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Klaus Hinrich Stahmer. Foto: Gleb Polovnykov

Klaus Hinrich Stahmer. Foto: Gleb Polovnykov

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Gespür für das Wesentliche

Untertitel
Klaus Hinrich Stahmer zum 85. Geburtstag
Vorspann / Teaser

„Gesang der Steine“ heißt Klaus Hin­rich Stahmers neuestes Werk, das am 27. September 2026 im Museum DKM in Duisburg uraufgeführt wird. Es ent­stand an der Grenzlinie zwischen For­schung und Kreativität, europäischer und chinesischer Musik und spiegelt so wichtige Leitthemen in seinem Leben als Musikforscher und Komponist wi­der. Stets wagte er sich in Bereiche, die neu und experimentell Grenzen zwi­schen Musik und Politik oder Bilden­der Kunst oder europäischer und au­ßereuropäischer Kultur überschreiten. Dabei gelingt es ihm, das Wesentliche einzufangen. Deshalb sind seine Kom­positionen zeitlos gültig und heute ge­nauso aussagekräftig wie zu ihrer Ent­stehungszeit.

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Klaus Hinrich Stahmers Wirken ist facettenreich. Ein vielseitiges Musik­studium, das Violoncello, Schulmusik, Musiktheorie und Musikwissenschaft umfasste, bildet dafür die Grundlage. Am Würzburger Konservatorium und an der späteren Hochschule war er ein gesuchter und inspirierender Lehrer. Sein besonderes Engagement galt der Neuen Musik: 

Er leitete das „Studio für Neue Musik“ und gründete das Festival „Tage der Neuen Musik“. 

Er engagierte sich im Deutschen Musikrat, war mehrfach Präsident der deutschen Sektion der Internationa­len Gesellschaft für Neue Musik. Für den Tonkünstlerverband Bayern ent­wickelte und leitete er die Notenediti­on „Neue Töne“, die in ihren einzelnen Bänden junge Musiker vom Anfänger bis zum Meisterschüler mit sorgsam kuratierten Kompositionen unserer Zeit vertraut macht. 

Ein wichtiges musikpolitisches An­liegen ist für ihn die Wiederannähe­rung an Polen. Hitlers Krieg bedeutet für ihn die Flucht seiner Familie aus Stettin, die er als vierjähriger erleben musste, und ebenso die Scham über die damals von Deutschland begange­nen Verbrechen. 

Klaus Hinrich Stahmer rief die „Klangbrücke“ ins Leben, einen vom Tonkünstlerverband Bayern organi­sierten, deutsch-polnischen Streich­quartett-Wettbewerb, in dem sich deut­sche und polnische Musiker näherka­men und Konzerte in Deutschland und Polen für die Preisträger organisiert wurden. Dem Antisemitismus setzte er eine intensive Beschäftigung mit dem Judentum entgegen, die sein ganzes Schaffen durchzieht. 2022 wurde „Te­fillot“ uraufgeführt, eine Komposition über Gedichte des in Würzburg gebo­renen Dichters Yehuda Amichai, der 1935 nach Palestina fliehen musste. Tefillot schließt einen Werkzyklus ab, der 2001 mit „Mazewot“ über Grabin­schriften im Jüdischen Friedhof von Höchberg begann. 

Klaus Hinrich Stahmers Musik ver­steht es, trotz und gerade wegen ih­rer kompromisslosen Neuartigkeit Emotionen zu wecken. Schön ist, dass er in seinen 80ern noch immer Neues für sich entdeckt: 2024 wand­te er sich dem Klang des Alphorns zu und besingt in der Komposition „Berg­quell“ für Alphorn und Wasserklänge die Schönheit der Natur. Klaus Hin­rich Stahmer ist in seinem Engage­ment und seiner Kreativität erstaun­lich jung geblieben. Sein Engagement für Frieden und Verständigung, ge­gen Hass und Antisemitismus ist in unseren heutigen, schlimmen Zeiten wichtiger denn je. 

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