Weggefährten und Experten sprechen wichtige und lobende Worte über den Betreffenden, dazwischen gibt es Konzertausschnitte aus der Konserve – so schauen Musikerporträts als Dokumentarfilm allzu oft aus. Das in Brüssel lebende Regie- und Filmemacher-Duo Guillaume Maupin und Pablo Guarise hat das bei „The Magic City – Birmingham according to Sun Ra“ völlig anders gemacht.
According to Sun Ra
Die beiden ergründen den Menschen und Künstler Sun Ra beziehungsweise Herman Poole Blount, wie er bürgerlich hieß, aus seinen Ursprüngen heraus, aus den prägenden ersten 31 Lebensjahren in seiner Heimatstadt Birmingham in Alabama. So wurde es ein Doppelporträt: Zunächst eines der Stadt Birmingham, die eine wichtige Rolle in der Bürgerrechtsbewegung spielte und ein klassisches Beispiel für den Aufstieg und Fall der kleineren, nicht zuletzt durch die Rassentrennung definierten amerikanischen Industriestädte ist. Im Licht dieser Stadtgeschichte erklärt sich, wie aus dem bildungs- und erleuchtungs-, ja erlösungshungrigen Musiker Herman Poole Blount der Afrofuturismus-Guru Sun Ra wurde. Vier Jahre investierten die beiden in das Projekt, waren immer wieder monatelang in den USA, um Vertrauen zu Bewohnern, Weggefährten und Verwandten aufzubauen. Gedreht wurde nicht digital, sondern klassisch auf 16-Milimeter-Film mit entsprechend präziser Planung. Die zum Teil nicht mehr vorhandenen Schauplätze von Blounts Leben (oder völlig heruntergekommene wie der einst prächtige Theatersaal, in dem er das Duke Ellington Orchestra sah) werden begangen, nachgestellt, teilweise mit Überblendungen neu imaginiert. Die Menschen, die von ihm erzählen, machen das stets in einem authentischen, wohlkomponierten Setting. So ist „The Magic City“ kein klassischer Musik- oder Musikerfilm, sondern ein außergewöhnlich bildstarkes, poetisches Kunstwerk eigenen Ranges geworden.
- The Magic City – Birmingham According to Sun Ra, Regie: Guillaume Maupin und Pablo Guarise, Belgien 2025, 100 Minuten
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