lebensbedingungen und Arbeitsverträgen verrückt zu spielen. Eine ungeheure Energie wird darauf verwandt, Dinge zu vergleichen, die irgendwie zusammengehören sollen, aber nicht zusammenpassen. Bei der Reise in die nächste Zukunft droht ein Rückfall in ein bedingungsloses Grundprekariat.

Der „War-wohl-nix-o-meter“

30.06.20 (Gordon Kampe) -
Experimentierphasen, Workshops, Labore: überall findet man solche Formate im Bereich zeitgenössischer Musik und suggeriert damit: Ärmel hochkrempeln, hier geschieht Erstaunliches, Neues, Unerhörtes – und es ist okay, wenn ihr scheitert! Es braucht ja „Möglichkeitsräume“, in denen Scheitern dazugehört!

Kommission zur Ermittlung des Volksgefühls

18.06.20 (Martin Hufner) -
Alle zwei Jahre geht es um die Berechnung des Rundfunkbeitrags. Steigt er oder fällt er? Wenn ja, wie viel und falls überhaupt und sowieso. Der öffentliche Rundfunk wird ja über diesen Beitrag zu seinem wesentlichen Teil finanziert. Damit soll er unabhängig von Politik und anderen fremden Interessen die Bedürfnisse an Information, Bildung, Kultur und Unterhaltung befriedigen. Damit dieser Beitrag nicht willkürlich festgelegt wird, ermittelt ihn eine Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten, kurz: KEF. Muss man dann nur noch machen. So einfach könnte es sein. Leider ist es das aber nicht.

Relevant

01.06.20 (Gordon Kampe) -
Angenommen, ich hätte ein kurioses Hobby – etwa die Zucht nepalesischer Zierfische – es interessierte vermutlich nur Gleichgesinnte. Um von der Wichtigkeit meines Tuns zu künden, würde ich behaupten, dass die Zucht von „gesellschaftlicher Relevanz“ zeuge. Mir schwant, dass alles, was derzeit unter einem gefühlten Aufmerksamkeitsdefizit leidet, glaubt, sich mit der Vokabel von der „gesellschaftlichen Relevanz“ für die eigene Existenz rechtfertigen zu müssen. Man suche in der Online-Ausgabe dieser Zeitung – schwupps: Treffer bis der Arzt kommt.

Umsonst ist einfach zu billig

05.05.20 (Martin Hufner) -
Viele Musikerinnen und Musikern können aktuell nicht in gewohnter Weise auftreten. Vor Publikum, bei Veranstaltungen mit Eintritt für die sie einmal engagiert wurden. Macht ja nix. Man kann ja auch aus den Wohnzimmern streamen, was das Equipment so hergibt. So als Dank vielleicht? Für was denn? Für wen denn?

Geschenke

08.04.20 (Gordon Kampe) -
Als ich noch Organist war, gar nicht so lang her, beschwerten sich insbesondere Hochzeitsgesellschaften darüber, dass Zusatzwünsche extra zu bezahlen sind. Drei Choräle, Einzug und Auszug: das ist inklusive. Ein Ave Maria – es will ja „geprobt“ werden – kostet ein paar Taler. Alle Kolleginnen und Kollegen kennen die folgenden Standardfloskeln: von „Hobby zum Beruf gemacht“, über „dauert doch nur drei Minuten“ bis „was machen sie tagsüber?“. Musik ist meine Arbeit. Und Arbeit wird, sollte nicht übermorgen Revolution sein, bezahlt.

Prioritäten

28.03.20 (Martin Hufner) -
Bis vor einem Monat machte im Internet das Schlagwort, beziehungsweise internetisch, der Hashtag #TrendwendeKlassik die Runde. Es hatte den Anschein, als könnte man an so vielen Stellen einem Aufblühen der klassischen Musikszene beim Wachsen zusehen. Auslastungen von Theatern, Initiativen im Konzertbereich, alles sah nach glücklichem Wachstum aus. Man las: „#TrendwendeKlassik ermög­licht durch Boom der #Musikvermittlung“ oder „Ermutigende Umfrage: knapp die Hälfte der Menschen in Deutschland ‚hört gerne Klassik‘“. Und dann dreht ein Virus den gesamten Trend innerhalb von wenigen Tagen um. Nicht nur hier, sondern weltweit.

Seifenhiebe – Lach‘, Mann

28.02.20 (Martin Hufner) -
Seit mehreren Tagen, Wochen, Monaten und Jahren fällt es noch schwerer, sich mit Musik zu beschäftigen, wo die Trauer über den Umgang von Menschen mit anderen Menschen laufend zunimmt. Kann man sich da noch ernsthaft über Probleme des Musik- und Kulturlebens, über Kontrapunkt und Qualitätssicherung im Musikunterricht unterhalten? Ich denke: Ja. Denn die Kraft der Musik, die Kraft der Kunst erhöht die Fähigkeit der kritischen Selbst- und Fremdwahrnehmung. Und sie kann einem materielos auch jene Glücksmomente schenken, ohne die ein Leben grau bliebe. Deswegen hier eine kuriose kleine Geschichte, die Karl Friedrich Wilhelm Wander (1803–1879) in seinem Sprichwörterlexikon eingesammelt hat:

Guten Tag!

28.02.20 (Gordon Kampe) -
Neulich, in der Pause eines angesagten Nerd-Festivals im Südwesten der Republik, lief mir eine Großkritikerin über den Weg. Ich mümmelte an einer Brezel und wagte das Unfassbare – ich sagte: „Guten Tag, Frau...“ Sie schaute irritiert auf meine Brezel, erwiderte „Ja“ – und entschwand wichtig. Mir wollte die Entgegnung „Ja“ auf die Grußformel „Guten Tag“ nicht sofort einleuchten, aber immerhin: Es war die erste Silbe Aufmerksamkeit ever und ich bleibe optimistisch.

Blumen

19.02.20 (Gordon Kampe) -
„Vielen Dank, für die Blumen. Vielen Dank, wie lieb von Dir!“ Haben Sie jetzt auch den Udo Jürgens-Superhit im Ohr? Dann sind Sie jetzt bester Laune. Wir müssen nämlich, Sie ahnen es, über Blumen reden. Wenn Sie Musikerin oder Musiker sind, dann kennen Sie das: Nach dem Konzert bekommen Sie Blumen (vulgo: Jubelgemüse) geschenkt und wissen dann im Hotel nicht, wohin damit.
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