Mit einem gut gefüllten Saal wurde am 11. Juli 2026 im schwere reiter in München die Veröffentlichung der Edition „Komponistinnen im Klavierunterricht” sowie der Doppel-CD „She Composed” gefeiert. Was als CD-Präsentation angekündigt war, entwickelte sich zu einer eindrucksvollen musikalischen Reise durch Epochen, Kontinente und Stilwelten.
Yami CruzMontero am Klavier. Foto: Madlen Poguntke
53 Stimmen auf 88 Tasten
Zu Beginn begrüßten die Initiatorinnen, Pianistin Yami CruzMontero und Musikwissenschaftlerin Dr. Ulrike Keil, das Publikum und gaben Einblicke in ein Projekt, das in seiner Dimension beeindruckt. Die drei bei der Universal Edition erschienenen Notenbände vereinen 53 Werke von Komponistinnen aus 23 Ländern und werden durch eine Doppel-CD ergänzt. Elf Pianistinnen und Pianisten – Professorinnen und Professoren ebenso wie Studierende – spielten die Werke ein; acht von ihnen standen an diesem Abend selbst auf der Bühne. Das Konzert vermittelte damit nicht nur einen Eindruck der Edition, sondern machte zugleich ihre künstlerische Qualität unmittelbar erfahrbar.
Die programmatische Vielfalt spiegelte die Konzeption der Veröffentlichung eindrucksvoll wider. Werke des 18. Jahrhunderts standen selbstverständlich neben romantischen Charakterstücken und zeitgenössischen Kompositionen. Von Europa führte die musikalische Reise bis nach Japan sowie nach Mittel- und Südamerika. Die Münchner Pianistin Yami CruzMontero, aus Kuba stammend, erforscht seit vielen Jahren das lateinamerikanische Klavierrepertoire und dessen rhythmischen Reichtum, um diese Musik und deren besondere Schönheit einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, wie sie erklärte.
Gerade diese stilistische Offenheit prägte den gesamten Abend. Kaum verklang ein Werk, eröffnete sich bereits eine neue Klangwelt. Filigrane klassische Linien wechselten mit romantischer Ausdruckskraft, rhythmischer Prägnanz und modernen, bisweilen dissonanten Klangfarben. Das Konzert verzichtete bewusst auf stilistische Grenzen und zeigte stattdessen die bemerkenswerte Vielfalt weiblichen Komponierens über mehrere Jahrhunderte hinweg.
Zu den eindrucksvollsten Momenten zählte Serena Chillemis Interpretation der „Sonate in C-Dur“ von Anna Bon di Venezia. Das ursprünglich für ein historisches Tasteninstrument entstandene Werk entfaltete auf dem modernen Konzertflügel eine bemerkenswerte Transparenz und Leichtigkeit. Umso beeindruckender wirkte anschließend der unmittelbare Wechsel zu zeitgenössischen Werken von Dorothee Eberhardt, Julia Schwartz und Karen Tanaka. Chillemi bewies dabei nicht nur technische Souveränität, sondern auch eine stilistische Flexibilität, die exemplarisch für den gesamten Konzertabend stand.
Einen besonders berührenden Akzent setzte Jelena Stojković mit Dorothea Hofmanns „Unter dem Baum steht mein Schatz“. Das eigens für die Pianistin komponierte Werk, das Erinnerungen an ihre Heimat wachrief, wurde mit großer Sensibilität gestaltet. Zwischen zarten Melodiebögen und nachdenklichen Klangfarben entstand eine Atmosphäre stiller Erinnerung, die das Publikum spürbar in ihren Bann zog.
Überhaupt überzeugte das Konzert durch die Geschlossenheit seines Konzepts. Die Pianistinnen und Pianisten präsentierten die Werke auf hohem künstlerischem Niveau und machten zugleich deutlich, dass diese Musik keine Randerscheinung der Musikgeschichte darstellt, sondern selbstverständlich ihren Platz im Konzertleben und insbesondere im Klavierunterricht einnehmen kann.
Einen originellen Abschluss fand der Abend mit einer vierhändigen Darbietung von Yami CruzMontero und Katharina Nohl, die von einer Tanzchoreografie begleitet wurde. Die Verbindung von Musik und Bewegung verlieh dem Finale einen performativen Charakter und unterstrich noch einmal den offenen, interdisziplinären Ansatz des gesamten Projekts.v
Mit „Komponistinnen im Klavierunterricht“ entstand weit mehr als eine Sammlung bislang wenig bekannter Werke. Die Edition bietet Lehrenden und Pianistinnen wie Pianisten ein sorgfältig ediertes Repertoire, das den Klavierunterricht nachhaltig bereichern kann. Die begleitende Doppel-CD macht diese musikalische Vielfalt zugleich hörbar und weckt die Neugier, weitere Werke dieser Komponistinnen zu entdecken. Das Konzert im schwere reiter zeigte eindrucksvoll, dass dieses Repertoire längst bereit ist, seinen selbstverständlichen Platz auf Konzertpodien und in Unterrichtsräumen einzunehmen – ein Projekt, das weit über München hinaus Aufmerksamkeit verdient.
Tonkünstler-Tag 2026
Musik & Gesundheit
17. Oktober 2026
Schülerinnen im Blick – Pädagogische Herausforderungen verstehen und meistern
Rubinstein-Saal, Landsberger Str. 336; 9.30 – 18.30 Uhr
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