Rund 30 Institutionen, Stif tungen und Privatp er sonen ermöglichen durch Sonderpreise und Stipendien eine gezielte Förderung des musikalischen Nachwuchses im Anschluss an den Bundeswettbewerb Jugend musiziert. Insgesamt standen im Jahr 2026 Sonderpreise im Gesamtwert von rund 170.000 Euro zur Verfügung. Darüber hinaus unterstützt Jugend musiziert im Rahmen eines vielfältigen Angebots an Anschlussförderungen jährlich zahlreiche Bundespreisträger:innen. Die jungen Musiker:innen erhalten die Möglichkeit, Konzerte zu gestalten, an erstklassigen Kursen teilzunehmen und Konzertreisen ins Ausland zu unternehmen. Dabei gewinnen sie Bühnenerfahrung, lernen von Profis, erweitern ihr Repertoire und knüpfen Kontakte. Mit einigen Partner:innen kooperiert Jugend musiziert seit vielen Jahren, neue Angebote kommen immer wieder hinzu. In dieser Ausgabe der nmz werden Sonderpreisgeber, die Bundespreisträger:innen zu Konzerten einladen, vorgestellt.
Emma Hainzl und Stephan Kahlhöfer. Foto: Heike Fischer
Auftrittsmöglichkeiten für die Musikkarriere
Zu Gast beim Kammer-orchester an der TU Darmstadt
Seit 2016 stiftet das Kammerorchester an der TU Darmstadt regelmäßig einen Sonderpreis an Preisträgerinnen und Preisträger des Bundeswettbewerbs Jugend musiziert. Stephan Kahlhöfer, Gründer des Kammerorchesters, berichtet im Gespräch mit der neuen musikzeitung, wie es dazu kam und welche Wirkung das Orchester damit erreichen möchte.
neue musikzeitung: Wie kam das Kammerorchester denn auf die Idee, einen Sonderpreis zu stiften?
Stephan Kahlhöfer: Ich glaube, es war 2015, als wir mit einem ersten Bundespreisträger von Jugend musiziert aus unserem Bekanntenkreis, einem Tubisten, ein Jazz-Konzert für Tuba und Schlagzeug gespielt haben. Wir waren von seinem Talent und Auftreten schon im jugendlichen Alter so begeistert, dass wir gerne häufiger mit solchen jungen Musikerinnen und Musikern als Solisten zusammenarbeiten wollten. Daraufhin haben wir das Gespräch mit dem Bundeswettbewerb gesucht und dort unseren Wunsch vorgetragen. Herr Prof. Ulrich Rademacher, damals Projektbeiratsvorsitzender von Jugend musiziert, war von dieser Idee sehr angetan, hat sich davon überzeugt, dass Dirigent und Orchester auch den berechtigten Ansprüchen der jungen Preisträger:innen genügen und uns dann vorgeschlagen, regelmäßig einen entsprechenden Sonderpreis zu stiften, mit dem dann jeweils ein Teilnehmender des Wettbewerbs ausgezeichnet werden soll. Wir waren von diesem Vorgehen sehr begeistert und haben den Preis inzwischen bereits sieben Mal vergeben.
nmz: Was genau beinhaltet denn der Sonderpreis und wie wird er vergeben?
Kahlhöfer: Unser Sonderpreis besteht aus einem Engagement des Empfängers zu zwei Konzerten mit dem Kammerorchester als Solistin oder Solist mit Gage und Übernahme aller anderen Kosten für Unterbringung, Fahrt und so weiter. Unterstützt werden wir bei der Vergabe durch die Jury des Bundeswettbewerbs, die uns nach jedem Wettbewerb einige geeignete erste Bundespreisträger:innen ab dem Alter von 16 Jahren vorschlägt, aus denen wir auswählen können. Als hessisches Orchester freuen wir uns natürlich besonders, wenn wir Solisten aus Hessen auszeichnen können, aber meist kamen unsere Preisträger auch aus anderen Bundesländern.
nmz: Was bedeutet der Preis für die Empfänger?
Kahlhöfer: Alle unsere Solisten haben schon im Kindesalter mit anderen zusammen musiziert. Viele sind auch bereits solistisch mit ihrem Schulorchester oder in Kammermusikbesetzung aufgetreten. Die wenigsten hatten jedoch bisher die Chance, sich auch außerhalb ihres Bekanntenkreises als Solist:in zu präsentieren und einmal zu erleben, wie es sich anfühlt, wie ein Profi engagiert zu werden und dann mit unbekanntem Orchester und unbekanntem Dirigenten vor unbekanntem Publikum auf den Punkt eine gute solistische Leistung abzuliefern. Genau das bieten wir ihnen. Und damit die Möglichkeit, für sich selbst herauszufinden, ob sie sich in einer solchen Situation wohlfühlen. Das bringt sie im Idealfall dann auch bei der Frage weiter, ob ein Musikstudium für ihre Zukunft das Richtige ist oder nicht. Dass das tatsächlich so ist, spiegeln uns unsere Preisträger auch nach den Konzerten sehr deutlich wider.
nmz: Und was hat das Kammerorchester von dieser Zusammenarbeit?
Kahlhöfer: Sehr viel. Zum einen lernen wir immer wieder herausragende junge Talente kennen, mit denen es großen Spaß macht, zusammen zu musizieren. Zum zweiten ist es für uns selbst ein Ansporn, unser Bestes zu geben, um den Solisten ein rundum positives Erlebnis zu verschaffen. Und zum dritten freut sich auch unser Publikum, wenn es häufiger solch junge Musikerinnen und Musiker auf hohem Niveau zu hören bekommt.
nmz: Werden Sie auch zukünftig weiterhin Ihren Sonderpreis vergeben?
Kahlhöfer: Ja, die Mitglieder des Kammerorchesters haben sich schon mehrfach mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen.
Emma Hainzl beim Konzert der Sonderpreisträger:innen im Beethoven-Haus Bonn 2025. Foto: Heike Fischer
Emma Hainzl ist die Solistin beim aktuellen Konzert
2025 wurde der Sonderpreis des Kammerorchesters an der TU Darmstadt an die Akkordeonistin Emma Hainzl aus Inneringen vergeben. Sie wird am 21. November in der Stadthalle Groß-Umstadt und am 22.11. im Orangerie-Palais in Darmstadt-Bessungen mit dem TU-Kammerorchester unter der Leitung von Florian Streich das Solokonzert „Pohádky (Märchen)“ für Akkordeon und Orchester von Václav Trojan aus dem Jahr 1959 aufführen. Das Stück malt sieben märchenhafte Szenen auf humorvolle, auch tiefsinnige und sehr unterhaltsame Weise musikalisch aus. Da treten eine Prinzessin auf sowie Akrobaten, Ritter und Drachen, auch ein Matrose mit Schifferklavier, es gibt ein Karussell und ein Zauberkästchen, und es geht am Ende alles gut aus.
Kammerorchester an der TU Darmstadt
Unter professioneller Leitung präsentiert das Kammerorchester an der TU Darmstadt seit über 40 Jahren Werke aus Barock und Klassik bis hin zu Jazz und Weltmusik. Oft arbeitet das Orchester mit hervorragenden Solist:innen aus den Reihen des Staatsorchesters Darmstadt, des hr-Sinfonieorchesters und mit Bundespreisträger:innen des Wettbewerbs Jugend musiziert zusammen.
Mehr unter
Das Duo Wilhelm Lätsch und Hans Friedrich Wöhl. Foto: privat
Gesellschaftshaus Magdeburg
Das Gesellschaftshaus Magdeburg hat für den Bundeswettbewerb Jugend musiziert 2026 erneut einen Sonderpreis in Form eines Konzertauftritts im Rahmen von MultiPhonics gestiftet. Der Sonderpreis wurde vergeben an Wilhelm Lätsch (Violoncello) und Hans Wöhl (Akkordeon), beide aus Jena, Akkordeon-Kammermusik, Altersgruppe V. Charlotte Bittner, Konzertdramaturgin am Gesellschaftshaus Magdeburg, berichtet im Gespräch mit der neuen musikzeitung, wie es zu diesem Sonderpreis kam.
neue musikzeitung: Wie sind Sie auf die Idee des Sonderpreises gekommen?
Charlotte Bittner: Wir hatten die Idee, jungen Leuten am Beginn einer möglichen musikalischen Karriere eine Auftrittsmöglichkeit innerhalb unserer Kammermusikreihe zu geben und haben daher Kontakt zu Jugend musiziert aufgenommen. Unsere Ansprechpartner dort haben uns auf die Möglichkeit der Stiftung eines Sonderpreises hingewiesen.
nmz: Was soll der Preis für die Empfänger bewirken?
Bittner: Wertschätzung für die bisher geleistete Arbeit; nicht alle Preisträger können oder wollen hauptberuflich Musiker werden, professionelle Auftritte können ein Baustein für eine fundierte Entscheidung sein.
nmz: Wie erfolgt die Auswahl des Programms?
Bittner: Wir hatten zweimal Bundespreisträger:innen Jugend musiziert in unsere Kammermusik-Reihe eingeladen, in der Saison 2022/23 und 2023/24. Seitdem finden die Auftritte der Preisträger:innen innerhalb unseres jährlichen Festivals „MultiPhonics – Tage der jungen Musik“ statt. Wir wählen für uns passende Kategorien aus, das Programm wählen die Musiker:innen selbst, meist ist es ihr Wettbewerbsprogramm. Beim Festival MultiPhonics spielen die Preisträger:innen auch Konzerte mit anderen jugendlichen Ensembles zusammen und lassen sich sogar auf Improvisationen ein.
nmz: Was haben Ihnen die Preisträger nach den Konzerten widergespiegelt?
Bittner: Wir haben den Eindruck, dass die Preisträger trotz der häufig sehr langen Anreise den Auftritt bei uns als bereichernd empfinden, vor allem die Einbettung des Auftritts in das Festival kommt gut an.
„MultiPhonics – Tag der jungen Musik“
In seiner bereits sechsten Auf lage lädt „MuliPhonics – Tage der jungen Musik“ vom 5. bis 8. November 2026 ins Magdeburger Gesellschaftshaus ein. Seit 2021 bringt das Festival junge Musiker:innen und Komponist:innen verschiedener Genres zusammen und verbindet klassische Traditionen mit zeitgenössischen Impulsen. Konzerte, Komposition und Improvisation eröffnen neue Klangwelten – von Chormusik bis Weltmusik. Das Konzert am 6. November um 19 Uhr stellt das Akkordeon, das Instrument des Jahres 2026, unter dem Titel „Acordeón Feliz“ ins Rampenlicht.
Neben Schüler:innen der Abteilung Akkordeon des Konservatoriums G. P. Telemann und dem Akkordeon-Quintett des LandesJugendAkkordeonOrchester Brandenburg wirken die beiden Bundespreisträger Jugend musiziert Wilhelm Lätsch (Violoncello) und Hans Friedrich Wöhl (Akkordeon) bei diesem Konzert mit.
Sie musizieren seit 2019 gemeinsam an der Musik-und Kunstschule Jena in der Klasse von Stephan Bahr. Im Mai 2026 wurden sie beim Bundeswettbewerb Jugend musiziert mit der Maximalpunktzahl und zwei Sonderpreisen als Bundespreisträger ausgezeichnet. Ihr Repertoire reicht von Barockmusik bis zu zeitgenössischer Musik. Mit intensiver gemeinsamer Arbeit erkundet das Duo die klanglichen Möglichkeiten von Violoncello und Akkordeon in unterschiedlichen musikalischen Kontexten.
- Share by mail
Share on