In der Nacht zum 23. Dezember 2025 ist Heinrich Rumphorst in seiner Heimatstadt Berlin im Alter von 91 Jahren verstorben. Mit ihm verliert die Gregorianikforschung der Gegenwart eine ihrer prominentesten und einflussreichsten Persönlichkeiten.
Privataudienz zur Vorstellung des Graduale Im Vatikan (v.li. nach re.): Heinrich Rumphorst, Christian Dostal, Theo Geißler, Petra Pfaffenheuser und Papst Benedikt der XVI. Foto: L’Osservatore Romano/ConBrio
Ein großer Lehrer der Gregorianik der Gegenwart
Geboren in Berlin am 4. Dezember des Jahres 1934, wurde seine musikalische Entwicklung schon sehr früh durch das Elternhaus gefördert. Doch entschied er sich für ein Studium der Altphilologie, das er von 1954 bis 1962 an der Freien Universität Berlin und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster absolvierte. Danach war er für ein Jahr als Lehrer für Latein, Griechisch und Musik an der deutschen Schule in Rom und anschließend, bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2000, als Lehrer für Latein und Griechisch am Berliner Jesuitengymnasium, dem Canisius-Kolleg, tätig. Andererseits war seine berufliche Existenz als Lehrer der Altphilologie stets durch ein waches Interesse für die Musik flankiert. Und hier war es vor allem der Gregorianische Choral, zu dem er sich in besonderer Weise hingezogen fühlte. So trat er schon Anfang der 1950er Jahre in eine Schola ein, aus der später die Berliner Choralschola hervorging. 1965 wurde ihm die Leitung dieses bedeutenden gregorianischen Vokalensembles anvertraut, die er bis 2008 innehatte. In all den Jahren trat er mit „seiner“ Berliner Choralschola regelmäßig in Gottesdiensten und in vielen Konzerten in ganz Europa sowie für mehrere CD-Produktionen auf.
1971 wurde Heinrich Rumphorst durch den Kontakt mit deutschen Benediktinermönchen auf eine neue Forschungsrichtung innerhalb der Gregorianik aufmerksam: die gregorianische Semiologie. Diesem Wissenschaftszweig der Gregorianik galt von nun an – neben seinen Pflichten als Gymnasiallehrer – sein besonderes Interesse und uneingeschränktes Engagement.
Sehr bald wurde er in Führungspositionen verschiedener Gremien berufen: 1979 bis 1991 als Vizepräsident der Internationalen Gesellschaft für Studien des Gregorianischen Chorals (AISCGre), 1994 bis 2011 als Vorsitzender der deutschsprachigen Sektion der AISCGre, 1996 bis 2023 als Leiter und Koordinator des internationalen „Arbeitskreises Melodierestitution“, aus dessen Arbeiten als wichtigste Frucht das „Graduale Novum“ (Band 1 „De Dominicis et Festis“, 2011, und Band 2 „De Feriis et Sanctis“, 2018), im ConBrio Verlag Regensburg in Kooperation mit der Libreria Editrice Vaticana hervorging. Darüber hinaus war Heinrich Rumphorst als Lehrbeauftragter für Gregorianischen Choral an zwei Hochschulen tätig: 1976 bis 1993 an der Hochschule der Künste in Berlin, 1996 bis 2001 an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig.
In Würdigung seiner Verdienste um die Forschung, Lehre und Pflege des Gregorianischen Chorals wurden Heinrich Rumphorst verschiedene Auszeichnungen zuteil, so 1990 die Ernennung zum Komtur des Päpstlichen Silvesterordens, 2009 die Verleihung der Orlando-di-Lasso-Medaille des Allgemeinen Cäcilien-Verbands, 2023 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Auch seinen Kollegen im Gremium der Herausgeber der „Beiträge zur Gregorianik“ (BzG), dem er von Anfang an angehörte, sowie dem ConBrio Verlag Regensburg, dem er sich stets dankbar verbunden wusste, war es ein großes Anliegen, seine Verdienste und vorbildliche Kollegialität über Jahrzehnte zu würdigen und zu ehren, mit der Festschrift „Testimonia tua meditatio mea“ in BzG 59/60 (2015) zu seinem 80. Geburtstag. Der Autor dieses Nachrufes möchte noch hinzufügen: Ohne seinen maßgeblichen Anteil wären die zwei Bände des „Graduale Novum“ nie und nimmer erschienen. Nicht zuletzt dadurch ist Heinrich Rumphorst als prägende Figur in die Geschichte der Gregorianik der Gegenwart eingegangen.
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