Hauptbild
Seite 36 der nmz 26/11.

Seite 36 der nmz 26/11.

Hauptrubrik
Banner Full-Size

Nomen, Omen, Schall und Wahn

Untertitel
Uraufführungen 11/26
Vorspann / Teaser

Seit den ersten Kammersinfonien von Schönberg, Schreker, Strawinsky‚ Webern, Milhaud und anderen, lebt neue Musik maßgeblich von individuellen Besetzungen wie Schönbergs „Pierrot lunaire“ oder Varèses „Hyperprism“ und „Octandre“. Die meisten Werke entstehen für beliebige Trios, Quartette, Sextette und bis zu zwanzigköpfige Solistenensembles. Zwei der bedeutendsten Formationen betonten ihre Zuständigkeit für Musik der Gegenwart im Namen „Intercontemporain“ und „Modern“.

Publikationsdatum
Paragraphs
Text

Da die Begrifflichkeiten für Zeitgenossenschaft beschränkt sind, nennen sich viele der vom Musikinformationszentrum MIZ hierzulande verzeichneten 185 Ensembles für neue Musik schlicht nach Besetzung, Herkunft oder irgendetwas mit Klang, Schall, Hören. Technoid geben sich „Adapter“, „Decoder“, „Glasotronic“, „electronic ID“, „Megaphon“, „Transmitter“, energetisch „Stromorchester“, „Schwelbrand“, oder material „Schweres Wasser“, „Bonecrusher“, „Zinc & Copper“. Manche Ensembles betonen das Machen, Herstellen, Forschen, Tüfteln: „Musikfabrik“, „Garage“, „Recherche“, „Maulwerker“, „hand werk“, „sprechbohrer“, „Fabrik Quartett“, „MAM:manufaktur für aktuelle musik“. Ähnliche Namen haben die rund hundert großen internationalen und kleinen lokalen Festivals für neue Musik kreuz und quer durch die Republik. Auffallend wenige akzentuieren Laborieren, Experimentieren, Basteln und Bauen. Die meisten versprechen schlicht Musik und Neuheit. Klang und Werkstatt bringt einzig die „Klangwerkstatt Berlin“ zusammen. Die 35. Ausgabe des Festivals präsentiert vom 6. bis 15. November dreizehn Konzerte im Kunstquartier Bethanien und der Thomas Kirche am Mariannenplatz in Berlin-Kreuzberg sowie Uraufführungen von Irini Amargianaki. Rainer Rubbert, Maja Bosnić, Jessie Marino, Manuel Rodríguez Valenzuela und Wei-Chieh Lin.

Das seit 2011 bestehende Festival NOW! der Philharmonie Essen legt seinen Schwerpunkt diesmal auf „Trans­zendenz“. Der Eröffnung am 30. Oktober mit Karlheinz Stockhausens rituellem „Inori“ folgen bis zum 7. November Uraufführungen von Georgia Koumará, Stephan Winkler, Simon Bahr, Jonty Harrison, Franck Bedrossian und Peter Rubel. Die 23. Biennale Aktuelle Musik der pgnm Bremen widmet sich vom 6. bis 8. November unter dem Motto „instant musik“ verschiedenen Formen von Improvisation, Konzeption und Notation sowie der Uraufführung von Lina Bonafinis „I am not here 2“. Die 39. Ausgabe von Wien Modern bietet vom 30. Oktober bis 30. November sagenhafte 79 Uraufführungen und 28 österreichische Erstaufführungen, insgesamt 72 Produktionen in 159 Veranstaltungen, zudem 8 Ausstellungen und Installationen, 37 Rahmenveranstaltungen, Talks und Workshops, mit Beteiligung von 197 Komponist:innen und Improvisator:innen an 31 Spielstätten in 15 Gemeindebezirken. Die Aufzählung dieser Quantitäten wirkt so erdrückend, dass man reflexartig wünscht, die Qualität des Gebotenen möge leichter wiegen, um alles verkraften zu können. Doch die Geschichte lehrt, dass es Masse braucht, um Klasse hervorzubringen.

Weitere Uraufführungen:

  • 01.11.: Nikolaus Brass, Sieben letzte Lieder für Bariton, Viola und Klavier, Saal der Europäischen Wochen Passau; Karl Gottfried Brunotte, serach für elektronisch transformierte Computer-Orgel, Gemeindehaus Friedrichsdorf am Taunus
  • 05.11.: Lera Auerbach, Streichquartett Nr. 11, Konzerthaus Dortmund; Philippe Manoury, Oracle für Violine und Orchester, Liederhalle Stuttgart
  • 06.11.: Bernd Richard Deutsch, Parcours für Schlagzeug und Orchester, hr-Sendesaal Frankfurt a.M.
  • 14.11.: James Reynolds, Die Mitternachtstür – Fantasy-Oper in 4 Akten nach dem Buch von Dave Eggers, Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf
  • 15.11.: Chaya Czernowin, Reopen für 24-stimmigen Chor und Gitarrenquartett, weit! Weingarten
  • 18.11.: David Philip Hefti, Shifting Ground – Atmosphären für Tonhalle-Orchester Zürich
  • 28.11.: Anno Schreier, Cosa Nostra, Staatstheater Nürnberg
  • 29.11.: Sara Abazari, neues Orchesterwerk, Zeiss-Großplanetarium Berlin
Print-Rubriken
Unterrubrik