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Miles Davis 100

Untertitel
Eine film­musikalische Fußnote
Vorspann / Teaser

Eine ikonische Szene des europäischen Kinos der fünfziger Jahre: Jeanne Moreau irrt im nächtlichen Paris umher. Und dazu erklingen die sanften, gedämpften Trompetentöne von Miles Davis. Die perfekte Verbindung von „Sound & Vision“, die das französische Kino von nun an prägen sollte. „Ascenseur pour l’échafaud“ (dt. Titel: „Fahrstuhl zum Schafott“) gilt als Link zwischen den französischen Film Noirs und der Nouvelle Vague. Und der Soundtrack dazu gehört zu den einflussreichsten Werken der europäischen Filmmusikgeschichte.

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Als Miles Davis 1957 wieder mal in Paris gastierte, schlug Jean-Paul Rappeneau, der damalige Assistent des Filmregisseurs Louis Malle, vor, den Jazzmusiker für die Filmmusik zu engagieren. Ein paar Wochen vorher hatte das Modern Jazz Quartet bereits den Score zu Roger Vadims „Sait-on jamais“ geliefert. Warum nicht auch Miles Davis fragen. Und er stimmte zu. Man zeigte ihm kurz nach seiner Ankunft in Paris den Film und Davis machte sich Skizzen dazu. Als er Anfang Dezember 1957 mit seinen Mitmusikern Barney Wilen, René Urtreger, Pierre Michelot und Kenny Clarke ins Studio ging, war er gut vorbereitet. Davis’ minimale Themen ließen den Musikern maximalen Raum zur Gestaltung des Scores. 

Die Filmmusik wurde „live“ zu den Szenen des Film eingespielt. Dominiert wurde der Score von Davis’ gedämpfter Trompete und dem kongenialen Zusammenspiel des Bassisten Michelot mit dem Schlagzeuger Clarke. Beide nutzten den musikalischen Spielraum, den ihnen Davis verschafft hatte, sehr einfühlsam, ganz im Sinne des Films. Und so entstand ein ikonischer Soundtrack, der als Blueprint gilt für das „Jazzkino“ jener Jahre, als sich Jazzer wie Chet Baker, Charles Mingus, Thelonious Monk, Art Blakey oder Martial Solal in den Filmstudios die Klinke in die Hand gaben. Louis Malle sollte sich nach seinem Debütfilm zu einem der wichtigsten Regisseure der Nouvelle Vague entwickeln.

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